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Die Betreiberfirma und die Behörden haben gezögert, die 26 Vermissten für tot zu erklären und nach ihnen suchen lassen.
Die Betreiberfirma und die Behörden haben gezögert, die 26 Vermissten für tot zu erklären und nach ihnen suchen lassen.(Foto: picture alliance / dpa)

Schweres Minenunglück in Russland: Rettungseinsatz wird zur Katastrophe

26 Bergleute werden nach einer Gasexplosion in einem russischen Bergwerk vermisst. Trotz der geringen Überlebenschancen sollen Rettungskräfte nach den Männern suchen. Dabei kommt es zu einem weiteren tragischen Zwischenfall.

Bei einem schweren Minenunglück in Russland sind 36 Menschen ums Leben gekommen. Die Betreiberfirma erklärte 26 Arbeiter für tot, die nach einer Methangasexplosion in der Sewernaja-Mine in der Arktis vermisst worden waren. Zuvor waren bereits vier Kumpel für tot erklärt worden.

Bei einer weiteren Explosion in dem Bergwerk starben fünf Rettungskräfte und ein Arbeiter. "Laut dem technischen Expertenrat hatten die 26 Menschen unter Tage keine Überlebenschance", schrieb die Sprecherin der Betreiberfirma Vorkutaugol, Tatjana Buschkowa, in einer E-Mail. "Der Rettungseinsatz wurde beendet."

Kurz zuvor hatte der russische Katastrophenschutzminister Wladimir Puschkow gesagt, es bestehe wenig Hoffnung, dass die 26 Vermissten noch am Leben seien. Bei der Explosion hatten sich 110 Menschen in 748 Meter Tiefe unter Tage befunden. 80 Menschen überlebten das Unglück.

Todesnachricht wurde hinausgezögert

Das Bergwerk befindet sich in der russischen Teilrepublik Komi, hundert Kilometer nördlich des Polarkreises nahe der Stadt Workuta. Die Betreiberfirma Vorkutaugol, die zum russischen Stahlkonzern Severstal des Milliardärs Alexej Mordaschow gehört, hatte ebenso wie die Behörden gezögert, die vermissten Kumpel für tot zu erklären - obwohl es nach dem Unglück keinen Kontakt zu ihnen gab.

Es wurde eine großangelegte Suche nach den Bergleuten eingeleitet. Hunderte Rettungskräfte versuchten durch Dunkelheit, Rauch, gasgeschwängerte Luft und Schutt zu den eingeschlossenen Kumpeln zu gelangen. Am Morgen ereignete sich dann inmitten des Rettungseinsatzes eine weitere Methangasexplosion.

Dabei kamen fünf Rettungskräfte und ein Arbeiter ums Leben, wie ein Sprecher des örtlichen Katastrophenschutzministeriums sagte. Den Angaben zufolge hielten sich während der Explosion 77 Menschen zu einem Rettungseinsatz unter Tage auf. 71 Menschen seien lebend geborgen worden, elf von ihnen seien verletzt.

Bergbau-Unglück kein Einzelfall

Die Explosionen in der Sewernaja-Mine sind eines der schwersten Bergbau-Unglücke in der jüngeren Geschichte Russlands. Im russischen Bergbau ereignen sich aber immer wieder tödliche Unglücke. Oft sind veraltete Anlagen oder Verstöße gegen Sicherheitsauflagen die Ursache. Im Februar 2013 waren bei einer Explosion in einer anderen Mine in Workuta 18 Menschen ums Leben.

Die Region Workuta 2000 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Moskau ist für ihre extremen klimatischen Bedingungen bekannt. Während der Herrschaft Stalins wurden dort zehntausende Zwangsarbeiter in Minen beschäftigt. Nach der Schließung der Arbeitslager in den 50er Jahren wurde der Bergbau weiter betrieben.

Quelle: n-tv.de

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