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Zehntausende hatten seit dem frühen Morgen auf dem Petersplatz gewartet, um dem Angelus-Gebet des neuen Papstes beizuwohnen.
Zehntausende hatten seit dem frühen Morgen auf dem Petersplatz gewartet, um dem Angelus-Gebet des neuen Papstes beizuwohnen.(Foto: REUTERS)

"Eine arme Kirche für die Armen": Papst spricht Angelus-Gebet

Vor mehr als 150.000 Menschen auf dem Petersplatz spricht Papst Franziskus sein erstes Angelus-Gebet. Er betont die Bedeutung der Barmherzigkeit, die "die Welt verändert, weniger kühl und dadurch gerechter macht". Zum Schluss wünscht er einen "schönen Sonntag und guten Appetit".

Franziskus grüßt die Gläubigen und Besucher auf dem Petersplatz.
Franziskus grüßt die Gläubigen und Besucher auf dem Petersplatz.(Foto: dpa)

Vier Tage nach seiner Wahl zum Papst hat Franziskus sein erstes Angelus-Gebet gesprochen. Mehr als 150.000 Menschen auf dem Petersplatz jubelten dem 76-Jährigen zu, viele schwenkten die Flagge seines Heimatlandes Argentinien. "Brüder und Schwestern, guten Tag", sagte Franziskus. Dieser Platz sei die Welt im Kleinen, ergänzte er mit Blick auf die zahlreichen Pilger aus verschiedensten Ländern.

Franziskus rief die Menschen auf, barmherzig zu sein und anderen zu verzeihen. "Ein bisschen Barmherzigkeit verändert die Welt, macht sie weniger kühl und gerechter", sagte der 76-Jährige unter dem Beifall der Menge. "Gott wird nie müde, uns zu verzeihen. Das Problem ist, dass wir müde werden, um Vergebung zu bitten."

Mit der Wahl seines Namens nach Franz von Assisi wolle er seine spirituelle Verbindung mit Italien stärken, sagte Franziskus. Dort lägen die Wurzeln seiner Familie.

Der Papst rezitierte das "Ave Maria" in Latein, betete gemeinsam mit den Menschen auf dem Petersplatz und segnete sie. Immer wieder brandete Beifall auf. Zum Schluss wünschte er einen "schönen Sonntag und guten Appetit".

Eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen

Franziskus während der Audienz für die Pressevertreter.
Franziskus während der Audienz für die Pressevertreter.(Foto: REUTERS)

Bei einem Empfang für Medienvertreter rief Franziskus die Katholiken in aller Welt auf, sich stärker für die Armen einzusetzen. "Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen", sagte der 76-Jährige bei der Audienz mit Tausenden Besuchern gestern im Vatikan. Zugleich betonte Jorge Mario Bergoglio, dass die Kirche nicht politisch, sondern im Kern spirituell sei.

Über die personelle Besetzung der wichtigen Posten in der römischen Kurie, die durch die "Vatileaks"-Affäre um Verrat und andere Machenschaften ins Gerede gekommen war, will Franziskus erst später entscheiden. Der argentinische Papst wolle sich eine gewisse Zeit nehmen für Reflexion, Gebete und Gespräche, teilte der Vatikan mit. Die Vorgabe gilt auch für den umstrittenen Posten des Kardinalstaatssekretärs.

Der neue Papst wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nicht alle Erwartungen erfüllen können. Franziskus trete kein einfaches Amt an, heißt es in einem Hirtenbrief, der in allen Gottesdiensten des Erzbistums Freiburg verlesen wird. "Das zeigt allein die Vielzahl der Erwartungen, die vor und während der Wahl und umso mehr natürlich jetzt nach der Wahl formuliert worden sind", betont Zollitsch darin. "Diese wird er nicht alle erfüllen können."

Scharfschützen bewachen den Papst

Das Areal vor dem Petersdom wird am kommenden Dienstag einem Hochsicherheitstrakt gleichen, wenn neben den vielen Pilgern mehr als 100 Delegationen mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt am Einführungsgottesdienst für Franziskus teilnehmen wollen. Dann erhält er die Insignien der päpstlichen Macht, das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno bereitete die Bürger und Besucher der Stadt auf Situationen vor, die Ausnahmezuständen ähneln werden. Dazu werden massive Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Mehr als 1000 Sicherheitskräfte, darunter auch Scharfschützen, sollen eingesetzt werden.

Ratzinger übergibt brisante Akten

Mit Spannung wird in Rom das historische Treffen des neuen und des emeritierten Papstes erwartet. Am kommenden Samstag will Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. treffen, wie der Vatikan ankündigte. Bergoglio und Joseph Ratzinger kommen dazu in der Papstresidenz Castel Gandolfo bei Rom zusammen. Ratzinger hat sich nach seinem Rücktritt am 28. Februar dorthin zurückgezogen, später kehrt er in ein Kloster im Vatikan zurück.

Benedikt XVI. hatte angekündigt, die Unterlagen zum "Vatileaks"-Skandal nur seinem Nachfolger zugänglich zu machen. Beobachter schlossen daraus, dass die Inhalte brisant sein dürften. In dem Skandal geht es nach Medienberichten angeblich um Korruption, Intrigen und sexuelle Ausschweifungen. Derzeit sollen sich die Geheimdokumente in Castel Gandolfo befinden.

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Quelle: n-tv.de

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