Panorama

Zweifel ausgeräumtPorzellan in Sachsen erfunden

23.03.2010, 14:23 Uhr

Der Streit um die Erfindung des europäischen Hartporzellans ist beigelegt.

Friedrich-Boettger
Die große Erfindung des Alchemisten Johann Friedrich Böttger sollte sich für das sächsische Herrscherhaus als hoch einträglicher Exportartikel erweisen. Bis dato hatte man das "Weiße Gold" zu horrenden Preisen aus Asien einführen müssen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Streit um die Erfindung des europäischen Hartporzellans ist beigelegt. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erreichte nun ein Brief britischer Forscher, in dem die Urheberschaft der Sachsen nicht bezweifelt wird. "Weder Kunst- noch Naturwissenschaftler wollen uns die Erfindung streitig machen", sagte der Direktor der Porzellansammlung, Ulrich Pietsch. Das Schreiben sei von "Keramik-Papst" John Mallet unterschrieben. Seiner Meinung nach gebe es keinen Zweifel an der Leistung von Porzellan-Erfinder Johann Friedrich Böttger. Der 15. Januar 1708 gilt demnach als Geburtsstunde der Porzellanherstellung in Europa.

Gemeinsam mit anderen Fachleuten hatte Pietsch Ende Februar eine britische Studie bewertet, wonach es schon um 1680 Porzellan europäischen Ursprungs auf der Insel gab. Analysen hätten aber ergeben, dass die drei strittigen Vasen vermutlich aus Ostasien importiert und in England nur nachträglich bemalt wurden, teilten die Gutachter am 26. Februar mit. "Es gibt keinen Anlass, die Geschichtsbücher umzuschreiben", sagte Pietsch damals. Experten der Freiberger Bergakademie und des Forschungszentrums Rossendorf hatten die Studie aus Großbritannien unter die Lupe genommen.

Technische Voraussetzungen fehlten

300-Jahre-Meissen
Jubiläumsmedaille "300 Jahre Manufaktur Meissen": Gott Apoll, Herr der Musen, thront über der Inschrift und zeigt auf die Buchstaben AR, die Initialen August des Starken. Dieser gründete 1710 die erste Porzellan-Manufaktur Europas. (Foto: picture alliance / dpa)

Demnach wiesen die englischen Vasen große Ähnlichkeit mit damals weit verbreiteten Exportporzellan aus China auf. Auch technologisch waren die Glashütten im damaligen England um 1680 nicht in der Lage, die für Hartporzellan erforderlichen Temperaturen von 1400 bis 1500 Grad Celsius zu erzeugen. Laut Pietsch besteht weiter die Offerte an die Briten, ihre Vasen zur Materialanalyse nach Sachsen zu bringen. Mit Hilfe von Elektronenmikroskopen ist hier eine Gefügeanalyse möglich. Sie gibt beispielsweise Auskunft über Temperaturhöhe, Dauer des Brandes und Verwendung von Flussmitteln.

1708 gelang in Sachsen europaweit erstmals die Herstellung von Hartporzellan. Bis dahin musste die teure Ware aus Asien importiert werden. Die Entwicklung ist vor allem mit den Namen Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus verbunden. Zwei Jahre später wurde auf der Albrechtsburg in Meißen die erste Porzellan-Manufaktur Europas eingerichtet. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag.

Quelle: dpa