Panorama

Jetzt zieht London nachPlastiktüten verbieten

27.11.2007, 09:42 Uhr

13 Milliarden Plastiktüten gehen in England jährlich kostenlos über die Landentheken. Damit soll jetzt Schluss sein. Das kleine Städtchen Modbury hat Tüten bereits verbannt. Hier gilt Shopping ohne mitgebrachte Tragetasche als antisoziales Verhalten.

In Großbritannien kommt alles in die Tüte. Wer auf der Insel einkaufen geht, besitzt hinterher nicht nur neue Waren, sondern auch eine Unmenge an Plastiktüten. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Gratistüten sollen - wie in Deutschland - der Vergangenheit angehörigen. Medien sehen eine "Tüten-Revolution" heranziehen. Auch die Bezirksverwaltungen in London haben sich dem Kampf gegen den Plastikbeutel angeschlossen. Sie wollen eine Gesetzesvorlage einbringen, die den immensen Verbrauch ihrer Landsleute stoppt. Der Feldzug gegen die "Tütenpest" beginne, sagte der Vorsitzende der 33 Londoner Bezirke, Merrick Cockell.

In der Tat ist der Verbrauch auf der Insel herausragend: 13 Milliarden Plastiktüten händigen die Geschäfte pro Jahr gratis aus. Zwar will die Regierung Vorreiter in Sachen Klimaschutz sein und bis 2050 den Kohlenstoffausstoß um mindestens 60 Prozent verringern, doch im Verpacken sind die Briten immer noch Weltmeister. Egal ob im Supermarkt, im Kleiderladen oder im Kiosk um die Ecke - die Tüte ist das Accessoire eines jeden Einkäufers.

Modbury schlägt die Deutschen

Auch wenn sich Supermarktriesen wie Tesco dem neuen Umweltbewusstsein angeschlossen haben und Kunden beispielsweise mit Bonuspunkten belohnen, wenn sie eine Tüte wiederbenutzen: All zu viele Menschen machen sich nicht die Mühe. Der Deutsche, der mit seinem mitgebrachten Beutel Umweltbewusstsein demonstrieren will, kassiert in den meisten Läden nur ungläubiges Kopfschütteln.

Doch seit sich das Dörfchen Modbury in Südwestengland im Frühsommer als erste Gemeinde einen "Tüten-Bann" auferlegt hat und Geschäfte dort die Kunden für jeden Beutel zur Kasse bitten, ziehen immer mehr Städte nach. In Modbury gilt Tütentragen mittlerweile als "antisoziales Verhalten". Bis zu 80 Gemeinden, darunter Brighton und Bath, planen Restriktionen oder haben diese bereits eingeführt. Mit London ist nun die erste große Metropole auf den Zug aufgesprungen.

"Wir haben auf der ganzen Welt - von Sansibar bis Australien - erfolgreiche Maßnahmen gesehen. Nun ist es an der Zeit, dass London sich des Themas annimmt", sagt Peter Robinson, Direktor des Umweltverbandes Waste Watch. Doch die Hürden auf dem Weg zum Umweltschutz sind hoch. Vor allem die Plastikindustrie sträubt sich gegen ein Tüten-Verbot. Eines der Argumente: Hundebesitzer hätten dann kein Material mehr, um die Haufen ihrer Vierbeiner wegzuräumen.

Von Annette Reuther, dpa