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Wenn eine Armlänge nicht ausreicht: Provokante Waffenwerbung erhitzt Gemüter

"Ihrer Sicherheit zuliebe... Wenn eine Armlänge nicht ausreicht": Mit diesem Spruch wirbt ein Outdoor-Laden in Schleswig-Holstein für seine Schreckschusspistole. Viele finden das alles andere als witzig. Nur der Urheber der Anzeige versteht die Aufregung nicht.

Mit einem Spruch, der auf die Kölner  Silvesternacht anspielen soll, wirbt der Laden für eine Schreckschusspistole.
Mit einem Spruch, der auf die Kölner Silvesternacht anspielen soll, wirbt der Laden für eine Schreckschusspistole.(Foto: Facebook)

Auf braunem Hintergrund prangen neben dem Bild einer 9-mm-Pistole in weißen Druckbuchstaben die Worte: "Ihrer Sicherheit zuliebe… Wenn eine Armlänge nicht ausreicht." Mit dieser Anzeige hat ein Outdoor-Geschäft in Schleswig-Holstein in der Wochenendausgabe der "Dithmarscher Landeszeitung" für eine 9-mm-Pistole geworben.

Worauf der Slogan anspielt, ist klar. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte mit ihrem "Verhaltenstipp" für Frauen nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht von Köln für große Empörung gesorgt. Frauen sollten in Zukunft "eine Armlänge Abstand" zu Fremden halten - ungeachtet dessen, dass dieser Ratschlag den Opfern der Silvesternacht eher wenig genutzt hätte. Reker wurde für ihre Äußerungen scharf kritisiert.

Aufgefallen ist die Werbung nicht nur potenziellen Käufern von Schusswaffen, sondern unter anderem auch dem Journalisten Hasnain Kazim. Er postete ein Foto der Anzeige auf Facebook und schrieb darüber: "Deutschland im Jahr 2016. Sympathisch. Weltoffen. Freundlich". Als "absolut geschmacklos" bewertet eine Facebook-Gruppe für Flüchtlingshilfe die Werbung. Andere User sehen gar einen Aufruf zur Gewalt.

"Das ist eine ganz normale Anzeige."

Der Inhaber des BW-Ladens, Hartmut Kattlun, versteht die Aufregung nicht. "Das ist eine ganz normale Anzeige", zitiert die "Hamburger Morgenpost" Kattlun. Auf die Vorwürfe im Netz würde er nicht reagieren, für ihn sei das Thema "abgehakt".

Kritik wurde auch gegen die "Dithmarscher Landeszeitung" laut, weil sie die Anzeige auf ihrer Titelseite veröffentlichte. So kommentierte eine Leserin: "Ekelhaft. Ich wünschte, die DLZ hätte den Mut und die Größe, solche Anzeigenkunden als Kunden zu verlieren." Die Anzeige sei durch "menschliches Unvermögen" auf die Titelseite gelangt, kommentierte die Zeitung eine Anfrage des "Tagesspiegel".

Bei der abgebildeten Waffe handelt es sich um eine Gaspistole. Schreckschusspistolen darf in Deutschland jeder kaufen, der 18 Jahre alt ist. Um sie außerhalb des eigenen Grundstücks mit sich zu führen, braucht es allerdings den Kleinen Waffenschein.

Quelle: n-tv.de

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