Panorama

Jugendlichen zusammengeschlagen: Polizeichef gibt Teilgeständnis ab

"Ich bin dir nicht böse, sei du mir auch nicht böse." Mit diesen Worten wendet sich der Rosenheimer Polizeichef vor Gericht an einen Jugendlichen, den er geschlagen haben soll. Der Beamte übernimmt die Verantwortung für die Verletzungen des 15-Jährigen, eine volle Schuld sieht er bei sich aber nicht.

"Mir hat an dem Abend vielleicht die nötige Gelassenheit gefehlt" gestand der Polizeichef.
"Mir hat an dem Abend vielleicht die nötige Gelassenheit gefehlt" gestand der Polizeichef.(Foto: dpa)

Mit einem Teilgeständnis hat der Prozess gegen den suspendierten Rosenheimer Polizeichef wegen Gewalt gegen einen Jugendlichen im Amt begonnen. Der 51-Jährige räumte vor dem Landgericht Traunstein ein, einen Jugendlichen im Herbst 2011 auf dem Weg zur Wache des Rosenheimer Herbstfestes geohrfeigt und auf der Wache heftig gepackt zu haben. Der leitende Polizeibeamte übernahm die Verantwortung für die Verletzungen des 15-Jährigen. Allerdings bestritt er, dessen Kopf an die Wand geschlagen zu haben.

Ausführlich schilderte der Beamte das Geschehen in jener Nacht. Dass er persönlich den gefesselten Schüler nach einer Schlägerei zur Wache abführte und dies nicht wie üblich seinen Kollegen überließ, begründete er damit, dass er ohnehin auf der Wache habe vorbeischauen wollen. Der Jugendliche sei auf dem Weg dorthin aggressiv geworden und habe ihn als "Hurensohn" beschimpft. "Die Beleidigungen waren deutlich unter der Gürtellinie."

Er räumte eine Ohrfeige auf dem Weg zur Wache ein, habe damit aber lediglich den Kopf des Burschen von ihm wegdrehen wollen. "Also, es war schon heftig", beschrieb der Polizeichef auf Nachfrage des Gerichts die Stärke der Ohrfeige. Als Grund für sein Verhalten nannte der Beamte Stress wegen eines vorangegangenen Rockerauftritts. "Mir hat an dem Abend vielleicht die nötige Gelassenheit gefehlt."

Nach Darstellung des 51-Jährigen wollte er den Schüler auf der Wache mit einer Drehung auf die Bank setzen. Dabei habe der 15-Jährige das Gleichgewicht verloren. Nur dadurch sei sein Kopf an die Wand geprallt. Der Angeklagte gab aber zu, dem bereits aus dem Mund blutenden und noch immer gefesselten Jugendlichen eine weitere Ohrfeige verpasst zu haben, nachdem dieser ihn angespuckt habe. Das Opfer erlitt eine Platzwunde an der Lippe, die genäht werden musste. Ein Schneidezahn brach, andere Zähne wurden geschädigt.

"Wie eine Watsche"

Eher wortkarg schilderte der Schüler - er tritt auch als Nebenkläger auf - die Tat aus seiner Sicht. Er könne sich über ein Jahr nach dem Vorfall nicht mehr an jedes Detail erinnern. Der hager wirkende Jugendliche beharrte aber darauf, dass er auf der Wache von dem Angeklagten mehrfach hochgerissen, umgedreht und mit dem Kopf an die Wand geschlagen wurde. "Drei Stöße waren es auf jeden Fall."

Seine Mutter bestätigte diese Version: Sie habe auf der Wache mit eigenen Augen gesehen, wie der Polizeichef ihren Sohn mit der rechten Hand am Nacken gepackt und den Vorderkopf mehrmals an die Wand geschlagen habe. Dass sich der Angeklagte erst kurz vor Prozessbeginn in einem Schreiben für die Verletzungen entschuldigte, habe sie nach 14 Monaten "wie eine Watsche" empfunden.

Im Gerichtssaal gab es noch eine versöhnliche Geste. Nach der Aussage des Jugendlichen ging der Angeklagte zur Zeugenbank und entschuldigte sich bei seinem Opfer, dem er die Hand gab. Der Staatsanwalt äußerte anschließend Unverständnis über die Worte des Polizeibeamten, der zu dem Jugendlichen gesagt hatte: "Ich bin dir nicht böse, sei du mir auch nicht böse." Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil ist für den 29. November geplant.

Quelle: n-tv.de

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