Sonntag, 31. Januar 2010
Der Umwelt zuliebe: Pekinger sollen wieder radeln
Im einstigen "Fahrradparadies" Peking haben die Autos die Überhand gewonnen. Jetzt will die Metropole "grüner" werden und ihre Einwohner sollen umweltbewusst in die Pedale treten.Wenn der "Drache" China hustet, liegt das vor allem an der hohen Luftverschmutzung. In Peking zum Beispiel übersteigen die Schadstoffmengen in der Luft oft die empfohlenen Grenzwerte. Die Industrie tritt auf das Gaspedal, und auch der Verkehr in der Hauptstadt befördert unablässig Kohlenstoffdioxid (CO2) und andere Schadstoffe in die Luft. Das Wirtschaftswachstum ist auf der Überholspur, der Lebensstandard vieler Chinesen steigt zusehends. In einer Gesellschaft, in der Konsumorientierung gefördert wird, sei es schwer, für einen bewussteren Umgang mit Energie zu werben, klagt Zhang Wenhua von der regierungsunabhängigen Organisation "Friends of Nature".
"Es gibt 4,7 Millionen Autos in Peking und immer weniger Platz für Fahrräder", erklärt sie. "Jedermanns Komfort wird zu jedermanns Unannehmlichkeit." Die 27-Jährige setzt sich für ein "grüneres" Peking ein. Grünes Licht bekam jetzt ein Projekt, bei dem versucht wird, die Hauptstädter dazu zu bewegen, häufiger auf das Rad umzusteigen. Zhang Wenhuas Projekt soll dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Während Peking früher als "Fahrradparadies" galt, haben die Autos längst die Überhand gewonnen. Zhang Wenhua will die Pekinger zurückholen auf die Räder. Dafür soll sie herausfinden, welche Infrastruktur geschaffen werden muss, um mehr Leihstellen und Parkmöglichkeiten für die Räder sowie mehr Fahrradwege zu schaffen.
Der Frust der Umweltschützer wächst
"Viele Menschen in Peking sind sich darüber im Klaren, dass dringend etwas getan werden muss, um Energie einzusparen, sie wissen aber nicht wie", sagt Zhang Wenhua, die ursprünglich aus Taiwan stammt. In Peking stauen sich nicht nur die Fahrzeuge auf den Straßen, auch der Frust der Umweltschützer wächst. Zhang Wenhua erklärt, dass es auf der einen Seite in Peking die Menschen gebe, die sich ein Auto leisten können und nur ungern auf ihre Mobilität verzichten wollen. "Die Menschen wissen, dass der hohe Energieverbrauch ein Problem ist, sie wollen aber ihren Lebensstandard nicht aufgeben." Auf der anderen Seite gebe es immer noch viele arme Menschen, deren Stimme nicht gehört werde. Viele Menschen trauten sich schon nicht, sich zu beschweren, wenn zum Beispiel ein Fahrradweg einer neuen Baustelle weichen muss.
Zhang Wenhua hofft, dass in der 17-Millionen-Metropole künftig mehr Menschen ihr Auto stehen lassen. Ihr Ziel ist es, den Pekingern Wege aufzuzeigen, wie man den Geldbeutel und die Umwelt gleichzeitig schonen kann. Bis 2015 sollen in Zusammenarbeit mit den Fahrrad- Leihstellen und der Pekinger Regierung wieder 23 Prozent mehr Fahrräder unterwegs sein. Unter den Bewohnern Pekings werden Erhebungen über ihre Wünsche und Bedürfnisse durchgeführt. "Unsere Absicht ist, dass die Stimmen der Pekinger gehört werden", sagt Zhang Wenhua.
Es gibt noch viel zu tun
Generell gibt es beim Thema Energieeinsparung noch viel zu tun. Die Zentralregierung hat reagiert und eine Nationale Energie-Kommission (NEC) eingerichtet. Die ministerienübergreifende Behörde soll für den zweitgrößten Energieverbraucher der Erde eine Energiestrategie entwickeln. "Die Gründung der NEC zeigt, dass die Regierung der Energie eine noch nie dagewesene Wichtigkeit zumisst", zitierte "China Daily" Lin Boqiang, den Direktor des Forschungszentrums für Energiewirtschaft der Xiamen Universität. Regierungschef Wen Jiabao, der die Kommission leitet, hofft, dass mit den unter einem Dach vereinten Kompetenzen Chinas landesweite Energiestrategie besser koordiniert werden kann.
Mareen Hoeppner, dpa
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