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Unter den Opfern sind Schüler und Lehrer der High School.
Unter den Opfern sind Schüler und Lehrer der High School.(Foto: twitter.com/@TheStarPhoenix)

Schüler tötet vier Menschen: Schüsse schocken kanadische Gemeinde

Das kanadische Örtchen La Loche ist überschaubar: Eine Schule, eine Post. Restaurants oder Kinos sucht man vergeblich. Am Freitag stürmt ein bewaffneter Junge eine Schule und tötet vier Menschen. Die Gemeinde ist in Schockstarre und rätselt über mögliche Gründe.

"Schütze in der Schule!" Als der 15-jährige Alex Janvier am Freitagmittag einen Lehrer diese Worte rufen hört, rennt er zurück ins Klassenzimmer. Dort sitzen die anderen Zehntklässler auf dem Boden, der Lehrer schreibt SMS mit dem Schuldirektor. Schüsse fallen. "Ich hatte große Angst", erzählt Janvier der Zeitung "Star Phoenix" später. "Er war in der Nähe." Dann hören die Schüler von der anderen Seite der Tür die Worte: "Hör auf, bitte! Hör auf!"

Blutige Bilanz der Schüsse in La Loche: mindestens vier Tote und zwei Schwerverletzte. Die 2600-Einwohner-Gemeinde im Hinterland der kanadischen Taiga wird lange brauchen, um diesen Tag zu verdauen. Jeder kennt hier jeden. Unter den Opfern sind sowohl Schüler als auch Lehrer der High School, sagt Bürgermeister Kevin Janvier dem Sender CTV. Der Schütze, den die Polizei bald nach der Tat in der verschneiten Ortschaft fasst, ist jünger als 21 Jahre. Zu später Stunde stellt sich Premierminister Justin Trudeau im schweizerischen Davos vor die Kameras, um den Angehörigen sein Beileid auszudrücken.

Schulkoordinatorin Norma Janvier hielt die Schüsse erst für Teenager, die Schließfächer knallend zuwerfen. Dann hörte sie Polizisten rennen. Ein Jugendlicher kam gerade vom Mittagessen, als seine Freunde an ihm vorbei rennen. "Lauf, Junge, lauf!" und "Da ist ein Gewehr!", hätten sie gesagt, erinnert sich der 16-jährige Noel Desjarlais-Thomas im Interview mit dem "Star Phoenix". Dann habe er die Schüsse gehört und sei losgerannt. Er fürchtet, ein Freund könnte unter den Toten sein.

La Loche liegt isoliert

Dem Blatt zufolge tötete der Schütze erst zwei junge Verwandte, bevor er sich zur nahe gelegenen Schule aufmachte. Polizeisprecherin Maureen Levy bestätigt später, dass neben der Schule auch ein Haus durchsucht werde. "Habe gerade zwei Leute getötet", soll der junge Mann in einem sozialen Netzwerk nach der ersten Tat geschrieben haben. Das Alter der Opfer nennt Levy nicht.

Im abgelegenen, vor allem von kanadischen Ureinwohnern bevölkerten La Loche ist es nicht das erste Mal, dass die Sirenen heulen. Die Selbstmordrate ist hier überdurchschnittlich hoch, die höchste in der gesamten Provinz Saskatchewan, berichtet der "Star Phoenix". Pro 100.000 Einwohner nahmen sich zwischen 2008 und 2012 im Schnitt 43 Menschen das Leben - mehr als dreimal so viele wie im Vergleich mit dem Rest der Provinz. Im Ort ist von einer Epidemie die Rede. Teil des Problems soll der Verlust kultureller Identität sein, immer weniger Kinder sprechen die Sprache der hier lebenden Clearwater River Dene Nation.

Zudem liegt La Loche isoliert und relativ abgeschnitten von der Außenwelt. Es gibt keine Restaurants, kein Hotel, keine Kinos, keine Bank. Das nächste Schnellrestaurant, wo es vor allem Kaffee und Donuts gibt, liegt mehr als 100 Kilometer entfernt. Die Innenstadt kann man schnell übersehen. Auch Alkohol und Drogen seien ein Ausweg aus der Depression, sagte Connie Cheecham, die für ein Programm zur Stärkung der Familie arbeitet, vergangenes Jahr. "Viele unserer Leute wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen."

Quelle: n-tv.de

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