Panorama
Dienstag, 17. Januar 2012

Todesschüsse in Dachauer Gericht: Rudolf U. bricht sein Schweigen

Über Tage hat Rudolf U. geschwiegen, jetzt spricht er. Der Mann, dem die tödlichen Schüsse auf einen Dachauer Staatsanwalt zur Last gelegt werden, lässt dabei allerdings Reue vollkommen vermissen. Aus den Aussagen gegenüber seinem Pflichtverteidiger spricht vielmehr ein tiefer Hass auf die Justiz.

Nach der brutalen Tat in Dachau herrscht unter den Kollegen des Staatsanwalts am Amtsgericht Bestürzung.
Nach der brutalen Tat in Dachau herrscht unter den Kollegen des Staatsanwalts am Amtsgericht Bestürzung.(Foto: dpa)

Der mutmaßliche Todesschütze aus dem Dachauer Amtsgericht hat sein Schweigen gebrochen und mit seinem Pflichtverteidiger gesprochen. Der 54-jährige Rudolf U. habe bei dem Treffen keine Reue gezeigt, sagte der Anwalt Wilfried Eysell der "Süddeutschen Zeitung". "Entweder kann er nicht bereuen, oder er ist noch nicht so weit", ergänzte der Verteidiger. Motive für die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt vor rund einer Woche waren dem Bericht zufolge Hass auf die bayerische Justiz und das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein.

Der Transportunternehmer habe bei dem Gespräch erklärt, dass er seit sieben Jahren immer vor Gericht verloren habe, sagte Eysell der SZ. Zum Ablauf der Tat und der illegal erworbenen Waffe habe Rudolf U. nichts gesagt. Stattdessen habe sich der Mann, der an Herzproblemen und den Folgen eines Schlaganfalls leidet, über die Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim beschwert. Er habe keine passende Wäsche und zudem seit seiner Inhaftierung nichts gegessen.

Auch die Anwältin, die U. vor Gericht verteidigt hatte, hat sich laut SZ nach Rücksprache mit der Anwaltskammer gegenüber der Polizei geäußert. Sie hatte sich bislang auf ihre Berufsverschwiegenheit berufen. Zu dem lautstarken Gespräch im Schlosscafé, das kurz vor der Tat zwischen Anwältin und Mandant stattfand, mache sie allerdings nach wie vor keine Angaben. Der Zeuge, der angeblich das Gespräch mitbekommen haben müsste, hat sich bisher bei der Polizei noch nicht gemeldet.

Rudolf U. hatte sich am Mittwoch vor einer Woche in Dachau wegen Vorenthaltung von 44.000 Euro an Sozialbeiträgen vor Gericht verantworten müssen. Während der Verurteilung zu einem Jahr Haft auf Bewährung zog er plötzlich seine Pistole und schoss zunächst auf den Richter. Nachdem er diesen verfehlt hatte, zielte er auf den 31-jährigen Staatsanwalt und verletzte diesen tödlich.

Quelle: n-tv.de

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