Panorama

Nach Vergewaltigung in Neu DelhiPolizei verbietet Proteste

23.12.2012, 08:36 Uhr
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Teils kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. (Foto: AP)

Seit einer Woche kommt es in Indien zu teils gewaltsamen Protesten wegen der brutalen Vergewaltigung einer Studentin in Neu Delhi. Nun will die Polizei dem Einhalt gebieten. Sie verhängt ein Demonstrationsverbot im Zentrum der indischen Hauptstadt.

Nach tagelangen Protesten wegen der Vergewaltigung einer Studentin in einem Bus hat die indische Polizei für das Zentrum der Hauptstadt Neu Delhi ein Demonstrationsverbot verhängt. Im Bereich um die Residenz des Staatspräsidenten und das Parlament dürften keine Kundgebungen mehr stattfinden, teilten die Behörden mit.

Bei einem weiteren Protest gegen den sexuellen Übergriff auf eine Schauspielerin wurde in Imphal im Bundesstaat Manipur ein TV-Journalist erschossen. Laut Polizei starb der 36-Jährige, nachdem die Polizei das Feuer eröffnete. Der Fall der Schauspielerin hatte in Manipur zu zahlreichen Protesten geführt, die von dem Fall der Studentin in Neu Delhi weiter angefacht wurden. Die Momoko genannte Schauspielerin war vergangene Woche von einem bewaffneten Aktivisten einer verbotenen Rebellengruppe während einer Vorstellung von der Bühne gezogen worden. Anschließend versuchte der Täter, sie zu vergewaltigen. Dem Opfer gelang jedoch die Flucht.

Bereits am Samstag waren tausende Menschen in Neu Delhi aus Protest gegen die Vergewaltigung der Studentin auf die Straße gegangen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein, als Demonstranten versuchten, Absperrungen zu durchbrechen.

Die Studentin war am Sonntag vor einer Woche von einer Gruppe von sechs Männern in einem Bus in Neu Delhi vor den Augen ihres Freundes mehrfach vergewaltigt und mit einer Eisenstange schwer verletzt worden. Danach warfen die Täter das Paar aus dem fahrenden Bus.

"Der Reihe nach vergewaltigt"

Die junge Frau liegt noch im Krankenhaus. Am Samstag war sie erstmals in der Lage, Ermittlern den Tathergang zu beschreiben. "Alle sechs Männer haben mich der Reihe nach vergewaltigt", sagte sie laut der Zeitung "Hindustan Times". "Sie warfen uns an den Straßenrand, wo ich ohnmächtig wurde." Die Angaben stimmten mit denen ihres 28-jährigen Begleiters überein, der ebenfalls angegriffen worden war.

Der Fall versetzt Indien seit Tagen in Aufruhr. Bei Kundgebungen verlangten Demonstranten einen besseren Schutz von Frauen und härtere Strafen für Vergewaltiger.

Die Rufe nach der Todesstrafe für Vergewaltiger wurden zuletzt lauter. Die Führerin der oppositionellen BJP, Sushma Swaraj, forderte die Heraufsetzung des höchstmöglichen Strafmaßes für eine Vergewaltigung von lebenslänglich auf Todesstrafe. Innenminister Sushil Kumar Shinde sagte, die Kongress-Partei werde prüfen, ob die Strafen verschärft werden müssten. Seit 2004 wurden in Indien zwei Todesstrafen vollstreckt. Eine Gruppe von Demonstranten verbrachte die Nacht vor dem Haus der Vorsitzenden der regierenden Kongress-Partei, Sonia Gandhi. "Ich bin auf Eurer Seite, und es wird Gerechtigkeit geben", versprach Gandhi laut PTI.

Quelle: ntv.de, AFP