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Sichtlich müde und erschöpft wirkte Benedikt XVI.
Sichtlich müde und erschöpft wirkte Benedikt XVI.(Foto: dpa)

Messe wird zum historischen Ereignis: Papst rührt zu Tränen

Es ist die letzte heilige Messe, die Joseph Ratzinger als Papst hält. Das Ereignis zieht Tausende in den Petersdom, die Benedikt den XVI. mit Sprechchören bejubeln. Der kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Den Besuchern stehen die Tränen in den Augen.

Papst Benedikt XVI. hat sich bei seinen zwei öffentlichen Auftritten am Aschermittwoch müde, aber auch aufmerksam und sehr bewegt gezeigt. Bei der Generalaudienz unterbrach die versammelte Menge das Oberhaupt der katholischen Kirche mehrfach mit "Benedetto, Benedetto"-Rufen und zollte ihm mit lang anhaltendem Applaus Respekt.

Der Papst forderte die Gläubigen auf, "für mich, für die Kirche und den künftigen Papst" zu beten. "Ich danke euch für die Liebe und die Gebete, die mich in den vergangenen schwierigen Tagen begleitet haben." Das Kirchenoberhaupt betonte, die Entscheidung zum Rücktritt aus freien Stücken und "zum Wohl der Kirche" getroffen zu haben.

"Sünden gegen die Einheit der Kirche"

Der Petersdom war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Der Petersdom war bis auf den letzten Platz gefüllt.(Foto: Reuters)

Benedikt, der sich während der wöchentlichen Generalaudienz auf neun Sprachen äußerte, ging vor den Gläubigen auf die Krise der katholischen Kirche ein: "Die aktuelle Gesellschaft unterwirft den Christen vielen Prüfungen, die sein persönliches und soziales Leben betreffen." Am Ende der Audienz sprach der Papst mit vielen Besuchern, von denen viele Tränen in den Augen hatten.

Die Aschermittwochsmesse am Abend war die letzte große Messe, die Benedikt als Kirchenoberhaupt leitete. Auch dort ging der Papst auf den Zustand der katholischen Kirche ein. Er wandte sich gegen "religiöse Heuchelei" und forderte ein Ende von "Individualismus und Wetteifer". "Das Gesicht der Kirche wird manchmal von Sünden gegen die Einheit der Kirche und Spaltung zwischen den Geistlichen geschädigt", beklagte der Heilige Vater. Dabei werde das "Zeugnis" der Kirche "umso bedeutsamer sein, umso weniger wir unseren Ruhm suchen".

Ermutigung zur Erneuerung

In einem Schlusswort für die Messe sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, angesichts des angekündigten Papst-Rücktritts liege "ein Schleier der Traurigkeit auf unserem Herzen". Es sei aber "die Liebe zu Gott und der Kirche", die zu der Entscheidung Benedikts XVI. geführt habe.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sieht in dem Rücktritt eine Ermutigung zur Erneuerung der Kriche. "Papst Benedikt XVI. hat uns ein Zeichen gegeben, Türen zu öffnen und alte Traditionen aufzubrechen", sagte Marx in seiner Aschermittwochspredigt. Der Schritt des Kirchenoberhauptes sei ungewöhnlich gewesen, weil er Traditionen durchbrochen habe – aber erst dadurch werde auch "Leben ermöglicht". Die Entscheidung sei ein Hinweis für die ganze Kirche: "Der Mut, neue Wege zu gehen, der Mut sich von Altem zu trennen, muss keine Revolution sein, sondern das Vertrauen auf Gott, dass er uns durch alle Türen hindurch führt in die Begegnung mit ihm selber."

Gläubige rühren den Papst

Das Pontifikat wird am 28. Februar in Castel Gandolfo mit einem Abendessen ausklingen, also ohne einen offiziellen Schlussakt. Das machte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi deutlich. Benedikt fliegt um 17 Uhr per Helikopter vom Vatikan in die päpstliche Residenz südlich von Rom. Nach dem Abendessen werde er wohl in der Kapelle beten und die Anwesenden begrüßen, "alles mit großer Normalität." Um 20 Uhr endet das Pontifikat, wobei weiterhin niemand weiß, wie Benedikt dann heißen wird: Emeritierter Bischof von Rom, früherer Papst, Kardinal Ratzinger? "Darüber wird im Vatikan nachgedacht", sagte Lombardi.

Die Gläubigen im Petersdom jubelten dem Papst nach dem Gottesdienst zu, "Es lebe der Papst" schallte durch den Petersdom. Benedikt konnte den Applaus nur für kurze Zeit unterbrechen, indem er die Anwesenden aufforderte: "Kehren wir zurück zum Gebet!" Am Ende der Messe zog das Kirchenoberhaupt, das seinen überraschenden Rücktritt am Montag mit seinem hohen Alter begründet hatte, auf einer rollenden Plattform aus der Kirche aus. Dabei musste er sichtlich­ lächeln – offenbar aufgrund des anhaltenden Applauses.

Quelle: n-tv.de

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