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In San Francisco darf fortan in der Öffentlichkeit niemand mehr "seine oder ihre Genitalien, Damm- oder Analgegend" zur Schau stellen.
In San Francisco darf fortan in der Öffentlichkeit niemand mehr "seine oder ihre Genitalien, Damm- oder Analgegend" zur Schau stellen.(Foto: picture alliance / dpa)

Proteste mit Festnahmen: San Francisco will keine Nackten

Völlig nackt durch San Francisco zu bummeln, das ist neuerdings strafbar. Aus Protest gegen die Vorschrift zogen sich Nudisten vor dem Rathaus aus. Die Polizei rückte an und nahm sie in Gewahrsam.

Eine Handvoll Nudisten ist in San Francisco in Gewahrsam genommen worden, als sie am gegen das neue Nacktheitsverbot demonstrierte. Der Stadtrat der kalifornischen Metropole hatte im November ein Gesetz verabschiedet, nach dem entblößte Genitalien auf Straßen, Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten sind. Die Vorschrift trat am 1. Februar in Kraft.

Die 43-jährige Gypsy Taub zählt zu der kleinen Gruppe von nackten Demonstranten, die mit einer Klage gegen das Verbot vorgehen wollen. "Ich bin hier, um mein Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen", sagte die dreifache Mutter. "Dafür nehme ich Verhaftung und Geldstrafen in Kauf."

Mit dem Strafzettel gibt es Decken

Zusammen mit drei weiteren Splitternackten wurde sie von der Polizei erst verwarnt, dann festgenommen. Nach zwei Stunden sei sie wieder auf freien Fuß gekommen, sagte Taub. Die Beamten hätten ihnen Decken und Strafzettel gegeben. Im März müsse sie vor den Richter.

Das neue Gesetz in der gewöhnlich als sehr liberal und freizügig geltenden Westküstenstadt sieht Geldstrafen von maximal 500 Dollar vor, bei wiederholten Verstößen droht aber auch Gefängnis bis zu einem Jahr. Mit einem ersten Einspruch vor Gericht waren die Nudisten im Januar gescheitert. Sie kündigten am Freitag weitere legale Schritte an.

Buhrufe begleiten die Festnahmen

Dutzende Polizisten, Reporter und Passanten schauten zu, als die Demonstranten vor dem Rathaus von San Francisco bei Sonnenschein die Hüllen fallen ließen. Die Festnahmen wurden mit lauten Buhrufen der Aktivisten begleitet.

Der homosexuelle Stadtverordnete Scott Wiener, der das Schwulenviertel Castro vertritt, hatte das Nacktheitsverbot eingebracht. Die Zahl von Nudisten sei in den vergangenen Jahren in seinem Bezirk deutlich gewachsen. Vor allem Anwohner und auch Geschäftsleute hätten sich über die öffentliche Nacktheit beschwert, argumentierte der Politiker im Stadtrat.

Ausgenommen von dem Nacktheitsverbot sind besondere Anlässe und Straßenfeiern wie die jährliche Schwulenparade. Auch an Stränden und auf Privatgrundstücken darf man sich weiter ausziehen. Kinder unter fünf Jahren sind ebenfalls von der Vorschrift ausgenommen.

Quelle: n-tv.de

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