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Besser einmummeln, denkt sich dieser Feldhase.
Besser einmummeln, denkt sich dieser Feldhase.(Foto: dpa)

Schnee, Kälte, Regen: Ostern wird hässlich

Eiersuche in der Sonne, ein erstes Picknick auf der Parkwiese, Knutschen an der leichten Luft? Pustekuchen, Deutschland! Ostern wird nicht schön. Es steht alles an, was normalerweise im März verschwindet: heftige Kälte, Schnee und Regen. Björn Alexander, Meteorologe bei n-tv, erklärt, was genau an den Feiertagen auf das Land zukommt.

Björn, wie sieht die Wetterlage kurz vorm Osterfest aus?

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Ein Hoch über Skandinavien führt nach wie vor kalte Luft von Osten her na ch Deutschland und hält ein Sturmtief über dem Atlantik auf Distanz. Allerdings zie hen kleinere Tiefausläufer von Frankreich heran un d bringen vor allem im Süden Niederschläge, die zwischenzeitlich mit etwas milderer Luft auch in Regen übergehen werden. Grundsätzlich bleibt es aber leider zu kalt. Anders ausgedrückt: Die "weiße Weihnacht" 2012 ist dem Tauwetter zum Opfer gefallen. Das wird Ostern leider nicht so gehen.

"Weiße Ostern" - oh je. Der März 2013 scheint damit wohl als Wintermonat in die Wetteraufzeichnungen einzugehen, oder?

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Der März 2013 ist auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht ein Ausreißer. Und zwar ein Jahrhundert-Ausreißer. Die Liste der Rekorde ist an und für sich schon rekordverdächtig. Im ersten Monatsdrittel Rekorde am oberen Ende. Beispielsweise Köln oder Düsseldorf mit um die 20 Grad. Und dann im zweiten und dritten Drittel Rekorde in Sachen Tiefstwerte, die gleich reihenweise geknackt wurden. Über 40 Stationen meldeten in der zweiten Märzdekade neue Negativrekorde bei den Temperaturen. Ähnlich viele waren es im letzten Märzdrittel. Hervorstechend waren dabei die Nächte um den 13. bis 15. sowie die um den 24. Unter längerem Aufkla ren und über Schnee oft mit strengem Frost, also um oder unter minus 10 Grad.

Wo war es denn am kältesten?

Wenn wir zum Beispiel aufs letzte Wochenende blicken, da führen zwei Orte aus Brandenburg die Hitliste an: Coschen im Landkreis Oder-Spree mit -18,9°C sowie Mattendorf im Landreis Spree-Neiße mit -18,7°C. Auf Platz 3 folgt Dippoldiswalde-Reinberg in Sachsen mit -18,4°C. Allerdings sind das noch relativ junge Wetterstationen, die dementsprechend noch nicht über lange Messreihen verfügen. Sie laufen also ein wenig außer Konkurrenz.

Wie sieht es bei den älteren Wetterstationen aus?

Da sind selbst Jahrhundertrekorde geknackt worden. In Potsdam beispielsweise. Hier wird seit 1893 das Wetter beobachtet. Und da wurde in den ersten Jahren ein Rekord aufgestellt, der über 100 Jahre hielt, nämlich am 24. März 1899 mit -10,4°C. Den hat der März 2013 aber direkt mal atomisiert. Am 24. März 2013 vermeldete Potsdam -11,4°C. Ein weiteres Beispiel ist Dresden/Flughafen. Die Messreihe läuft seit 1917 mit einem Rekordwert im letzten Märzdrittel von -11,9°C am Morgen des 24. März 2013. Und mit all diesen Extremen verwundert es dann auch nicht, dass auch der Gesamtmonat auf Rekordkurs ist. Der März 2013 ist an einigen Wetterstationen bereits jetzt der kälteste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Wieder mal Jahrhundertrekorde?

Ja. Beispielsweise am Hamburger Flughafen. Da wird seit 1891 das Wetter aufgezeichnet. Der alte Rekord stammt aus dem Jahr 1942 mit 4,1°C unter dem langjährigen Klimamittel. 4,2°C war der März 2013 dort bisher zu kalt. -4,9°C sind es in Potsdam (Wetterbeobachtung seit 1893, Rekord aus dem Jahr 1917 zuvor -4,1°C). -5°C sind es am Dresdener Flughafen (Wetterbeobachtung seit 1967, Rekord aus dem Jahr 1987 zuvor -4,7°C). Weitere Stationen mit Rekordkälte sind Neuruppin (1961), Magdeburg (1947), Berlin-Tempelhof (1948), Lindenberg (1947), Leipzig - Flughafen (1973) und Görlitz (1947). In Klammern sind jeweils die Jahreszahlen angehängt, in denen die Messreihe begann. Weil auch die letzten Tage im März unterdurchschnittlich temperiert sind, werden wohl sicherlich weitere Stationen folgen. Deutlich geringer sind dagegen die Abweichungen vom Normalwert südlich der Mainlinie bei -1 bis -2 Grad Abweichung vom langjährigen Mittel.

Kommen wir zurück zu den Wetteraussichten: Was erwartet uns?

Er weiß, was draußen los ist: Björn Alexander, n-tv Meteorologe.
Er weiß, was draußen los ist: Björn Alexander, n-tv Meteorologe.

Karfreitag schneit es im Osten - teilweise auch mal ergiebiger. Gebietsweise müssen Sie mit Glätte rechnen. Ansonsten startet der Tag auch mal aufgelockert. Später kommen im Nordwesten einzelne Schnee- und Schneeregenschauer auf. Auch der Südwesten ist anfangs trocken, bevor gegen Abend und in der Nacht Wolken mit Regen aufziehen. Schnee fällt oberhalb von etwa 700 bis 900 Metern. Die Temperaturen: ganz einfach zu kalt bei 0 Grad im Erzgebirge sowie in Odernähe und knapp 10 Grad im Breisgau. Am Karsamstag über der Südhälfte neue Niederschläge, die sich von Westen her ausbreiten. Entlang der Mitte schneit es teilweise auch mal kräftig, während im Süden die Schneefallgrenze zuerst einmal über 1000 Meter ansteigt. Auch im Nordosten schneit es zeitweise. Besser, weil trocken und mitunter freundlich, geht es im Westen durch den Tag. Dazu vorm Regen im Süden Bayerns bis 11 Grad. Sonst sind meist 0 bis 8 Grad drin. Spannend wird es im Süden in der Nacht zum Ostersonntag. Dann rückt die Kaltluft wieder bis an die Alpen voran. Und damit schneit es tagsüber im Süden wieder bis in die tiefen Lagen. Mit entsprechenden Nebenerscheinungen wie Glätte und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für "Weiße Ostern". Am besten dürfte es am Ostersonntag nach wie vor im Westen weitergehen. Nach meist frostiger Nacht und Restwolken verläuft der Ostermontag wahrscheinlich häufig trocken und gebietsweise freundlich oder sonnig. Nur im Osten sind noch ein paar Schneeschauer möglich. Ein großes Manko sind aber nach wie vor die Temperaturen: Ostersonntag nur -2 bis plus 8 Grad. Ostermontag durch die Sonne etwas milder bei 2 bis 10 Grad.

Wie sieht es anschließend aus?

Das Skandinavienhoch wird voraussichtlich wieder an Stärke zulegen und das bedeutet, dass es bei einer östlichen Grundströmung bleibt. Eine durchgreifende beziehungsweise nennenswerte Erwärmung fällt damit aus und die Temperaturen klettern allenfalls im Westen oder Südwesten mal so auf 10 bis 13 Grad. Ansonsten oft 0 bis 8 Grad. Und in den Nächten ist es nach wie vor verbreitet frostig. Frühling ist auch in der ersten Woche im April nicht in Sicht.

Da hilft wohl nur die Flucht in den Süden, oder?

Für wärmere Temperaturen auf jeden Fall. So um die 15 bis 20 Grad sind am Mittelmeer durchaus mal drin. Jedoch gibt es ein Problem, das ist das Hoch über Skandinavien. Denn immer, wenn dort ein starkes Hoch liegt, müssen die Tiefs eine alternative Route über Europa nehmen. In diesem Fall ist das die Mittelmeerschiene, die von Westen her immer wieder Regengüsse und Gewitter abbekommt.

Quelle: n-tv.de

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