Missbrauchsskandal an Berliner Klinikum: Politik macht Druck auf Charité
Die Berliner Charité steckt in der Krise. Ein Pfleger soll eine Jugendliche missbraucht haben. Zu spät erfuhren die Öffentlichkeit und die Ermittler davon. Nun geht es um Konsequenzen.
Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pfleger wächst derpolitische Druck auf das Berliner Großkrankenhaus Charité. Bis Montag soll derChef von Deutschlands größtem Uniklinikum einen Bericht über dieInformationspannen in dem Fall vorlegen. Zudem vereinbarte die Charité mitFachleuten, ein Kinderschutzkonzept zu erarbeiten. Hintergrund: EinKrankenpfleger soll eine wehrlose 16-Jährige in einer Charité-Rettungsstellemissbraucht haben.
Die Klinik hatte die Ermittlungsbehörden zunächst nicht überden Missbrauchsverdacht informiert, das Management musste Fehler in derInformationspolitik einräumen. Unklar blieb bislang, ob es personelleKonsequenzen geben wird.
Der verdächtige Pfleger wurde vom Dienst suspendiert. Der58-Jährige soll schon früher mehrmals auffällig geworden sein. Die Charitéinformierte die Öffentlichkeit erst eine Woche nach den jüngsten Vorwürfen.Schon nach der Entdeckung von Darmkeimen auf einer Säuglingsstation desKrankenhauses vor wenigen Wochen war Kritik wegen Informationspannen lautgeworden.
Charité-Chef Karl Max Einhäupl soll der BerlinerWissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nun bis Montag einen Berichtvorlegen. Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte, Charité-Strukturenzu überprüfen.
"Erweitertes Führungszeugnis für jeden, der mit Kindern arbeitet"
Der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellenKindermissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, plädierte für ein erweitertesFührungszeugnis. RTL Aktuell sagte er: "ErweiterteFührungszeugnisse sind ein ganz wichtiger Baustein im Bereich des Schutzes vorsexueller Gewalt. Deswegen plädiere ich ganz eindeutig dafür, dass jeder, derhauptberuflich mit Kindern arbeitet, ein solches Zeugnis vorlegen muss."
Die Charité vereinbarte mit der Beratungsstelle "Kindim Zentrum" (KIZ), ein Kinderschutzkonzept zu entwickeln. Zielsei es, Kriterien zu entwickeln, mit denen sexuelle Übergriffe verhindertwerden können.
Die Beratungsstelle "Kind im Zentrum" hatte schonbei der Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch am privaten Helios-Klinikumin Berliner Stadtteil Buch geholfen. Dort hatte ein Pfleger kleine Jungen aufder Kinder-Intensivstation missbraucht. Der Täter wurde zu drei Jahren und dreiMonaten Haft verurteilt.
Berlins Wissenschaftssenatorin Scheeres hatte amDonnerstagabend bei einem Treffen mit der Charité-Leitung eine Aufarbeitungverlangt. Wer wann etwas wusste, solle in dem Charité-Bericht klargestelltwerden, sagte Scheeres-Sprecher Thorsten Metter am Freitag. Das Papier werdedann ausgewertet und auch bei der nächsten Sitzung des Charité-Aufsichtsratesam 3. Dezember erörtert. Die Senatorin ist Vorsitzende des Aufsichtsrates.
Quelle: n-tv.de


