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Der Untergang der "Prestige" war die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens.
Der Untergang der "Prestige" war die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Zehn Jahre nach Tankerunglück: "Prestige"-Kapitän vor Gericht

Der Untergang des Öltankers "Prestige" im November 2002 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens aus. Zehn Jahre nach dem Unglück soll der griechische Kapitän des Schiffes als Angeklagter vor einem spanischen Gericht aussagen.

Angeklagt: "Prestige"-Kapitän Apostolos Mangouras.
Angeklagt: "Prestige"-Kapitän Apostolos Mangouras.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Tanker "Prestige" schlägt vor der nordwestlich gelegenen Küste Spaniens leck. Wasser dringt in den Rumpf, das mit 77.000 Schweröl beladene Schiff bekommt Schlagseite und droht zu sinken. Der Kapitän funkt SOS. Aus einem Tank strömt giftiges Öl in den Atlantik. Die spanische Regierung ordnet an, den Tanker auf das offene Meer hinauszuschleppen. So begann am 13. November 2002 die schlimmste Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte. Genau zehn Jahre später soll der griechische Kapitän Apostolos Mangouras vor einem Gericht in La Coruña vernommen werden.

Die "Prestige" war damals sechs Tage nach der Havarie - am 19. November 2002 - in zwei Teile zerbrochen und mit ihrer giftigen Fracht auf den Grund des Meeres gesunken. Ein großer Teil des Schweröls strömte in den Atlantik und verseuchte Strände und Felsküsten von Nordportugal bis nach Südwestfrankreich. Etwa 13.000 Tonnen wurden später in einer aufwendigen Operation aus dem in 4000 Meter Tiefe liegenden Wrack abgepumpt.

Der 77-jährige Mangouras ist der Hauptangeklagte im Prozess in der nordwestspanischen Hafenstadt. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn zwölf Jahre Haft wegen eines Umweltvergehens und wegen Missachtung von Anweisungen der spanischen Behörden. Sein Verteidiger hatte bei der Eröffnung des Verfahrens im Oktober die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, nach der Havarie hätten die spanischen Behörden das Kommando über den Tanker übernommen.

Wer haftet für den Schaden?

Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen beklagten, dass keine spanischen Politiker, keine Eigentümer des Schiffes und keine Verantwortlichen der Reederei unter Anklage gestellt worden seien. Die damalige Regierung von Ministerpräsident José María Aznar hatte sich im Europaparlament vorhalten lassen müssen, mit dem Hinausschleppen des Tankers auf den Atlantik das Ausmaß der Katastrophe noch vergrößert zu haben.

Das Gericht muss auch darüber entscheiden, wer für die Schäden aufkommen soll, die das Tankerunglück verursacht hatte. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Summe auf über 4,4 Milliarden Euro. An den verseuchten Küsten waren nach der Katastrophe über 100.000 Tonnen Ölreste - vermischt mit Wasser, Sand und Algen - eingesammelt worden. Einige Fischer, die im Kampf gegen die Ölpest mitgeholfen hatten, leiden noch heute an Atembeschwerden.

Neben Mangouras sind der ebenfalls aus Griechenland stammende Maschinist der "Prestige" und der damalige Chef der spanischen Hafenbehörden angeklagt. Ein vierter Angeklagter, der von den Philippinen stammende Erste Offizier des Tankers, ist flüchtig. Das Urteil wird für September 2013 erwartet.

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Quelle: n-tv.de

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