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Auf einer Pressekonferenz äußerten sich Stadt und Polizei zu den Vorfällen.
Auf einer Pressekonferenz äußerten sich Stadt und Polizei zu den Vorfällen.(Foto: dpa)
Montag, 17. Juli 2017

Übergriffe in Schorndorf: Polizei bei Volksfest-Krawallen überfordert

Krawalle und sexuelle Übergriffe überschatten ein Volksfest in Schwaben. Frauen sollen belästigt, die Polizei mit Flaschen beworfen worden sein. Die Polizei verliert zwischenzeitlich die Kontrolle über die Lage - und zieht Parallelen zur Silvesternacht in Köln.

Bei einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf ist am Wochenende die Gewalt eskaliert: Bis zu 1000 Jugendliche und junge Erwachsene warfen mit Flaschen auf Polizisten und Festteilnehmer. Später zogen Gruppen von bis zu 50 Personen durch die Innenstadt, teilweise mit Messern und Schreckschusswaffen bewaffnet, wie Augenzeugen berichten. Mehrere Polizeiautos wurden mit Graffiti besprüht und demoliert. Zudem gab es mehrere Anzeigen wegen Körperverletzungen. Außerdem kam es zu Fällen von sexueller Belästigung.

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Die Polizei sei auf diese Entwicklung nicht vorbereitet gewesen und habe die Lage für eine bestimmt Zeit nicht mehr im Griff gehabt, gestand der Präsident des zuständigen Polizeipräsidiums in Aalen, Roland Eisele, auf einer Pressekonferenz ein. "Die Eskalation der Gewalt war für uns nicht vorhersehbar." Man habe sich bei der Einsatzplanung an den Erfahrungen aus den Vorjahren orientiert.

"Den Beamten ist ein Aggressionspotenzial entgegengeschlagen, das wir noch nie gekannt haben in den vergangenen Jahren", so Eisele weiter. Die Beamten hätten zwischenzeitlich den Rückzug antreten und sich verstärken müssen. Der Polizeichef verglich die Ereignisse mit denen der Silvesternacht in Köln zum Jahreswechsel 2015/16 - auch in der 40.000-Einwohner-Stadt Schorndorf hätten einzelne Täter aus einer großen Gruppe heraus Straftaten begangen.

Sexuelle Übergriffe durch Iraker und Afghanen

Bereits am Freitag wurden drei Vorfälle gemeldet, bei denen Frauen auf dem Marktplatz sexuell belästigt wurden. In einem Fall konnte ein 20-jähriger Iraker als Tatverdächtiger ermittelt werden. Am Samstag soll auf dem Bahnhofsvorplatz eine 17-Jährige von drei Männern festgehalten und am Po begrapscht worden sein. Als Tatverdächtige wurden drei Asylbewerber aus Afghanistan im Alter von 18 bis 20 Jahren ermittelt. Allerdings seien noch keine Haftbefehle erlassen worden.

In der Nacht zum Sonntag eskalierte im Schlosspark schließlich die Gewalt: Aus einer Gruppe von 1000 jungen Menschen wurden Flaschen auf Schlossfassade, Polizisten und andere Feiernde geworfen. Bei dem Versuch, einen Verdächtigen festzunehmen, solidarisierten sich andere mit ihm. Mehrere Polizisten mussten in Schutzausstattung die Festnahme abschirmen, um einen Angriff zu verhindern. Danach wurden die Beamten erneut mit Flaschen beworfen.

Aufgrund der eskalierenden Lage und dem laut Polizei massiven Aggressionspotenzial mussten die Beamten Unterstützung aus umliegenden Landkreisen anfordern. Genaue Zahlen zum Polizeiaufgebot wollte Polizeipräsident Eisele nicht nennen. Die Anzahl der Einsatzkräfte wurde im Laufe des Abends jedoch verdoppelt.

Oberbürgermeister kritisiert Polizei

Nach den Krawallen kritisierte der Schorndorfer Oberbürgermeister die Polizei: "Bislang wurde der Schlosspark immer vor Mitternacht von der Polizei geräumt", sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer dem SWR. "Ich kann nicht sagen, warum die Polizei dieses Jahr davon abgesehen hat, den Schlosspark zu räumen."

Auch betonte der SPD-Politiker bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Polizei, dass es sich bei den 1000 Randalierern nicht ausschließlich um Menschen mit Migrationshintergrund gehandelt habe. Vielmehr sei die Gruppe bunt gemischt gewesen. Es habe sich zunächst vor allem um Abiturienten und Realschüler gehandelt. Erst um Mitternacht seien Menschen mit Migrationshintergrund dazugestoßen, "Gruppierungen, die auch Gewaltpotenzial hatten".

Quelle: n-tv.de

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