Waldbrände in Russland "katastrophal"Radioaktive Gefahr steigt

Die nicht nachlassenden Waldbrände in Russland erhöhen die radioaktive Gefahr. Durch die Flammen könnten Partikel im radioaktiv verseuchten Boden in die Luft und so in andere Regionen gelangen, heißt es. Moskau kämpft mit starkem Rauch, die Regierung schätzt die Lage als "katastrophal" ein. Die Feuer breiten sich bis in den Nordkaukasus aus.
Bei den verheerenden Waldbränden in Russland droht weiter die Gefahr, dass radioaktive Stoffe in die Luft gelangen. Auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau loderten noch zwei Brände. Das teilte die Feuerwehr nach Angaben der Agentur Interfax mit. Trotz des starken Rauchs, der die Löscharbeiten behindere, sei die Lage aber derzeit unter Kontrolle.
Am Vortag hatte Zivilschutzminister Sergej Schoigu davor gewarnt, dass die Brände im Gebiet von Brjansk aufwirbeln könnten. Die ukrainischen Behörden bezeichneten die Lage im Gebiet Tschernobyl als derzeit ungefährlich. In dem tagelangen Kampf gegen die Jahrhundert-Brände in Russland gibt es bisher kaum Erfolgsmeldungen. Die Temperaturen sollen wieder mehr als 40 Grad erreichen.
Die Region Brjansk ist seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine 1986 besonders stark von Radioaktivität betroffen. Schoigu sagte, dass durch die Flammen Partikel in die Luft und so in andere Regionen gelangen könnten. "Bei uns arbeiten einige Labors, und wir kontrollieren die Situation im Gebiet von Brjansk sehr genau - besonders im Süden im Kreis Nowosykowsk, der bei der Tschernobyl- Katastrophe besonders stark verseucht worden war", hatte Schoigu gesagt. Neue Angaben machte die Regierung zunächst nicht. Das Katastrophenschutzministerium verstärkte seine Bemühungen, die Brände in der Region unter Kontrolle zu bekommen.
Feuer auch im Kaukasus
Regierungschef Wladimir Putin will unterdessen einen Plan für die bessere technische Ausstattung der Feuerwehren und einen intensiveren Brandschutz vorlegen. Das berichtete die russische Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta". Demnach soll etwa auch der zusätzliche Einsatz von Löschflugzeugen sowie die Bewachung besonders gefährlicher Objekte festgelegt werden, sagt Putin. Dem Bericht zufolge schätzt die russische Führung die Lage weiter als "katastrophal" ein. Kremlchef Dmitri Medwedew kündigte an, dass die Präsidialverwaltung stärker als bisher in die Krisenbekämpfung eingeschaltet werde. "Die Not ist wirklich groß. Deshalb sollten alle arbeiten", sagte Medwedew.
Die Feuersbrunst griff inzwischen auch auf die russische Teilrepublik Dagestan in der Konfliktregion Nordkaukasus über. Dort vernichteten die Waldbrände in einem Dorf fast 60 Häuser. Landesweit sind weit Beginn der Brände Hunderte Häuser zerstört worden. Nach offiziellen Angaben starben 50 Menschen, Hunderte wurden verletzt, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen. Hilfsorganisationen und Beobachter gehen davon aus, dass die Opferzahl und die Schäden größer sind als bisher von den Behörden bekanntgegeben. Allein die Schäden durch Ernteeinbußen übersteigen umgerechnet eine Milliarde Euro. Zudem müssen mehr als 200.000 Hektar Wald aufgeforstet werden.
Starke Luftverschmutzung in Moskau
Moskau kämpft derweil weiter gegen den . In der russischen Hauptstadt wuchs die Angst vor schweren gesundheitlichen Problemen, da sich nach Angaben der Behörden die Konzentration giftiger Stoffe in der Luft wieder erhöhte. "Der Smog hat die gesamte Stadt erfasst, die Lage wird immer schlimmer", sagte Alexej Popikow vom Moskauer Umweltkontrolldienst, Mosekomonitoring, im Fernsehen. Zahlreiche Moskauer trugen Schutzmasken oder hielten sich Taschentücher vor ihr Gesicht.
"Seit Donnerstag beobachten wir ein ansteigendes Niveau der Luftverschmutzung", sagte ein Vertreter der Abteilung für Umweltschutz in Moskau laut der Nachrichtenagentur Interfax. Die Sichtweite in der Hauptstadt betrug weniger als 300 Meter, dadurch war auch der Betrieb auf dem Flughafen Domodedowo im Süden der Stadt nur eingeschränkt möglich. Die Sterberate in Moskau steigt stark. Nach Angaben des Einwohnermeldeamts starben im Juli fast 5000 Hauptstädter mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Verglichen zum Juli 2009 stieg die Todesrate demnach um rund 50 Prozent an, vor allem durch die Folgen der Hitze und die verheerende Waldbrände.
Im Moskauer Umland waren Soldaten weiter damit beschäftigt, ein Übergreifen der Flammen auf Munitionsdepots zu verhindern. Sie brachten Raketen und Artillerie in Sicherheit. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben sich die Waldbrände bedrohlich der Garnison in Naro-Fominsk genähert. Die Anlage liegt im Moskauer Wehrbezirk.
Turbulenzen am Weizenmarkt erwartet
Im Internet äußerten sich Bürger aus Brjansk besorgt. "Mir ist ganz schlecht geworden, als ich hörte, dass die im Wald Roboter zum Löschen einsetzen und schon keine Menschen mehr dorthin lassen", schrieb der Blogger Doc. Brjansk befindet sich südwestlich von Moskau an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. Die Stadt mit mehr als 400.000 Einwohnern liegt etwa 300 Kilometer vom ukrainischen entfernt.
Wegen der schweren Dürre und der verheerenden landesweiten Brände will Russland vom 15. August an seine stoppen. Die Regelung gelte bis 31. Dezember, sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow. Moskau hatte wegen der extremen Trockenheit die Prognose für die Getreideernte bereits deutlich nach unten korrigiert - auf etwa 70 Millionen Tonnen. Die Preise für Lebensmittel sind wegen der Dürre- und Brandkatastrophe bereits um etwa 15 Prozent gestiegen. Russland ist einer der weltgrößten Exporteure von Weizen. Daher erwarten Experten Turbulenzen auf den internationalen Getreidemärkten, wenn die Lieferungen ausbleiben.