Panorama

Gedächtnis der deutschen LiteraturSchiller-Nationalmuseum öffnet

05.11.2009, 13:57 Uhr

Das Schiller-Nationalmuseum wird nach zweijährigem Umbau wiedereröffnet - am 250. Geburtstag des großen deutschen Dichters.

Marbach
Blick auf die Schillerhöhe in Marbach mit dem Schiller-Nationalmuseum. (Archivbild 2005) (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der 250. Geburtstag von Friedrich Schiller kann kommen: Pünktlich zum Jubiläum am 10. November ist die Sanierung des Nationalmuseums in Schillers Geburtsstadt Marbach nach mehr als zwei Jahren abgeschlossen. Das teilte das Deutsche Literaturarchiv mit. Das pantheonartige Schlösschen auf einem Felsen hoch über dem Neckar solle wieder so etwas wie "das nationale Gedächtnis der deutschen Literatur" werden, hieß es. Die Sanierungskosten von mehr als sechs Millionen Euro teilen sich zu fast gleichen Teilen Bund, Land sowie die Deutsche Schillergesellschaft über Spenden. Wiedereröffnet wird das Nationalmuseum von Bundespräsident Horst Köhler.

Schiller
Der deutsche Dramatiker und Dichter Friedrich Schiller als 44-Jähriger nach einem Gemälde von Simenowitz. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Im Zentrum der neuen Dauerausstellung mit 700 Exponaten auf 450 Quadratmetern steht natürlich Schiller selbst: Ein ganzer Flügel des Jugendstil-Gebäudes, das an ein Lust- und Jagdschlösschen aus der Schillerzeit erinnert, ist dem Leben und Werk des Nationaldichters gewidmet. Allein 50 Schillerporträts - vom Scherenschnitt bis zur Totenmaske - dokumentieren die allgemeine Dichterverehrung. Eine Vitrine zeigt ihn im wahrsten Sinne von Kopf bis Fuß, vom Lederhut über seine Weste und seine gestreifter Socken bis zur Schuhschnalle. Vom Leben des Schöpfers der "Räuber", von "Wallenstein" oder "Wilhelm Tell" berichten Reliquien: ein rotes Tuch gegen Kopfweh, seine Bibliothek, mehrere Tabakdosen und natürlich eine blonde Locke.

Der andere Flügel des 1903 erstmals eröffneten Museums ist der Schwäbischen Dichterschule gewidmet. Dichtern und Denkern wie Hölderlin, Wieland, Kerner, Mörike oder Hegel, die zeitlich oder räumlich nah bei Schiller aufwuchsen. "Ein nicht geringer Teil der deutschen Literaturgeschichte ist ohne die schwäbische Literatur und Philosophie undenkbar", sagte Museumsdirektorin Heike Gfrereis. Dem Lokalpatriotismus zum Trotz solle die Ausstellung aber die gesamte Geschichte der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts begreifbar machen. Schiller-Freund Goethe, Lessing, Kant oder Heine sind im neuen Nationalmuseum vor allem dank des schwäbischen "Weltliteratur"-Verlegers Cotta gleich mehrmals vertreten.

Manuskripte und Briefe der Marbacher Schiller-Sammlung sind in bislang nie gezeigter Fülle zu sehen. Um die unzähligen empfindlichen Originale auch aus Nachlässen anderer bedeutender Weggefährten vor dem Tageslicht zu schützen, wurde das Museum bis auf die Eingangshalle und den Schillersaal abgedunkelt. Zudem bleiben die Räume konstant auf 18 Grad gekühlt..

Quelle: dpa