Panorama
Der eigentliche Prozess beginnt erst, wenn das Gericht entschieden hat, welche Anklagepunkte zugelassen werden.
Der eigentliche Prozess beginnt erst, wenn das Gericht entschieden hat, welche Anklagepunkte zugelassen werden.(Foto: dpa)

Prozess um vergewaltige Inderin: Peiniger erhält Strafminderung

Die Familie der jungen Inderin, die nach einer Gruppenvergewaltigung starb, will alle sechs Beschuldigten am Galgen sehen. Doch zumindest einer der mutmaßlichen Peiniger dürfte mit einer milden Strafe davonkommen. Ein Gericht bescheinigt ihm, minderjährig zu sein.

Nach der tödlichen Vergewaltigung einer jungen Inderin droht einem der Beschuldigten einer Gerichtsentscheidung zufolge maximal drei Jahre Freiheitsentzug. Ein Jugendgericht in Neu Delhi bescheinigte dem Verdächtigen auf Grundlage alter Schulunterlagen, zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre und sechs Monate alt gewesen zu sein. Indisches Strafrecht sieht für Minderjährige eine maximale Strafe von drei Jahren in einer Jugendstrafanstalt vor. Den anderen fünf mutmaßlichen Peinigern der 23-Jährigen droht ein Todesurteil durch ein Schnellgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Vergewaltigung und Mord vor.

Das Opfer war am 16. Dezember in einem fahrenden Bus in Neu Delhi von mehreren Männern vergewaltigt und gemeinsam mit einem Freund gefoltert worden. Die Frau starb 13 Tage später an ihren Verletzungen. Der Minderjährige soll den Ermittlungen zufolge sie und ihren Begleiter in den Bus gelockt und sich besonders grausam an ihr vergangen haben. Der Bruder der Frau kritisierte am Montag, dass dem 17-Jährigen nun nur eine milde Strafe droht. "Es ist nicht richtig, ihn davonkommen zu lassen", sagte er dem Nachrichtensender NDTV. "Wir wollen, dass alle sechs Beschuldigten hängen." Die Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch gegen die Entscheidung des Jugendgerichts an.

Das Schnellgericht in Neu Delhi lehnte einen Antrag der Verteidigung ab, bei einem weiteren Beschuldigten zu prüfen, ob er minderjährig sei. Bei einer Anhörung im Vorverfahren äußerten sich hinter verschlossenen Türen die Anwälte der fünf volljährigen Verdächtigen zur Anklageschrift. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft ihre Punkte vorgebracht. Die nächste Anhörung ist für diesen Dienstag geplant. Der eigentliche Prozess beginnt erst, wenn das Gericht entschieden hat, welche Anklagepunkte zugelassen werden. Ein Datum dafür steht weiterhin nicht fest.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen