Fleischskandal bestätigtProbe "stank zum Himmel"
Einen Tag nach Bekannt werden des neuen Skandals um verdorbenes Fleisch hat eine erste Untersuchung den Verdacht bestätigt: Das "Frischgeflügel" war schlichtweg vergammelt.
Einen Tag nach Bekannt werden des neuen Skandals um verdorbenes Fleisch in Deutschland hat eine erste Untersuchung den Verdacht bestätigt. Die Ermittlungen richten sich gegen eine Firma im niedersächsischen Lastrup, die von den Behörden geschlossen wurde. Eine im Lebensmittelinstitut des Landesamtes für Verbraucherschutz in Oldenburg eingegangene Probe "stank zum Himmel", sagte eine Sprecherin am Freitag der dpa. "Das Fleisch ist vergammelt und nicht zum Verzehr geeignet."
Ob das Fleisch auch gesundheitsschädigend gewesen sei, werde noch untersucht, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Mit Ergebnissen sei Anfang kommender Woche zu rechnen.
Das Bundesverbraucherschutzministerium forderte von Niedersachsen umfassende Information über mögliche Gesundheitsrisiken. Die Frage sei, ob es eine Gefahr für die Verbraucher gebe und wohin das Fleisch geliefert worden sei, sagte eine Sprecherin. So müsse gegebenenfalls Fleisch aus anderen Bundesländern und aus anderen Staaten zurückgeholt werden. Die Lebensmittelkontrolle sei Ländersache, erklärte die Sprecherin; eine Rückholaktion müsse aber der Bund koordinieren.
Eine Mitarbeiterin der Firma hatte den Behörden den Hinweis gegeben. Bei Durchsuchungen wurden mehrere Tonnen Geflügelfleisch sowie Unterlagen und Computer beschlagnahmt. Der Betrieb steht im Verdacht, große Mengen verdorbenes Geflügelfleisch in den Handel gebracht zu haben.
Die erste untersuchte Probe sei schon vom Geruch her durchgefallen, sagte die Sprecherin des Lebensmittelinstituts. "Das reicht zur Beanstandung, ohne dass wir weiter untersuchen müssten." Das Fleisch werde nun aber weiter analysiert.
Im Zuge des Skandals wurden nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums bundesweit 15 bis 20 Gebäude durchsucht. Es habe sich um Objekte in Berlin, Karlsruhe, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehandelt, sagte eine Sprecherin. Die Betriebe seien vermutlich Abnehmer des Geflügelfleisches. Es gebe Hinweise, dass die Lieferungen aus Lastrup über Niedersachsen hinausgingen, sagte die Sprecherin. Die Kontrollen durch die Veterinärämter seien offenbar unterlaufen worden.
Bei der Firma in Lastrup wurde das Geflügelfleisch den Angaben zufolge gelagert und in einer dazu gehörenden Firma in Lindern zerlegt. Gegen die Verantwortlichen der beiden Firmen laufen Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz und wegen gewerbsmäßigen Betruges. So soll tiefgefrorenes Geflügelfleisch unsachgemäß aufgetaut und als Frischfleisch verkauft worden sein. Von den Abnehmern beanstandetes und zurückgeschicktes Fleisch soll eingefroren und später wieder als Frischfleisch verkauft worden sein. Außerdem soll Fleisch mit Wasser aufgespritzt worden sein, damit es schwerer wird.