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Beamte der Bundespolizei durchsuchen am Morgen das Haus der Roma-Familien in Göttingen - ohne Erfolg.
Beamte der Bundespolizei durchsuchen am Morgen das Haus der Roma-Familien in Göttingen - ohne Erfolg.(Foto: dpa)

Flucht statt Abschiebung: Roma-Familien sind untergetaucht

Seit 17 Jahren leben zwei Roma-Familien aus dem Kosovo im niedersächsischen Göttingen - Ende des Jahres entscheidet das Verwaltungsgericht, dass die Eltern mit ihren 13 Kindern abgeschoben werden sollen. Daraufhin tauchen die Familien unter.

Die beiden Roma-Familien, die wegen mangelnder Integrationsbereitschaft nach 17 Jahren in Deutschland abgeschoben werden sollen, sind offenbar verschwunden. Polizeibeamte durchsuchten am frühen Morgen mit einem Großaufgebot einen Wohnblock in Göttingen, trafen jedoch niemanden mehr an. Die Behörden gehen davon aus, dass die vier Erwachsenen und ihre insgesamt 13 Kinder irgendwo in Deutschland untergetaucht sind.

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Der Fall der Familien hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt: Obwohl die Eltern seit mindestens acht Jahren eine Arbeitserlaubnis hatten, konnten sie ihren Lebensunterhalt nie eigenständig sicherstellen. Das Göttinger Verwaltungsgericht hatte gerügt, dass die von ihnen vorgelegten Arbeitsverträge entweder Scheinverträge gewesen seien oder für unerlaubte Betätigungen aufgesetzt worden waren. Auch Schulabschlüsse oder abgeschlossene Ausbildungen fehlten.

Zudem gingen die Kinder beider Familien zum Teil nur unregelmäßig zur Schule, ohne dass die Erwachsenen etwas dagegen unternommen hätten. Es habe wegen unentschuldigter Fehlzeiten zahlreiche Bußgeldverfahren gegeben. Ärger mit der Justiz gab es außerdem schon 2012, als die beiden Väter wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurden.

Flucht als letzte Möglichkeit

Die Familien waren Ende der 90er Jahre nach Deutschland gekommen. Sie hatten kein Asyl beantragt, Anträge auf eine Aufenthaltserlaubnis wurden wiederholt abgelehnt - und auch die niedersächsische Härtefallkommission lehnte die Anfragen der Familien zweimal ab.

Vor fünf Tagen schließlich entschied das Oberverwaltungsgericht in Lüneberg gegen die Beschwerde der Roma-Familien, die dadurch eine Abschiebung in letzter Instanz verhindern wollten. "Wir werden das Urteil jetzt auswerten und dann überlegen, was noch möglich ist", hatte eine Sprecherin des Bündnisses für Bleiberecht dem "Göttinger Tageblatt" erklärt. Nun sind die Familien verschwunden.

Quelle: n-tv.de

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