Panorama

"Kondome helfen nicht"Papst überbringt Hoffnung

17.03.2009, 19:40 Uhr

"Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte Papst Benedikt auf dem Weg nach Afrika, wo er eine "Botschaft der Hoffnung" überbringen will.

Kondome können nach Ansicht von Papst Benedikt XVI. keinen Beitrag im Kampf gegen Aids leisten. "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte der Papst an Bord seines Flugzeugs, unterwegs auf seiner ersten Afrika-Reise. Die Lösung liege vielmehr in einem "spirituellen und menschlichen Erwachen" und der "Freundschaft für die Leidenden". In Afrika sind bereits 17 Millionen Menschen an Aids gestorben.

Zu den katastrophalen Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Afrika sagte Benedikt: "Diese Krise ist das Ergebnis einer fehlenden Ethik." Von der Wirtschaftskrise werde im Übrigen auch seine nächste Enzyklika handeln. "Sie war fast fertig, als die Krise über die Welt hereinbrach, da haben wir alles noch einmal überarbeiten müssen, um der Menschheit eine dieser Konjunktur angemessene Botschaft überreichen zu können."

Die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks Unicef hat mit Unverständnis auf die Äußerungen reagiert. "Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen - und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann", sagte Unicef-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus dem "Kölner Stadt- Anzeiger". Kondome seien Teil der weltweiten Aufklärungskampagnen nach dem "ABC-Ansatz". Dabei stehe A für Abstinenz, B für "Bleib treu" und C für die Benutzung von Kondomen (englisch: "Condoms"). "Das ist unsere klare Botschaft an die Jugendlichen auf der Welt", so Stachelhaus.

"Absurde" Position des Papstes

Auch deutsche Politiker kritisierten das Kirchenoberhaupt. "Bei allem Respekt vor dem Papst, und ich bin selbst Katholik, aber diese Position halte ich für absurd", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der "Hamburger Morgenpost". Als "höchst unverantwortlich" bezeichnete die Grünen-Chefin Claudia Roth die Haltung Benedikts. "Der Papst setzt damit eine kontraproduktive, destruktive, lebensfremde und liebesfeindliche Politik fort, die jeglichen vernünftigen Ansatz bei der Bekämpfung der HIV-und Aids-Epidemie zunichte macht", sagte sie dem Blatt. Der Grünen-Politiker Volker Beck erklärte in Berlin, die Worte des Papstes seien "zynisch und menschenverachtend".

In Schwarzafrika liegen nach Angaben des UN-Aidsprogramms (UNAIDS) die von der Krankheit am schlimmsten betroffenen Länder der Erde. Etwa 22 Million HIV-infizierte Menschen leben in dieser Weltregion - zwei Drittel aller Fälle weltweit.

Papst spricht von "Botschaft der Hoffnung"

Benedikt ist unterdessen in Jaunde, der Hauptstadt von Kamerun, eingetroffen. Von dort aus wird er am Freitag nach Angola reisen. Beide Länder gehören zu den ärmsten der Welt. Am Donnerstag trifft sich der Papst mit Kirchenvertretern aus 52 afrikanischen Staaten, um über eine Afrika-Synode zu beraten, die im Herbst stattfinden soll. Den Gläubigen wird sich Benedikt XVI. vor allem bei zwei Messen unter freiem Himmel zeigen – bei einer in Jaunde am Donnerstag und einer in Luanda am Sonntag.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche sagte bei seiner Ankunft, er wolle dem ärmsten Kontinent der Erde eine "Botschaft der Hoffnung" überbringen. Die Menschen in Afrika hoffen auf ein "Wort der Hoffnung und des Trostes". Angesichts des Leidens, der Gewalt, der Armut, der Hungers, der Korruption und des Machtmissbrauchs dürften Christen niemals schweigen. Er übte Kritik an den regionalen Konflikten, die Afrika verwüsteten, brandmarkte den Menschenhandel als "neue Form der Sklaverei" und beklagte die Unterversorgung mit Lebensmitteln.

Empfangen wurde das Kirchenoberhaupt vom kamerunischen Präsidenten Paul Biya, der in seiner Begrüßungsrede das Interesse des Papstes an Afrika lobte. Dies ermutige die von Bürgerkriegen und Armut gezeichneten Menschen, ihre Bemühungen für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft fortzusetzen, sagte Biya.