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Begnadigung "sehr wahrscheinlich": Papst-Diener verurteilt

Ein vatikanisches Gericht verurteilt den ehemaligen Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele wegen Diebstahls zu eineinhalb Jahren Haft. Das Urteil fällt deutlich milder aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert - und für Gabriele zeichnet sich eine noch größere Hoffnung ab.

Paolo Gabriele (r.) sitzt in der Vatikanstadt auf der Gerichtsbank.
Paolo Gabriele (r.) sitzt in der Vatikanstadt auf der Gerichtsbank.(Foto: dpa)

Nach der Verhängung einer 18-monatigen Haftstrafe gegen den früheren päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele im sogenannten Vatileaks-Prozess ist offenbar eine Begnadigung des 46-Jährigen in Sicht. Dies sei eine "sehr wahrscheinliche Möglichkeit", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, der nochmals die Unabhängigkeit des mit drei italienischen Juristen besetzten Tribunals hervorhob. Wann eine Begnadigung erfolgen könnte, sagte er zunächst nicht. Auch weitere Details nannte er nicht.

Der verheiratete Vater dreier Kinder war im Mai festgenommen worden, saß wochenlang im Gefängnis und stand zuletzt unter Hausarrest. Gabriele gibt zu, die Dokumente entwendet zu haben, hält sich aber nicht für schuldig, weil er nach eigener Ansicht im Interesse des Papstes handelte.

"Moralische Motivation"

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Gabrieles Rechtsanwältin Cristina Arru sagte, ihr Mandant habe nichts gestohlen, sondern sich die Papiere nur zu Unrecht angeeignet. Falls er aber wegen Diebstahls verurteilt werden solle, dürfe er nur die Minimalstrafe für einfachen Diebstahl bekommen - drei Tage.

"Er hat aus einer moralischen Motivation heraus gehandelt, von der ich hoffe, dass sie eines Tages anerkannt und gewürdigt wird", sagte Arru. Was er getan habe, sei nicht rechtens gewesen, jedoch habe er Missstände gesehen und sei davon zu seinen Taten getrieben worden. "Ich fühle mich nicht als Dieb", sagt der streng gläubige Familienvater in seinem Schlusswort. "Das, was ich stark in mir fühle, ist die Überzeugung, dass ich aus tiefer, ich würde sagen: hingebungsvoller Liebe zur Kirche von Jesus Christus und zu ihrem Oberhaupt gehandelt habe."

Mildernde Umstände

Die Anklage lautete auf "schweren Diebstahl". Die Staatsanwaltschaft forderte drei Jahre Haft, die das Gericht auch als Grundstrafe gegen Gabriele verhängte, jedoch wegen seiner Verdienste um den Vatikan zugleich reduzierte. Das Urteil wurde live ins Pressezentrum des Vatikan übertragen. Zuvor hatte der vatikanische Staatsanwalt, Nicola Picardi, drei Jahre Haft verlangt.

Der Anklagevertreter Picardi schilderte den 46-jährigen Familienvater als leicht beeinflussbaren Menschen. Das bedeute aber nicht, dass er Mittäter gehabt habe. Gabriele sei vollkommen zurechnungsfähig. Er habe gewusst, was er tat. Dennoch gestand ihm der Staatsanwalt mildernde Umstände zu und plädierte auf drei anstatt wie ursprünglich angenommen auf vier Jahre Haft. Das berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter nach der Verhandlung.

Quelle: n-tv.de

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