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Hier wurde am 6. Oktober 2012 Ex-Kammerdiener Gabriele zu 18 Monaten Haft verurteilt.
Hier wurde am 6. Oktober 2012 Ex-Kammerdiener Gabriele zu 18 Monaten Haft verurteilt.(Foto: picture alliance / dpa)

"Vatileaks"-Affäre: Programmierer wird verurteilt

Laut Vatikan ist er kein Komplize. Dennoch wird der Computertechniker Sciarpelletti nun beschuldigt, den ehemaligen päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele beim Diebstahl geheimer Unterlagen begünstigt zu haben. Das Urteil ist gesprochen.

In der "Vatileaks"-Affäreist der italienische Computertechniker Claudio Sciarpelletti (48) zu einer zweimonatigenBewährungsstrafe verurteilt worden. Das Tribunal des Vatikans befand ihn nach nurzwei Verhandlungstagen der Begünstigung bei dem schweren Diebstahl von Vatikan-Dokumentendurch den bereits verurteilten Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, schuldig.

Die Strafe wird für fünfJahre zur Bewährung ausgesetzt, in denen sich der Programmierer keines weiterenVergehens schuldig machen darf. Das eigentliche Strafmaß von vier Monaten wurdegemildert, unter anderem, weil der Programmierer unbescholten war. Der Computer-Technikermuss aber die Prozesskosten übernehmen. Er arbeitet weiter für den Vatikan und wirdwohl auch nicht entlassen.

Helfer, aber keinKomplize

Fünf Wochen nach der Verurteilungdes Kammerdieners fällte das Tribunal unter Präsident Giuseppe Dalla Torre damitden Richterspruch auch gegen den Mann, den der Vatikan als Helfer, aber nicht direktals Komplizen eingestuft hatte. Das Gericht folgte dem Antrag des StaatsanwaltesNicola Picardi. Verteidiger Gianluca Benedetti hatte auf umfassenden Freispruchplädiert und will das Urteil anfechten.

Der Programmierer des Staatssekretariatshatte sich während der Ermittlungen in Widersprüche verstrickt. In seinem Büroschreibtischfanden die "Vatileaks"-Fahnder einen Umschlag mit der Aufschrift "P.Gabriele persönlich". Darin waren Schriften, die allerdings keine sensiblenInformationen enthielten. Sciarpelletti machte während der Verhöre jedoch widersprüchlicheAussagen dazu, wie eng sein Kontakt zu dem damaligen Kammerdiener gewesen ist. Erkonnte sich auch nicht genau erinnern, wie der Umschlag in seinen Besitz gekommenist.

"HäufigeKontakte"

Nach einem anonymen Hinweisaus dem Staatssekretariat des Vatikans wegen "häufiger Kontakte zwischen Gabrieleund Sciarpelletti" waren die Ermittlungen eingeleitet worden. Der Prozess gegenSciarpelletti war von dem Verfahren gegen den früheren Kammerdiener abgetrennt worden.Gabriele wurde am 6. Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte bekräftigt,oft mit dem Programmierer gesprochen zu haben.

Der Kammerdiener hat seineHaft unterdessen angetreten. Offen ist, ob und wann Benedikt ihn nach dem Diebstahlvon geheimen Dokumenten mit teils brisantem Inhalt über Korruption und Vetternwirtschaftbegnadigt. Italienische Medien spekulierten, der Papst habe sein Reuebekenntnisakzeptiert, er könne möglicherweise bis Weihnachten begnadigt sein.

Trotz Spekulationen in denMedien waren die Richter im Verfahren gegen den Kammerdiener zu dem Ergebnis gekommen,dass Gabriele allein handelte und es keine Verschwörung gegeben habe. Die Untersuchungenzu der "Vatileaks"-Affäre dauern allerdings an, wobei mehrere Personennoch im Fokus der Ermittler des Vatikans stehen könnten.

Quelle: n-tv.de