Mörder eines 13-JährigenPolizei schnappt Mafia-Boss
Der Polizei ist auf Sizilien erneut ein schwerer Schlag gegen die Cosa Nostra gelungen: Am Sonntag wurde Mafia-Boss Domenico Raccuglia, der seit 15 Jahren auf der Flucht war, festgenommen.
Der 45-Jährige sei die Nummer zwei der sizilianischen Mafia, berichteten die Ermittler in Palermo. Er sei nach monatelanger Beschattung in einer Wohnung in Calatafimi bei Trapani überrascht worden. Raccuglia versuchte noch, über die Terrasse zu fliehen, aber die Polizei hatte das Haus umstellt. Der Mafioso wurde auf der Liste des Innenministeriums unter den 25 gefährlichsten Verbrechern geführt.
Nach seiner Festnahme strömten Sizilianer zu dem Schlupfwinkel des Mafia-Bosses sowie zum Polizeipräsidium in Palermo und kommentierten den Erfolg der Ermittler mit Applaus und Schmährufen gegen den Boss. Festgenommen wurde auch das Ehepaar, in dessen Haus sich Raccuglia versteckt hielt. Nach Angaben der Polizei wollte der Mafioso in der Weihnachtszeit ein Treffen mit seiner Familie zu organisieren.
"Ausrüstung eines Profi-Killers"
In seinem Versteck fanden die Fahnder unter anderem eine Schnellfeuerwaffe, Munition, Einweghandschuhe und 130.000 Euro. "Die Ausrüstung eines Profi-Killers", erklärte Staatsanwalt Francesco Del Bene aus Palermo.
Raccuglia muss eine lebenslange Haftstrafe absitzen, unter anderem wegen der Ermordung des 13-jährigen Giuseppe di Matteo. Der Sohn eines reuigen Mafia-Mitgliedes war 1996 aus Rache umgebracht worden. Seine Leiche wurde nie gefunden, weil die Mafia-Mörder den Körper in Säure aufgelöst hatten.
Der italienische Innenminister Roberto Maroni bezeichnete die Festnahme als "härtesten Schlag gegen die Cosa Nostra in den vergangenen Jahren". Nachdem die Ermittler in den vergangenen Wochen mehrere Fahndungserfolge im Kampf gegen die kampanische Camorra und die sizilianische Cosa Nostra verbuchen konnten, hatte Maroni ein EU-weites Vorgehen gegen die Wirtschaftsinteressen des organisierten Verbrechens verlangt. Nur so könne die Mafia wirklich besiegt werden.