Panorama

Angeklagter erzählt abenteuerliche GeschichteRussen-Mafia soll hinter Aldi-Erpressung stecken

15.05.2013, 17:13 Uhr
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Der Aldi-Erpresser (r.), ein 61-jähriger Österreicher, hat die Tat gestanden. (Foto: dpa)

Ein 61-jähriger Österreicher versucht im vergangenen Sommer Aldi zu erpressen – per E-Mail. Sein Vorhaben scheitert auch deshalb, weil er dafür seinen eigenen Rechner nutzt. Beim Prozessbeginn behauptet er, die Russen-Mafia habe ihn zu der Tat gezwungen.

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Aldi-Süd-Filiale in Frankfurt am Main. (Foto: picture alliance / dpa)

Aldi zu erpressen, hatte sich der 61-jährige Österreicher einfacher vorgestellt. Im vergangenen Sommer schickte er aus Thailand mehrere E-Mails an die Supermarktkette und verlangte 15 Millionen Euro. Ansonsten würde vergiftete Ware in den Regalen der Filialen landen. Doch sein Plan scheiterte, die Ermittler kamen ihm auf die Spur. Auch weil er die E-Mails von seinem eigenen Rechner schickte. Beim Prozessbeginn vor dem Duisburger Landgericht tischte er dem Richter eine abenteuerliche Geschichte auf. Die Russen-Mafia habe ihn gezwungen, den Erpressungsversuch zu wagen. "Ich habe nur die Verhandlungen geführt", erklärte er im Rahmen seines Geständnisses.

Er sei am 9. Mai 2012 in Thailand zu einer Party eingeladen worden, auf der er mit einem Übersetzungsauftrag geködert worden sei. Später habe sich dann herausgestellt, dass es sich um Erpresserbriefe gehandelt habe. Die russischen Auftraggeber hätten ihn jedoch gezwungen, nun auch die Verhandlungen mit Aldi-Süd zu führen. Der Angeklagte hatte sich in seiner ersten E-Mail tatsächlich als Mitglied einer "weltweit operierenden Organisation mit Sitz in Russland" gemeldet. Das Geld sollte laut Anklage in zwei Überweisungen innerhalb von 36 Stunden an eine kanadische Bank überwiesen werden. Aldi-Süd ging auf die Erpressungsversuche nicht ein und zahlte nichts.

E-Mails vom eigenen Rechner verschickt

Tatsächlich hatten sich die Verhandlungen jedoch fast zweieinhalb Monate bis Anfang September 2012 hingezogen. Anschließend hatte sich der 61-Jährige nicht mehr gemeldet, da er laut Anklage keine Möglichkeit mehr sah, seine Forderung durchzusetzen. Sein Verteidiger bezeichnete den Erpressungsversuch am Rande des Prozesses als "naiv", da sein Mandant die E-Mails von seinem eigenen Computer verschickt habe. Die Aufdeckung seiner Identität sei deshalb nur eine Frage der Zeit gewesen.

Zuletzt war der Angeklagte von den Fahndern sogar mit seinem richtigen Namen angesprochen worden. "Er hat sich das alles viel einfacher vorgestellt", sagte Reinhardt. Von seiner Struktur her sei der Angeklagte kein Erpresser, sondern eher ein Betrüger.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa