Panorama

Friedenspreis des Deutschen FilmsSchmid und Tukur geehrt

02.07.2009, 22:13 Uhr

Der Regisseur Hans-Christian Schmid ("Sturm") und der Schauspieler Ulrich Tukur ("John Rabe") nahmen in München die Auszeichnung entgegen. Bei Tukur ging's fast daneben.

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Tukur (l) und Schmid bei der Auszeichnung in München. Der Friedenspreis des Deutschen Films würdigt künstlerische Arbeiten oder Filmemacher, die sich für Humanität,Toleranz und Aufklärung einsetzen. (Foto: dpa)

Der Regisseur Hans-Christian Schmid ist beim Filmfest München für seinen Film "Sturm" über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Bernhard Wicki Filmpreis "Die Brücke" wurde ihm im Münchner Cuvilliés-Theater verliehen. "Man ist nach dem Film ergriffen, empört und schreit nach Gerechtigkeit", sagte Oscarpreisträger und "Blechtrommel"-Regisseur Volker Schlöndorff in seiner Laudatio.

"Wie Schmid mit Details arbeitet, unprätentiös, wie nebenbei, wie sich das Mosaik dieser Geschichte allmählich zusammensetzt, ist großes filmhandwerkliches Können", begründete die Jury. An der Preisverleihung nahmen auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als Schirmherr und seine Frau Karin teil.

Schauspielerpreis erstmals verliehen

Der Schauspielerpreis, der in diesem Jahr erstmals verliehen wurde, ging an Ulrich Tukur für seine Rolle des "John Rabe" in dem gleichnamigen und mehrfach preisgekrönten Kriegsdrama von Florian Gallenberger. Tukur spielt darin den Chef des Siemens-Werkes im chinesischen Nanking, der 1937 Zehntausende Menschen vor japanischen Angriffen rettete. "Das hat der Uli Tukur grandios gespielt", sagte Oscarpreisträger Maximilian Schell in seiner Laudatio. "Er zieht alle Register seiner Schauspielkunst. Die Fallhöhe und die Wahrhaftigkeit dieses Ausnahmeschauspielers sind atemberaubend", hieß es in der Begründung der Jury.

Fast hätte Tukur, der den Abend mit seiner Band "Rhythmus Boys" an Klavier und Akkordeon auch musikalisch bereicherte, den Preis aber gar nicht entgegen nehmen können. Ein Mitarbeiter der Staatskanzlei, der den Eingang des Cuvilliés-Theaters bewachte, habe ihn nicht hineinlassen wollen, weil er keine Eintrittskarte hatte. Als er dem Mann erklären wollte, er sei Preisträger, habe der nur entgegnet: "Das kann ja jeder sagen."

Tukur kann auch rabiat werden

Offenbar ist alles "gütlich" geklärt worden – denn der Film-Friedenspreisträger Tukur kann auch anders. Vor Jahren habe er während einer Premiere, in der er die Hauptrolle spielte, einen Mitarbeiter k.o. geschlagen, der ihn nicht wieder in das Theater lassen wollte, erzählte Tukur in München. "Ich habe ihm voll eins auf die Zwölf gegeben", erinnerte sich der 51-Jährige schuldbewusst.

In seiner Rolle habe Tukur damals eine Braut entführen und mit ihr das Theater verlassen müssen. Er sollte in einer Loge wieder auftauchen, der gewissenhafte Mitarbeiter wollte das verhindern. Da schlug Tukur, der "Adrenalin" als Entschuldigung anführte, zu. "Er fiel um wie ein Käfer und landete auf dem Rücken", sagte der Schauspieler. Bis zum Ende der Aufführung habe er nicht gewusst, wie es dem Mann geht. "Aber die Premiere wurde ein Erfolg, und der Mann hat überlebt", sagte er. Nach der Aufführung habe Tukur sich bei ihm entschuldigt.

Quelle: dpa