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... und rettete mit dem gleichnamigen Schiff unzähligen Menschen das Leben.

... und rettete mit dem gleichnamigen Schiff unzähligen Menschen das Leben.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Menschenfischer und Querkopf: Rupert Neudeck wird 70

Er ist Chef der Hilfsorganisation Grünhelme und ein Journalist, der sich oft unbequem zu Wort meldet. Zu allererst steht Rupert Neudeck aber für Cap Anamur und die Rettung tausender vietnamesischer Flüchtlinge aus dem chinesischen Meer. "Die Identifikation mit Cap Anamur, mit dem Schiff und der Rettung der boat people ist so total. Selbst der Versuch, mich zu distanzieren, würde scheitern, auch wenn ich mich bis nach Tasmanien verziehen würde", sagt der Gründer und langjährige Vorsitzende des Nothilfe-Komitees. Am 14. Mai wird Neudeck 70 Jahre alt.

Tausendfacher Vater

Der drahtig-schmale Mann mit dem markanten weißen Bart lebt in Troisdorf bei Bonn in einem bescheidenen Reihenhaus - obwohl er doch mehrere tausend Kinder hat. Mehr als 11.400 Flüchtlinge fischten die Aktivisten in den 80er Jahren aus dem Wasser, noch heute halten Neudeck und seine Frau Christel engen Kontakt zu Geretteten, deren Kindern und Enkeln. "Das ist eine heimliche Elternschaft, die wir haben, die sich organisch ergeben hat aus dem Menschenfischen." Die Verbindung werde halten "bis an mein Lebensende, eine unglaubliche schöne Vorstellung". Dass er den Vorsitz von Cap Anamur 2002 in jüngere Hände legte, hat Neudeck nie bereut: "Man darf nicht etabliert werden bei dieser Art der Arbeit, nicht großväterlich werden bei der Verantwortung, die man für viele Menschen und Projekte in aller Welt trägt."

Sein Engagement - "radikale Humanität" als Prinzip - wurzelt in der eigenen Vergangenheit und in einem tiefen christlichen Glauben. "Ich wüsste nicht, woher das sonst kommt." Gegen Kriegsende floh der junge Rupert mit seiner Familie von Danzig nach Westfalen, war selbst Flüchtling. Vorübergehend schloss er sich den Jesuiten an, studierte neben Philosophie, Soziologie und Germanistik auch Theologie. "Wenn es Menschen ans Leben geht, muss man sofort handeln, so steht es im Evangelium, auch im Koran und im Talmud. Mein Ansporn war immer die sofortige Aktion, nicht das Evaluieren."

Cap Anamur hilft in gefährlichen Gebieten

Die Notärzte von Cap Anamur bauen bis heute Kliniken, versorgen Bedürftige in Angola, Äthiopien, Afghanistan, im Nordirak oder in Kolumbien, helfen in gefährlichen Gebieten. Die Organisation Grünhelme gründete Neudeck als Reaktion auf den 11. September 2001. "Damit wir nicht in Fronstellung gegen Muslime kommen." Deutsche Christen und Muslime errichten gemeinsam Schulen, auch in muslimischen Ländern wie Afghanistan. Der Holztisch in Neudecks Wohnzimmer ist zentrale Schaltstelle der Grünhelme: "Wir wollen keine Gelder für Verwaltung ausgeben, deshalb findet alles hier Zuhause statt, die Auswahl der Kandidaten, die Spendenbetreuung."

Bevor Neudeck Helfer in Krisengebiete schickt, testet er die Lage erst am eigenen Leib. "Man kann erst Leute wegschicken, wenn man sagen kann: Das geht, ich bin dagewesen, und mir ist nichts passiert." In Ruanda, Uganda, Afghanistan, demnächst auch im Kongo und in den Palästinensergebieten sind seine Leute im Einsatz - Lehrer, Ingenieure. "Wir schicken nie viele, denn die Absicht ist ja, dass sie sich durch Ausbildung vor Ort entbehrlich machen." Auch der Senior mit dem frischen, jungen Lachen ist oft unterwegs: "Ich reise viel, in einem Land wie Afghanistan ändern sich die Bedingungen an der Basis schnell, man muss alle paar Monate da sein, auch Kontakte zur Regierung halten."

"Ich bin einfach zufrieden"

Mit 70 Jahren Bilanz zu ziehen über das Erreichte liegt Neudeck fern. "Ich bin einfach zufrieden, Millionen Bürger haben mitgemacht und ihr Geld gegeben. Es ist eine tolle Eigenschaft dieser Gesellschaft, bei konkreten Notsituationen zu helfen." Zu Kritik an ihm wegen eines kompromisslosen, strengen Führungsstils sagt er: "Es gab oft unglaublich schwierige Entscheidungen, bedrohliche Lagen für Helfer, da kann man nicht immer basisdemokratisch rangehen." Verschmitzt lächelnd räumt er ein: "Ich würde sagen, dass ich nicht immer der klügste und der mildeste war, oft auch ein Querkopf - aber meine Frau Christel hat vieles ausgebügelt, was ich verbrochen habe."

Yuriko Wahl, dpa

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