Panorama
Papst Franziskus eilt bereits von Termin zu Termin.
Papst Franziskus eilt bereits von Termin zu Termin.(Foto: REUTERS)

Franziskus bleibt keine Zeit zur Ruhe: Papst geht an die Arbeit

Tag eins für den neuen Pontifex. Sein Tagesablauf ist streng geregelt, den Gläubigen zeigt er sich bereits am frühen Morgen an der Marien-Basilika in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort wollte er sich bei der Gottesmutter für seine Wahl bedanken. Im Laufe des Tages müssen viele Hände geschüttelt werden. Die wirklichen und großen Probleme packt Papst Franziskus noch nicht an.

Der neue Papst Franziskus hat am Morgen nach seiner Wahl die  älteste Kirche der Welt, die römische Basilika Santa Maria Maggiore, für ein Gebet aufgesucht. Sie ist eine der vier Papst-Basiliken Roms. Dutzende Menschen, darunter viele Fotografen, erwarteten das neue Oberhaupt der katholischen Kirche. Es war das erste öffentliche Erscheinen des neuen Papstes nach seiner kurzen Ansprache an die Menge der Gläubigen am Vorabend vom Balkon des Petersdomes aus. Franziskus betete in einer Kapelle der Basilika.

Franziskus (l.) jubelt gemeinsam mit Kardinal Agostino Vallini den zahlreichen Besuchern zu.
Franziskus (l.) jubelt gemeinsam mit Kardinal Agostino Vallini den zahlreichen Besuchern zu.(Foto: REUTERS)

Der Papst wurde unter anderem begleitet von Georg Gänswein, dem Präfekten des Päpstlichen Haushaltes. Bei dem kurzen Besuch in der römischen Basilika wurde er vom Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, begleitet. "Er sprach herzlich zu uns - wie ein Vater", sagte der Priester Ludovico Melo, der gemeinsam mit dem Papst betete.

Franziskus hatte nach seiner Wahl von der Loggia des Petersdomes angekündigt, dass er sich als erstes bei der Gottesmutter für seine Wahl bedanken wolle.

Später wollte Franziskus nach Castel Gandolfo reisen, wo sich derzeit sein Vorgänger, Benedikt XVI., aufhält. Für den späten Nachmittag war in Rom die erste Messe des neuen Papstes in der Sixtinischen Kapelle geplant. An ihr nehmen die Kardinäle teil, die sich zum Konklave in Rom versammelt hatten. Es wird erwartet, dass sich Franziskus dabei zu den Grundlinien seines Pontifikats äußern wird.

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio war am im fünften Wahlgang zum 266. Papst der Weltkirche gewählt worden. Der erste Jesuit und Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri hatte seine erste Nacht als Papst in der für ihn hergerichteten Suite 201 des vatikanischen Gästehauses Santa Marta verbracht.

Am Sonntagmittag will sich der 76 Jahre alte Pontifex den Gläubigen auf dem Petersplatz für das traditionelle Angelusgebet zeigen. Am kommenden Dienstag soll Franziskus mit einer Messe im Petersdom feierlich in sein Pontifikat eingeführt werden. Zu diesem Gottesdienst werden Staatschefs und andere führende Persönlichkeiten erwartet.

Die historische Wahl erstmals eines Lateinamerikaners zum Papst weckt die Hoffnung auf mehr globale Gerechtigkeit und ein friedvolles Miteinander der Religionen. US-Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierten Jorge Mario Bergoglio zu dessen Wahl. Der Argentinier hat sich als erstes Kirchenoberhaupt den Papstnamen Franziskus gegeben, benannt nach dem heiligen Franz von Assisi. Papst Franziskus ist Nachfolger von Benedikt XVI., der am 28 Februar aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetreten war. Erstmals seit dem Syrer Gregor III. im 8. Jahrhundert stammt ein Papst nicht aus Europa. Nie zuvor war ein Mitglied des Jesuitenordens Papst. Bergoglio ist Jesuit und wird oft als Anwalt der Armen bezeichnet.

Erwartungen an Franziskus sind hoch

Der erste große Auftritt für den Neuen im Vatikan.
Der erste große Auftritt für den Neuen im Vatikan.(Foto: dpa)

Auf Franziskus warten gewaltige Aufgaben. Die katholische Kirche leidet nach Ansicht von Kritikern unter einem Reformstau. Auch die Kurie und die Vatikanbank gerieten in Verruf. Zu seinen weiteren Aufgaben zählen sicher auch die Aufarbeitung tausender Missbrauchsfälle von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche, die Debatte über das Selbstbestimmungsrecht Schwangerer und der Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität. Gerade bei diesem Thema gilt Franziskus als Hardliner, der sich erfolglos gegen die Legalisierung der Homo-Ehe mit der argentinischen Regierung anlegte.

Nur wenigen Stunden nach der Wahl forderten bereits Opfer von sexuellem  Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche den neuen Papst zu Reformen auf. Sie erinnern daran, dass der Heilig Franz von Assisi der "größte Reformer in der Geschichte der Kirche" war. Papst Franziskus müsse dasselbe tun, forderte die US-Organisation Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (SNAP). Die Organisation erinnerte daran, dass Millionen Kinder bis heute gefährdet seien, von katholischen Priestern missbraucht zu werden. Die Kirche habe ihre Politik der Vertuschung noch nicht beendet. So äußerte die SNAP die Hoffnung, dass Franziskus endlich die Namen schuldiger Priester in seiner Erzdiözese Buenos Aires offenlege.

Die Laienorganisation Wir sind Kirche forderte umfassende Reformen im Vatikan sowie in der gesamten katholischen Kirche, darunter die Gleichstellung von Männern und Frauen. Nur so könne der Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit in der Welt glaubwürdig sein.

Auch muss sich Franziskus dem Thema Priesternachwuchs widmen. Gerade junge Geistliche bestehen mehr und mehr auf ein Ende des Enthaltsamkeitsgebots. Auch hier kann man davon ausgehen, dass der konservative neue Papst nicht von der bisherigen Linie des Vatikans abweichen wird. Schlussendlich wartet auf Franziskus die Aufarbeitung der sogenannten Vatileaks-Affäre um Geheimnisverrat, Erpressung und Homosexualität im Vatikan.

Freude in aller Welt

Der neue Papst als Sandskulptur in Indien.
Der neue Papst als Sandskulptur in Indien.(Foto: AP/dpa)

Brasiliens Bischöfe reagierten mit großer Freude auf die Wahl Bergoglios. "Wir erwarten ihn mit viele Liebe und Warmherzigkeit zum Weltjugendtag (im Juli) in Rio de Janeiro", sagte der Generalsekretär der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), Leonardo Steiner. Der neue Papst komme aus der Kirche Lateinamerikas, die stets Zeugnis für Jesus Christus abgegeben und die Türen für die Armen offen gehalten habe. Die Wahl des Argentiniers belebe die Kirche in ihrer Mission.

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wünschte dem neuen Papst Gottes Segen, "viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick". Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, nannte den neuen Papst ein "großes Hoffnungszeichen für die Kirche". "Ich erhoffe mir von einem Papst, der nicht aus der Zentrale kommt, eine neue Aufgabenverteilung zwischen Rom und den Ortskirchen", sagte Glück. Die Kardinäle setzten mit der Wahl des Argentiniers "bewusst einen neuen Akzent".

Selbst die Kardinäle waren überrascht

Die Entscheidung für Jorge Mario Bergoglio ist nach Angaben von Kardinal Joachim Meisner eine überraschende Wahl gewesen. "An Kardinal Bergoglio habe ich nicht gedacht", sagte der Erzbischof von Köln in Rom. "Ich hätte mir einen anderen vorgestellt." Es sei aber ein gutes Zeichen, dass der neue Papst ganz anders sei, als er gedacht habe.

Die Entscheidung für Bergoglio sei ein tagelanger Prozess gewesen und habe sich nach und nach in den Gesprächen und Abstimmungen herauskristallisiert. "Ich glaube, die meisten, die aus dem Konklave rausgegangen sind, die haben gesagt, das hätten wir nicht gedacht. Der ist uns wirklich geschenkt und der sei uns auch wirklich herzlich willkommen", sagte er. Bergoglio habe das Format Papst zu sein und die Kardinäle seien nach dem Ende der Abstimmung froh über die Wahl gewesen.

Buenos Aires feiert

Große Freude in Buenos Aires.
Große Freude in Buenos Aires.(Foto: AP/dpa)

In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires wurde die Wahl des Landsmannes mit Jubel aufgenommen. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner wünschte Franziskus eine "fruchtbare" Amtszeit. Die Argentinier strömen in die Kirchen und feiern die völlig überraschende Wahl des 76-Jährigen zum Pontifex Maximus. Viele Menschen in dem überwiegend katholischen Land weinen und schicken Dankgebete zum Himmel. Sie hoffen, der Jesuit wird die Glaubwürdigkeit von Kirche und Vatikan nach den Skandalen der letzten Jahre wiederherstellen.

Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern überwiegt die Freude. "Ein Südamerikaner ist einfach offener als andere, während ein Europäer verschlossener ist", sagt der Mitarbeiter eines Krankenhauses in Santiago de Chile: "Ein Wandel wie dieser - mit einem Lateinamerikaner im Zentrum - ist sehr wichtig für den Kontinent", freut sich der Mann. "Ich bin froh", bekennt auch ein 49-jähriger Taxifahrer in Mexiko Stadt. "Ein Papst aus Europa wäre so gewesen, wie wenn man dasselbe Brot jeden Tag isst." Endlich habe die Kirche ein Tabu gebrochen.

In Lateinamerika leben rund 42 Prozent aller 1,2 Milliarden Katholiken. In Europa sind es nur 25 Prozent. Die Papstwahl zeige, dass die Kirche nun nach Lateinamerika schaue, erklärt Orani Tempesta, Erzbischof von Rio de Janeiro.

Auch der Jüdische Weltkongress in New York hofft, die "engen Beziehungen weiterzuführen". "Papst Franziskus ist für uns kein Fremder", erklärte Ronald S. Lauder, der Präsident der Organisation. "Er hatte immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen."

"Betet für mich"

Kanzlerin Merkel betonte, "weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht." US-Präsident Obama erklärte, er freue sich darauf, mit dem neuen Papst zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller "Mitmenschen, unabhängig ihres Glaubens" zu stärken. Als Fürsprecher der Armen und der Schwächsten trage Papst Franziskus die Botschaft von Liebe und Mitgefühl weiter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzt auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan "unter der weisen Führung" von Papst Franziskus.

"Betet für mich", hatte der bescheiden auftretende neue Papst nach der historischen Wahl von der Mittelloggia des Petersdoms gesagt. Das neue Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken trat in weißer Soutane, mit Brustkreuz und weißem Papst-Käppi vor die Gläubigen. Er sprach mit den Gläubigen das Vaterunser und das Ave Maria für den zurückgetretenen deutschen Papst.

Um 19.07 Uhr hatte weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle die erfolgreiche Wahl eines Papstes verkündet. Auf dem Petersplatz brandete großer Applaus auf. Die Glocken des Petersdoms läuteten, bald auch die der Kirchen in Deutschland. Das Erzbistum München ordnete die Beflaggung von Kirchen und Gebäuden an.

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Quelle: n-tv.de

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