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Historischer AuftrittPapst besucht Synagoge

19.08.2005, 07:16 Uhr

Bewegender, historischer Auftritt des deutschen Papstes in der Kölner Synagoge: Benedikt XVI. beschwor das gemeinsame Erbe von Juden und Christen und rief zum gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt auf. Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, zeigte sich tief beeindruckt.

Bewegender, historischer Auftritt des deutschen Papstes in der Kölner Synagoge: Benedikt XVI. beschwor das gemeinsame Erbe von Juden und Christen und rief zum gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt auf. In seiner Rede geißelte Benedikt XVI. den Nationalsozialismus. Auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus ging er aber nicht ein - anders als es sein Vorgänger Johannes Paul II. in seinem Aufsehen erregenden Schuldbekenntnis "Mea Culpa" und bei seinem Israel-Besuch im Jahr 2000 getan hatte.

Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, nach der sich die Zuhörer in der Synagoge von den Sitzen erhoben und applaudierten. "Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

Benedikt XVI. war das erste katholische Kirchenoberhaupt, das eine Synagoge in Deutschland besuchte. 1986 hatte Johannes Paul II. als erster Papst in 2000 Jahren Christentum in Rom ein jüdisches Gotteshaus aufgesucht.

"Unser Blick sollte nicht nur zurück in die Geschichte gehen, er sollte ebenso auf die Zukunft gerichtet sein", sagte Joseph Ratzinger (78) am Freitag bei seinem Synagogen-Besuch. Er gedachte der sechs Millionen Opfer des Holocaust und trat dem Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit entgegen. Der Papst nannte die alttestamentarischen Zehn Gebote "gemeinsames Erbe und gemeinsame Verpflichtung". Juden und Christen sollten praktisch zusammen arbeiten "in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt".

Jüdische Gesänge und Gebete umrahmten die Feierstunde. Am Anfang sprachen Vertreter der jüdischen Gemeinde in Anwesenheit des Papstes das jüdische Totengebet Kaddisch. Gemeinderabbiner Netanel Teitelbaum hielt eine sehr persönliche, religiöse geprägte Rede. Er bezeichnete den Besuch des "hochverehrten Papstes" als "ein Symbol für den Frieden, der auf der Welt herrschen muss -ein Frieden ohne Terror". Zum Abschluss wurden Gastgeschenke getauscht. Benedikt XVI. erhielt ein Schofar, ein jüdisches Signalinstrument, das in früherer Zeit auch im Tempeldienst verwendet wurde.

"Im 20. Jahrhundert hat dann in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu dem, was als die Shoa in die Geschichte eingegangen ist", sagte der Papst. Er betonte auch die Verpflichtung der Kirche, sich für Toleranz der Religionen und gegen Diskriminierung einzusetzen.

"Das ist insofern eine Aufgabe von besonderer Bedeutung, als heute leider erneut Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auftauchen. "Die katholische Kirche (...) tritt ein für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden unter allen Völkern, Kulturen und Religionen."

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, zeigte sich tief beeindruckt von der Rede Benedikts - "besonders, dass er auf das Gemeinsame von Juden und Christen hingewiesen hat". Was die Schuldfrage der Kirche angehe, habe der Papst sich völlig seinem Vorgänger Johannes Paul II. angeschlossen, sagte er der dpa. Wie Rabbiner Teitelbaum lobte auch Gemeinde-Vorstandsmitglied Abraham Lehrer, Sohn einer Auschwitz-Überlebenden, den Papst, wies aber auch auf "immer noch vorhandenen kirchlichen Antisemitismus" hin. Er hoffe, dass die Haltung des Papstes den gesamten Kirchenkörper "von der Spitze bis zur Basis durchdringt".