Panorama
Fendi Ö. im Landgericht Detmold.
Fendi Ö. im Landgericht Detmold.(Foto: dpa)

Mord an Kurdin Arzu Ö.: Sechseinhalb Jahre für Vater

Seine Tochter ist tot, seine fünf anderen Kinder im Gefängnis - ihre Haftstrafen betragen zwischen fünfeinhalb Jahren und lebenslang. Vater Fendi Ö. wird wegen Beihilfe zum Mord zu sechseinhalb Jahren verurteilt. Er habe den "Ehrenmord" zwar nicht in Auftrag gegeben, jedoch auch nicht verhindert.

Video

Der Vater der ermordeten Arzu. Ö. aus Detmold muss ins Gefängnis. Das Landgericht Detmold verurteilte den 53-jährigen Fendi Ö. wegen Beihilfe zum Mord zu sechseinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre und neun Monate Haft gefordert.

Der Vater hatte jede Beteiligung an dem Mord abgestritten. Die fünf erwachsenen Kinder der Familie - vier Brüder und eine Schwester - hatten ihre 18 Jahre alte Schwester im Namen der "Ehre" entführt und getötet. Dafür waren sie zu Haftstrafen verurteilt worden. Hintergrund war die Beziehung der Tochter zu einem Deutschen, der anders als die Familie nicht der Glaubensgemeinschaft der Jesiden angehört. Die Jesiden sind eine Religionsgemeinschaft, die vor allem unter den Kurden verbreitet ist.

Fendi Ö. habe nicht verhindert, dass seine fünf erwachsenen Kinder Arzu entführt und getötet hätten, sagte Staatsanwalt Christopher Imig. Deshalb habe er sich der Beihilfe zum Mord durch Unterlassen schuldig gemacht. Außerdem müsse der 53-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, weil er Arzu verprügelt habe.

Die Verteidigung plädierte für eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung. Für eine Anstiftung oder Beihilfe zum Mord gebe es keinen Beweis.

Die aus der Ost-Türkei stammende jesidische Familie habe Arzus Beziehung zu dem Nicht-Jesiden abgelehnt, sagte Staatsanwalt Imig. Fendi Ö. sei gemäß der Tradition der uneingeschränkte Patriarch der Familie gewesen. Nachdem die Tochter Arzu ihn wegen der Schläge angezeigt habe, habe Fendi Ö. handeln müssen. Eine unmittelbare Anstiftung zum Mord, die Fendi Ö. ursprünglich vorgeworfen worden war, sei zwar nicht beweisbar. Der Vater hätte aber auf seine Kinder einwirken können.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen