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Vertrauensbruch mit juristischem Nachspiel: Paolo Gabriele (vorne) sitzt wegen der Vatileaks-Affäre im Gefängnis.
Vertrauensbruch mit juristischem Nachspiel: Paolo Gabriele (vorne) sitzt wegen der Vatileaks-Affäre im Gefängnis.(Foto: picture alliance / dpa)

Ex-Kammerdiener kommt frei: Papst begnadigt Kurien-Spitzel

Nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest lässt Papst Benedikt XVI. Gnade walten und schließt die Vatileaks-Affäre, die die Kurie dieses Jahr so sehr belastet hat, ab. Er besucht seinen wegen geklauter Dokumente verurteilten Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele im Gefängnis und schenkt ihm die Freiheit.

Papst Benedikt XVI. hat seinen ehemaligen Kammerdiener Paolo Gabriele begnadigt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe Gabriele im Gefängnis aufgesucht und ihm die Nachricht überbracht, sagte Papstsprecher Federico Lombardi.

Gabriele war Anfang Oktober in der sogenannten Vatileaks-Affäre wegen Dokumentendiebstahls von einem vatikanischen Gericht zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden.

Seine Begnadigung durch den Papst war in Rom schon seit längerem erwartet worden. Kurz nach dem Urteil hatte Lombardi dazu noch gesagte, die sei eine "sehr wahrscheinliche Möglichkeit".

Lombardi sprach nach dem Besuch des Papstes von einem "sehr väterlichen Akt".  Die Begegnung habe eine Viertelstunde gedauert. In den Vatikan zurückkehren dürfe Gabriele aber nicht.

Gabriele macht "moralische Motivation" geltend

Gabriele, verheirateter Vater dreier Kinder, war im Mai festgenommen worden. Er hatte zugegeben, die Dokumente entwendet zu haben, hält sich aber nicht für schuldig, weil er nach eigener Ansicht im Interesse des Papstes handelte.

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. "Er hat aus einer moralischen Motivation heraus gehandelt, von der ich hoffe, dass sie eines Tages anerkannt und gewürdigt wird", sagte Gabrieles Rechtsanwältin Cristina Arru nach dem Urteil. Was er getan habe, sei nicht rechtens gewesen, jedoch habe er Missstände gesehen und sei davon zu seinen Taten getrieben worden.

"Ich fühle mich nicht als Dieb", sagte der streng gläubige Familienvater in seinem Schlusswort. "Das, was ich stark in mir fühle, ist die Überzeugung, dass ich aus tiefer, ich würde sagen: hingebungsvoller Liebe zur Kirche von Jesus Christus und zu ihrem Oberhaupt gehandelt habe."

Quelle: n-tv.de

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