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Im Vorteil, weil er viel Geld verdient: Uli Hoeneß.
Im Vorteil, weil er viel Geld verdient: Uli Hoeneß.(Foto: dpa)

Frühzeitige Haftentlassung: "Reichen-Bonus" rettet Hoeneß

Die meisten Häftlinge hätten bei dem gleichen Strafmaß wohl zwei Jahre und vier Monate absitzen müssen. Nicht so Uli Hoeneß. Der Ex-Bayern-Boss profitiert bei seiner frühzeitigen Haftentlassung auch von einer prall gefüllten Brieftasche.

Monatelang hatte die bayerische Justiz betont, für Uli Hoeneß werde keine Extrawurst gebraten. Eine Freilassung von Hoeneß nach nur der Hälfte der Strafe wäre ein fatales Signal, waren sich die Experten einig. Zu hoch sei die Summe seiner Steuerhinterziehung. Man müsse sich in Acht nehmen, dass nicht der Anschein entstehe, prominente Häftlinge werden besser behandelt. Jene Bundesbürger, die ohnehin daran zweifelten, dass vor dem Gesetz alle Bürger gleich sind, bekommen jetzt die Bestätigung.

Mit seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis profitiert Uli Hoeneß von einem "Reichen-Bonus" im deutschen Strafrecht. Das bestätigte das zuständige Landgericht in Augsburg dem "Stern".

In der Begründung für das baldige Ende der Haftzeit hält das Gericht dem ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München besonders zugute, dass er den verursachten Steuerschaden "eigeninitiativ" ausgeglichen und rund 43 Millionen Euro an die Staatskasse überwiesen habe. "Oft kommen Betrüger für den Schaden nicht auf", sagte Claus Pätzel, Vorsitzender Richter am Landgericht Augsburg, dem Magazin. "Sicher sind hierbei Leute im Vorteil, die über viel Geld verfügen", so Richter Prätzel.

Vergangene Woche hatte das Landgericht entschieden, Hoeneß bereits nach Verbüßung der halben Haftstrafe Ende Februar auf Bewährung freizulassen. Dabei handelt es sich um eine Ermessensentscheidung - ebenso ließen sich im Fall Hoeneß auch einige Gründe dagegen finden. Das räumt Richter Pätzel durchaus ein: "Auch die andere Rechtssicht ist vertretbar." Die Staatsanwaltschaft München etwa hatte sich gegen die frühestmögliche Haftentlassung ausgesprochen.

Unter psychischen Belastungen gelitten

In der Haft soll Hoeneß ein wahres Martyrium erlebt haben, wie vor wenigen Tagen aus dem Beschluss des Landgerichts Augsburg zu Hoeneß' vorzeitiger Entlassung hervorgeht. Er sei demnach verleumdet, erpresst und ausspioniert worden.

Ein Fall von Erpressung ist bereits öffentlich geworden, der Täter inzwischen verurteilt. Hoeneß habe in der Haft unter den psychischen Belastungen gelitten, heißt es weiter. Von "totaler medialer Beobachtung" ist die Rede, außerdem habe er sich nie vor "massiven Nachstellungen oder öffentlichen Bloßstellungen" sicher sein können.

Entlassung erst im Herbst 2016

Hoeneß hatte seine Strafe am 2. Juni 2014 im Gefängnis von Landsberg am Lech angetreten. Zweieinhalb Monate zuvor war er vom Landgericht München wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Nach nur 21 Monaten Haft kommt Hoeneß eher frei als zunächst gedacht. Üblicherweise werden Haftstrafen bei guter Führung frühestens nach zwei Dritteln der Zeit zur Bewährung ausgesetzt: Hoeneß hätte also eigentlich zwei Jahre und vier Monate seiner Strafe absitzen müssen. In dem Fall hätte seine Entlassung erst im Herbst 2016 angestanden. Paragraf 57 des Strafgesetzbuches ermöglicht es aber in Ausnahmefällen, die Strafe nach der Hälfte auszusetzen.

Quelle: n-tv.de

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