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Bei zahlreichen Karnevalsveranstaltungen, wie hier zur Weiberfastnacht in Düsseldorf, patroullieren in diesem Jahr stark bewaffnete Polizisten.
Bei zahlreichen Karnevalsveranstaltungen, wie hier zur Weiberfastnacht in Düsseldorf, patroullieren in diesem Jahr stark bewaffnete Polizisten.(Foto: dpa)
Samstag, 25. Februar 2017

Kosten nagen an kleinen Vereinen: Sicherheitsdenken bedroht den Karneval

Von Christoph Rieke

Bei den diesjährigen Karnevalsumzügen ist betreutes Feiern angesagt. Dank massiver Polizeipräsenz soll der Höhepunkt der Narren-Saison friedlich bleiben. Auch die Karnevalsvereine müssen für Sicherheit sorgen. Für viele ist das ein Problem.

Bereits zur vergangenen Weiberfastnacht bekamen die Narren einen Vorgeschmack auf das, was sie bei den Karnevals- und Fastnachtsumzügen am Rosenmontag und am Faschingsdienstag erwartet. Vielerorts wurden Straßensperren errichtet, in Form von Betonpollern oder, wie in Köln, durch Wasserwerfer und Panzerwagen. Zudem sind bundesweit Tausende Polizisten im Einsatz, in Köln und Düsseldorf sogar mit Maschinenpistolen.

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Um diese Maßnahmen zu rechtfertigen, verweisen Politik und Sicherheitsbehörden länderübergreifend auf eine "hohe abstrakte Gefahr". Man habe "aus den Ereignissen der letzten Monate die erforderlichen Konsequenzen gezogen und die Sicherheitskonzeptionen noch einmal angepasst und erweitert", erklärte etwa der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Aus Vorsorge gegen mögliche Terror-Attacken wie am Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember vergangenen Jahres ist nun also hochgerüstet worden. Doch die Sicherheit hat ihren Preis.

Die verschärften Auflagen zur Durchführung eines Umzugs bringen hohe Kosten mit sich. "Je nach Region und Größe entstehen Zusatzkosten von mehreren Tausend Euro", sagt der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, im Gespräch mit n-tv.de. "Mir sind im Moment Summen zwischen 5000 und 20.000 Euro bekannt." Zudem müssen die Karnevalsvereine Personal stellen, um die Umzugsstrecken abzusichern.

Opfer der Sicherheitsauflagen

"Niemand soll aus Angst auf seine Teilnahme am Straßenkarneval verzichten müssen", sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker Mitte Februar bei der Vorstellung des Sicherheitskonzepts. Doch offenbar sind es ausgerechnet Karnevalsvereine, die infolge dieses Versprechens um ihre Teilnahme an den Umzügen fürchten müssen.

So unbeschwert wie sonst lässt sich Karneval in diesem Jahr nicht feiern.
So unbeschwert wie sonst lässt sich Karneval in diesem Jahr nicht feiern.(Foto: dpa)

Vor allem kleine Karnevalsvereine ächzen unter dem erhöhten Sicherheitsaufwand. Laut Fess gibt es Kommunen, die die Mehrkosten auf die Karnevalsvereine als Veranstalter der Umzüge umlegen. Dafür hat sein Verband kaum Verständnis: "Terrorabwehr ist Angelegenheit des Bundes und der Länder, nicht der Vereine und Verbände", so Fess. Das jetzige Verfahren sei "inakzeptabel, da diese Belastungen stellenweise an die Grenzen des Machbaren gehen."

Gleich zwei Beispiele dafür, was dies konkret bedeuten kann, bietet Velbert in Nordrhein-Westfalen. Dort stand der Sonntagszug im Bezirk Langenberg bis Mitte Februar auf der Kippe. Weil ein Werbeverein eingesprungen ist, können die Sicherheitsauflagen doch noch erfüllt werden. Solch ein Erfolg blieb der "Karnevalsgesellschaft Zylinderköpp" (KGZ) verwehrt. Deren Umzug im Stadtteil Tönisheide fällt in diesem Jahr aus, weil sich nicht genügend Ehrenamtliche gefunden hätten, sagt KGZ-Vorsitzender Carl-Frank Fügler im Gespräch mit n-tv.de. Gegen das "T", wie er Terrorgefahr umschreibt, könne man sich nicht versichern. "Deshalb ist das Risiko für uns nicht tragbar."

Bei den Sicherheitsbehörden weist man die Kritik zurück. Länderübergreifend heißt es, dass die Sicherheitskonzepte zwischen Veranstaltern, Kommunen und Polizei abgestimmt würden. Auf Anfrage von n-tv.de verweist die Polizei NRW darauf, dass sie bei den Veranstaltungen "grundsätzlich nicht mitwirkungspflichtig" sei. Zudem erklärt der Inspekteur der rheinland-pfälzischen Polizei, Jürgen Schmitt, die Intensität der polizeilichen Maßnahmen orientiere sich am Charakter und Umfang der jeweiligen Veranstaltung.

Kanzlerin als mächtige Fürsprecherin

Trotz der Unannehmlichkeiten fühlt sich Fügler ausdrücklich nicht ungerecht behandelt. Vielmehr fordert er, dass man sich gemeinsam mit der Politik "für die Zukunft etwas einfallen lassen" müsse. "Beim Karneval belustigen wir Kinder und beschenken Familien. Es handelt sich um eine Brauchtumsveranstaltung, die wir schützen müssen."

Auch BDK-Chef Fess hebt die gesellschaftliche Bedeutung des Karnevals hervor: "Wir sind ehrenamtlich engagierte Menschen, wir arbeiten für das Gemeinwohl, für den Frohsinn, sind im sozialen Bereich engagiert und leisten täglich Integration in unseren Gesellschaften." Bestätigt fühlt er sich auch durch die Bundeskanzlerin: "Angela Merkel ist mit Herz und Seele für den Brauchkomplex Fasching, Fastnacht, Karneval zu begeistern", lobt er die Trägerin des BDK-Ehrenordens. "Sie schätzt das ehrenamtliche Engagement des BDK und die herausragende Jugendarbeit." Im Namen all seiner Verbände ruft Fess die Politik dazu auf, dem Beispiel Merkel zu folgen und "unseren Brauchkomplex zu stärken und zu unterstützen".

Einig sind sich die Karnevalisten mit der Politik darüber, dass die "tollen Tage" ohne Sicherheitsvorkehrungen nicht auskommen. "Die Sicherheit steht für unsere Zuschauer am Straßenrand, aber auch für unsere Kinder, Jugendlichen und Aktiven an erster Stelle", betont Fess. Damit das närrische Treiben wie gewohnt zügellos ist, seien die Karnevalisten deshalb grundsätzlich gewillt zu helfen. "Jeder ist bereit seinen Anteil zur Sicherheit zu leisten. Aber alles mit Maß."

Quelle: n-tv.de

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