Panorama
Der Dalai Lama sei "ein globales Symbol für Frieden und Gewaltlosigkeit", so die tibetische Exilregierung.
Der Dalai Lama sei "ein globales Symbol für Frieden und Gewaltlosigkeit", so die tibetische Exilregierung.(Foto: dpa)

Der Dalai Lama wird 80 - zweimal: Rückkehr als "neckische blonde Frau"?

Er ist der Mann, der Harmonie und Frieden symbolisiert: Der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter, will die Weltgemeinschaft vereinen. Aber die Institution Dalai Lama hat womöglich bald ausgedient, eine fast fünf Jahrhunderte währende Tradition könnte enden.

Im April Japan, Anfang Juni Australien, dann fliegt er nach Indien und in die USA: Was sich wie die Weltreise eines Backpackers liest, ist der Terminplan des Dalai Lama. Überall tritt das spirituelle Oberhaupt der Tibeter in weinroter Robe, Brille und mit seinem markanten Lächeln auf. "Meine Brüder und Schwestern", sagt er dann. "Was wir heutzutage wirklich brauchen, ist ein Gefühl der Einheit aller sieben Milliarden Menschen". Das ist seine Lebensaufgabe: Harmonie stiften. Nun wird der Mann des Friedens 80 Jahre alt - am 21. Juni und am 6. Juli. Wie kommt das?

Der lächelnde Harmoniestifter wird 80 Jahre alt - und insgesamt "sicher 100".
Der lächelnde Harmoniestifter wird 80 Jahre alt - und insgesamt "sicher 100".(Foto: AP)

Die tibetische Exilregierung feiert den Geburtstag des 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso,  nach dem tibetischen Kalender. Demnach wurde er am fünften Tag des fünften Mondes geboren, der in diesem Jahr auf den 21. Juni fällt. Nach gregorianischem Kalender, der unter anderem in Deutschland gilt, wurde der jetzige Dalai Lama am 6. Juli geboren. An diesem Tag wird er ebenfalls feiern.

Bauernsohn aus Tibets Hochland

Geboren wurde der 14. Dalai Lama als Lhamo Dhondup, ein Sohn einfacher Bauern im tibetischen Hochland. Seinen runden Geburtstag aber wird er nicht in seiner Heimat verbringen können. Denn Tibet wird seit Jahrzehnten von China besetzt. 1959 musste der Dalai Lama fliehen, Zehntausende andere Tibeter folgten ihm. Im indischen Dharamshala, am Fuße der Himalaya-Berge, ließ er sich nieder.

Gäste aus aller Welt strömen nun in den Pilgerort, um am 21. Juni mit dem bekanntesten buddhistischen Mönch zu beten. Denn längst ist der Dalai Lama mehr geworden als das Sinnbild des gewaltlosen Widerstands seines Volkes gegen die chinesische Besatzung. Er ist, so meint die tibetische Exilregierung, "ein globales Symbol für Frieden und Gewaltlosigkeit".

Einer der beliebtesten Menschen unserer Zeit

Der Dalai Lama Tenzin Gyatso bekam 1989 den Friedensnobelpreis verliehen.
Der Dalai Lama Tenzin Gyatso bekam 1989 den Friedensnobelpreis verliehen.(Foto: imago/McPHOTO/Lovell)

Der Friedensnobelpreisträger nimmt sich die großen Themen unserer Zeit zur Brust: Religionskonflikte, Klimawandel, Flüchtlingspolitik, Wirtschaftskrise, Armutsbekämpfung, Sinnsuche in der Wissenschaft. Worum es auch geht, immer wieder ruft seinen Mitmenschen zu: zeigt Mitgefühl, Liebe, Toleranz und Vergebung. So wurde er weltweit zu einem der beliebtesten Menschen unserer Zeit. Die politische Verantwortung für sein Volk hat er längst abgegeben. Seit 2011 ist der Dalai Lama im politischen Ruhestand, seitdem wird die Verwaltung der rund 128.000 Exil-Tibeter von einem Sikyong, einem Premierminister, geführt.

Lobsang Sangay trägt nun die Verantwortung für den alten Kampf um eine "echte Autonomie", also kulturelle und religiöse Freiheiten für die Tibeter innerhalb der Volksrepublik. Zunächst beriet der Dalai Lama die - von keinem Land der Welt anerkannte - Exilregierung noch häufig. "Mit der Zeit wurden die Treffen immer weniger", sagt ein enger Vertrauter des Dalai Lama.

Ende einer alten Tradition?

Der Dalai Lama weiht 1970 ein Kinderheim am Himalaya ein. Nach dem Scheitern des Volksaufstands in Tibet im März 1959 gegen die Chinesen war er ins benachbarte Indien geflohen.
Der Dalai Lama weiht 1970 ein Kinderheim am Himalaya ein. Nach dem Scheitern des Volksaufstands in Tibet im März 1959 gegen die Chinesen war er ins benachbarte Indien geflohen.(Foto: dpa)

Vielleicht hat auch die Institution Dalai Lama bald ausgedient. Die Oberhäupter der Tibeter werden von hohen buddhistischen Gelehrten ausgesucht - so wurde auch der jetzige Dalai Lama 1937 als Zweijähriger gefunden. Doch diese fast fünf Jahrhunderte währende Tradition könne nun, da er die politische Macht abgegeben habe, enden, sagt der Dalai Lama jüngst in mehreren Interviews. Oder er käme als "neckische blonde Frau" zurück auf die Erde, scherzte er.

Möglicherweise will er damit den chinesischen Behörden zuvorkommen, die nach seinem Tod ein Kind als seine Wiedergeburt suchen und unter ihrer Kontrolle großziehen könnten. Oder es könnte noch schlimmer kommen, wie der Fall des 11. Panchen Lama zeigt. Der zweitwichtigste religiöse Führer der Tibeter verschwand wenige Tage nach seiner Anerkennung durch den Dalai Lama - wahrscheinlich wurde der Sechsjährige von den Behörden entführt. An seiner statt ernannte Peking einen anderen Jungen zur Reinkarnation des Panchen Lama.

Er wird "sicher" 100 Jahre alt

Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Langem, dass die chinesischen Behörden die sechs Millionen Buddhisten in Tibet kulturell und religiös unterdrücken. Flüchtlinge aus dem Hochland berichten, dass durch große Umsiedlungsprogramme die Tibeter mittlerweile eine Minderheit im eigenen Land seien. In Schulen und Universitäten wird in Chinesisch unterrichtet, Klöster geschlossen. Mehr als 100 Tibeter haben sich wegen der chinesischen Herrschaft schon mit Benzin übergossen und selbst verbrannt.

Er wolle bleiben, solange das Leid fühlender Wesen auf der Welt bleibe - wenn auch nicht im gleichen Körper, sondern als der gleiche Geist, sagt der Dalai Lama. Er hofft, dass die Welt bei seiner nächsten Reinkarnation friedlicher ist. Wann das sein wird? "Laut den Ärzten, die meine körperliche Konstitution geprüft haben, werde ich 100 Jahre alt", sagte er in einem Interview. "Laut meinen Träumen werde ich 113 Jahre alt. Aber 100 sind, glaube ich, sicher."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen