Panorama

Scharfschützen bewachen den PapstRom erwartet eine Million Pilger

15.03.2013, 13:13 Uhr
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Der Petersplatz bleibt auch in den kommenden Tagen der Nabel der Welt. (Foto: AP/dpa)

Papst Franziskus warnt die katholische Kirche vor einer negativen Weltsicht. "Lasst uns nicht dem Pessimismus nachgeben, der Bitterkeit, die der Teufel uns jeden Tag bietet", sagt er vor Kardinälen aus aller Welt. Die Sicherheitskräfte in Rom setzen dennoch auf ihre Erfahrung und schützen den Papst mit modernster Technik.

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Franziskus zeigte sich bei dem Treffen mit den Kardinälen entspannt und herzlich. (Foto: dpa)

Der neue Papst Franziskus eilt in Rom von Termin zu Termin. Das wichtigste Treffen heute war ein Empfang aller Kardinäle, der betont familiär gehalten wurde. Neben Dutzenden kleinen Terminen, die zur straffen Organisationsstruktur im Vatikan gehören, steht am morgigen Samstag ein Treffen mit den Medienvertretern des Kirchenstaates auf dem Programm. Das Hauptaugenmerk gilt aber diesem Sonntag, wenn Franziskus sein erstes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz spricht.

Die Sicherheitsbehörden erwarten für diesen Frühlingstag mit Sonnenschein und Temperaturen um 15 Grad bis zu eine Million Besucher. Dazu werden massive Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Mehr als 1000 Sicherheitskräfte, darunter auch Scharfschützen, sollen eingesetzt werden.

Das Areal vor dem Petersdom wird auch am kommenden Dienstag einem Hochsicherheitstrakt gleichen, wenn neben den vielen Pilgern mehr als 100 Delegationen mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt am Einführungsgottesdienst für Franziskus teilnehmen wollen. Dann erhält er die Insignien der päpstlichen Macht, das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno bereitete die Bürger und Besucher der Stadt auf Situationen vor, die Ausnahmezuständen ähneln werden.

Eine Schrecksekunde

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Franziskus muss sich erst noch an die neuen Kleider gewöhnen. (Foto: AP/dpa)

Papst Franziskus selbst war bei der Audienz mit den Kardinälen aus dem Tritt geraten und fast gestolpert. Der 76-Jährige schritt auf Kardinaldekan Angelo Sodano zu und kam auf den Stufen aus dem Tritt. Er behielt aber das Gleichgewicht, umarmte den 85-Jährigen, der aufgrund seines Alters nicht am Konklave hatte teilnehmen dürfen, und fuhr unbeeindruckt mit seinem Programm fort. Zuvor hatten ihn einige Vatikan-Beschäftigte beim Verlassen des Gästehauses Santa Marta mit Applaus empfangen.

Vor den Kardinälen bekräftigte er den Auftrag der Kirche zur Glaubensverkündung. Die christliche Wahrheit sei attraktiv, die Kirche müsse Jesus Christus zu den Menschen bringen und die Menschen zu Jesus Christus. Die Rede wurde von Dutzenden Sendern live übertragen und ins Deutsche übersetzt.

Zugleich betonte der 76-Jährige die Bedeutung des Alters. Es sei der "Sitz der Lebensweisheit", und auf Deutsch fügte der Argentinier hinzu: "Es ist ruhig das Alter - und fromm" - ein Zitat von Friedrich Hölderlin, einem seiner Lieblingsautoren. Er appellierte an die überwiegend älteren Kardinäle, ihre Lebensweisheit an die junge Generation weiterzugeben.

Küng spricht von einer guten Wahl

Der Argentinier war am Mittwoch im fünften Wahlgang von den Kardinälen mit Zwei-Drittel-Mehrheit zum Papst gewählt worden. Er ist in der Geschichte der katholischen Kirche der erste Lateinamerikaner und der erste Jesuit als Stellvertreter Gottes auf Erden.

Italienische Kommentatoren sprachen von einer "epochalen Wahl". Sogar der mit der Amtskirche über Kreuz liegende Theologe Hans Küng nannte Franziskus "die bestmögliche Wahl". Ersten Respekt errang er dadurch, dass er unverzüglich einen Brief an die jüdische Gemeinde in Rom schrieb. Franziskus zeigte aber auch gleich, dass er nicht jedermanns Liebling werden, sondern ein fordernder Papst sein will. Eine "geistliche Erneuerung" der Kirche versprach er im Abschlussgottesdienst des Konklaves. "Wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, bekennen wir uns zur Diesseitigkeit des Teufels." Mehr Mut zum Bekenntnis zum Glauben verlangte der neue Papst von den Katholiken. Ohne Wandel werde die Kirche zu einer "barmherzigen Nichtregierungsorganisation".

Ob Papst Franziskus bei seinem Ziel einer Erneuerung auch die deutsche Kirche im Blick hat, dürfte eher bezweifelt werden. Anders als bei Benedikt wird wohl Deutschland nicht im Fokus stehen. Als erste Auslandsreise von Franziskus könnte der Besuch des Weltjugendtags in Brasilien im Juli anstehen.

"Möge Gott euch vergeben"

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(Foto: AP/dpa)

Die menschliche Art, die Franziskus auch schon bei seiner Vorstellung auf dem Balkon des Petersdoms zeigte, weckt Hoffnungen. Vatikansprecher Pater Federico Lombardi, selbst auch ein Jesuit, kann von den ersten Stunden im Pontifikat des 266. Papst viele Anekdoten erzählen. So lehnte es Franziskus am Abend nach seiner Wahl ab, in der ihm zustehenden Limousine zum Essen mit den Kardinälen zu fahren - er stieg lieber zu diesen in den Kleinbus. Und bei diesem Essen zeigte er eine gute Portion Humor. Zuerst dankte Franziskus laut Lombardi den Kardinälen für die Wahl, um dann aber hinterher zu schieben: "Möge Gott Euch vergeben für das, was Ihr getan habt!"

Noch andere kleine Anekdoten, die Lombardi preisgibt, verraten eine für den Vatikan unbekannte Frische. So ließ sich der Papst in einem einfachen Polizeiwagen ohne die übliche Motorrad-Eskorte zum Gebet zur Basilika fahren. Auf dem Rückweg machte er kurz in dem Gästehaus halt, in dem er vor dem Einzug ins Konklave gelebt hat: Der Papst habe dort dann selbst seine Taschen gepackt und danach selbst seine Rechnung beglichen - so, als habe er ein gutes Beispiel geben wollen.

"Kleiner Teufel wird Papst"

Auch in Argentinien selbst sind die Zeitungen voll des Lobes für den neuen Papst. Berichtet wird von Erinnerungen seiner Weggefährten, wie er als kleiner Junge das Einmaleins auf den Treppenstufen seiner Schule lernte, oder wie er im zarten Alter von zehn oder zwölf Jahren um die Hand eines Mädchen angehalten habe. Auf die empörte Reaktion der Eltern hin soll er geantwortet haben: "Die oder keine." Dann würde er eher Priester werden. Eine Nonne bezeichnete ihn gar als lebhaftes Kind, als "kleiner Teufel". Wer hätte gedacht, dass er einmal Papst werden würde.

Der Nachfolger des deutschen Papstes Benedikt XVI. wird aber nicht nur als humorvoller Mensch beschrieben. Er gilt als engagiert und überaus durchsetzungsstark, als Anwalt der Armen und weckt so Hoffnungen auf mehr soziale Gerechtigkeit und ein friedlicheres Miteinander der Religionen.

Am Samstag will sich Franziskus mit Medienvertretern treffen. Am Sonntag spricht er sein erstes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz, zu dem Tausende Gläubige erwartet werden. Bei seiner Amtseinführung am kommenden Dienstag erhält er die Insignien der päpstlichen Macht, das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts