Panorama

"Störtebeker"-Raub in Hamburg: Polizei vernimmt Schädel-Dieb

Er ist der berühmteste deutsche Pirat überhaupt: Störtebeker. Anfang 2010 wurde in Hamburg sein angeblicher Schädel entwendet. Er tauchte vor wenigen Monaten wieder auf, aber die Diebe konnten nicht gefasst werden. Jetzt verdächtigt die Polizei zwei Männer "dringend", den Totenkopf gestohlen zu haben.

Der zwischenzeitlich entwendete "Störtebeker-Schädel".
Der zwischenzeitlich entwendete "Störtebeker-Schädel".(Foto: dpa)

Die Hamburger Polizei steht vor der Aufklärung des spektakulären Diebstahls des "Störtebeker-Schädels". Zwei 36 und 49 Jahre alte Männer seien dringend verdächtig, den Totenkopf, der dem legendären Seeräuber Klaus Störtebeker zugeordnet wird, aus dem Museum für Hamburgische Geschichte gestohlen zu haben, sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten Anfang Januar 2010 eigentlich Eintrittsgelder des Museums klauen wollen - dann aber den Schädel mitgenommen. "Sie wollten damit Geld machen", hieß es bei der Polizei. Der Pirat Störtebeker wurde angeblich 1401 bei Hamburg enthauptet.

Der 36-jährige Verdächtige schweigt bisher zu den Vorwürfen. Nach seinem mutmaßlichen Mittäter wird noch gefahndet. Auf die Spur der beiden Männer kamen die Beamten vor allem durch Zeugenhinweise. Der Schädel war bereits im März dieses Jahres wieder aufgetaucht, ein Mann hatte ihn den Beamten übergeben.

Der geheimnisvolle Schädel und die Rekonstruktion des Piraten-Kopfes sind trotz der Ungewissheit über die Identität die Attraktion des Museums für Hamburgische Geschichte. Der Totenkopf wird nach seiner Rückkehr ins Museum streng bewacht. Schließlich regt der Pirat auch mehr als 600 Jahre nach seiner Hinrichtung noch die Fantasie an.

Auf öder Elbinsel geköpft

Der Seeräuber, der der Überlieferung nach gegen die hanseatischen Pfeffersäcke und ihre Schiffe zu Felde zog, soll am 20. Oktober 1401 im Alter von 41 Jahren am Grasbrook im Hafen - zur Hansezeit eine öde Elbinsel und heute ein Teil der schicken Hafencity - geköpft worden sein. Der Hamburger Bürgermeister versprach ihm angeblich, all jene seiner Männer am Leben zu lassen, an denen der Geköpfte noch vorbeilaufen konnte. An elf von ihnen, so besagt die Legende, ging er noch vorüber, bevor er zu Boden fiel. Trotzdem seien auch sie hingerichtet worden.

Der Hamburger Archäologe Ralf Wiechmann reiste mit dem Totenkopf im Gepäck vor einigen Jahren bis nach Kanada, um das Geheimnis des "Störtebeker-Schädels" zu lüften. Doch eine DNA-Analyse war auch mit Hilfe kanadischer Forensik-Experten nicht möglich. Das Jahrhunderte alte Knochenmaterial war nicht mehr zu entschlüsseln. Die Erbinformationen sollten eigentlich mit der von möglichen Nachkommen des Seeräubers verglichen werden. In Norddeutschland leben nach Schätzung Wiechmanns etwa 200 Menschen mit dem Namen Störtebeker. Aber das Rätsel blieb ungelöst.

"Seeräuber" nicht korrekt

"Störtebeker ist eine Legende und wir wissen nicht einmal, ob er wirklich am Grasbrook im Hafen hingerichtet wurde", sagte Wiechmann damals. Aktenkundig sei nur, dass Störtebekers Weggefährte Gödeke Michels dort geköpft wurde.

Der aufgespießte Schädel mit dem Nagel-Loch war 1878 auf dem Grasbrook - gefunden worden. Vom 14. bis ins 18. Jahrhundert waren dort viele hundert Seeräuber geköpft worden. Um den ein- und auslaufenden Handelsschiffen und ihren Seeleuten zu zeigen welches Schicksal den Piraten blühte, wurden die abgeschlagenen Seeräuberköpfe mit langen eisernen Nägeln auf einem weithin sichtbaren Holzgestell befestigt.

Noch nicht einmal die Bezeichnung "Seeräuber" ist ganz korrekt. Störtebeker und seine Weggefährten waren eigentlich keine Verbrecher: Historikern zufolge waren sie Söldner zur See, die im Dienste der Mecklenburger Herzöge dänische Schiffe kapern sollten. Als Lohn durften sie dann selbst Beute machen. 1401 besiegte eine Flotte aus Hamburg und Lübeck die Piraten.

Quelle: n-tv.de

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