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Seit Tagen im Mittelpunkt der Kritik: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Seit Tagen im Mittelpunkt der Kritik: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.(Foto: imago stock&people)

Die Limburger Affäre und ihre Folgen: So sehr schadet der Protz-Bischof

Von Christian Rothenberg

Ein selbstherrlicher Bischof mit Strafbefehl, dazu verprasste Kirchensteuern: Die katholische Kirche leidet unter der Affäre um Tebartz-van Elst. Der Imageschaden macht sich schon jetzt bemerkbar.

Limburg zum Nachspielen
Limburg zum Nachspielen(Foto: www.twitter.com)

Die Limburger Bischofsresidenz gibt es jetzt schon als Bausatz. Im Internet kursiert ein Bild, das an die Kartons des Spieleherstellers Lego erinnert. Es zeigt die Grundmauern des stolzen Kirchengemäuers. Der Verweis auf Limburg befindet sich ebenso auf der Verpackung wie die Figur eines schwarz gekleideten Geistlichen mit rosafarbener Mütze. Statt Lego steht Ego auf dem Markenlogo. Die Kreativität von Internetnutzern ist grenzenlos, die Geduld von Gläubigen ist es nur bedingt.

Nach dem Missbrauchsskandal droht der katholischen Kirche eine neue Abwanderungswelle. Schuld ist für viele vor allem Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Dessen Limburger Bistum erregte in den vergangenen Wochen Aufsehen. Die Baukosten für die hiesige Bischofsresidenz waren - und das mit dem Wissen des Hausherren - von ursprünglich 2,5 Millionen auf mindestens 31 Millionen Euro gestiegen.

Bei den Gläubigen kommt das nicht gut an. Ein selbstherrlicher Bischof mit Strafbefehl, dazu verprasste Kirchensteuern: Mit dem Kurs der Bescheidenheit, den Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt setzt, mag das wenig zusammenpassen. Die Aufregung um die Missbrauchsfälle ist gerade abgeklungen, da ereilt die Kirche die nächste Affäre. Doch wie groß ist der Imageschaden?

Jugendverband kündigt Zusammenarbeit

Viel los ist in diesen Tagen beim Amtsgericht Limburg. Mittwoch sind es 12, Donnerstag 20, Freitag 19 und Montag sogar 29: Die Menschen stehen Schlange, um aus der Kirche auszutreten. Über 80 Gläubige unterzeichneten in den vergangenen sieben Tagen ihre Austrittserklärung. "Eine solche Welle haben wir noch nie erlebt", sagt der Sachgebietsleiter. Normalerweise gebe es alle zwei Tage einen Austritt.

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Für Dirk Tänzler, den Vorsitzenden des Bundes der Deutschen katholischen Jugend, ist der Schaden jedoch nicht örtlich auf Limburg begrenzt, sondern wirkt deutschlandweit. "Wir versuchen, jungen Menschen den Glauben nahe zu bringen. Dafür müssen wir erklären können, wofür wir stehen. Durch solche Ereignisse wird das nicht leichter", sagt Tänzler n-tv.de. Die Kirche stehe für Barmherzigkeit und Nächstenliebe und nicht für Protz und Prunk. Der katholische Jugendverband hat seine Konsequenzen gezogen und die Zusammenarbeit mit dem Limburger Bischof aufgekündigt.

Im Umgang mit Affären ist die katholische Kirche leidgeprüft. Infolge der Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit ihren Geistlichen verlor sie in den vergangenen Jahren massiv an Zuspruch. Allein 2010 traten fast 200.000 Gläubige aus. Auch 2011 lag die Anzahl der Austritte noch bei 130.000. War damals noch der Umgang der Kirche mit dem Thema Missbrauch Auslöser, ist es heute der teure Amtssitz des Limburger Bischofs. "Er reicht mit Sicherheit an die Qualität der Missbrauchsdebatte heran", sagt Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Schaden für die katholische Kirche könne größer nicht sein. Der Fall erzeuge dauerhaftes Misstrauen.

"Stimmung kippt ins Irrationale"

Caritas-Präsident Peter Neher
Caritas-Präsident Peter Neher(Foto: picture alliance / dpa)

Spürbaren Einfluss hat die Kostenexplosion am Limburger Bischofssitz auch auf die Arbeit der Caritas. Zwar stehe man als Verband gar nicht in direkter Verbindung zum Limburger Bistum, doch der Schaden sei enorm, sagt dessen Präsident Peter Neher bei n-tv. Infolge des Skandals erlebe man derzeit ein deutlich sinkendes Spendenaufkommen. "Glaubwürdigkeit ist schnell zerstört, sie wieder zurückzugewinnen ist mühsam." Neher hofft, dass die Situation rasch bereinigt werde, um nach außen ein deutliches Signal zu setzen.

Die Limburger Affäre belastet offenbar auch zunehmend Amtsbrüder von Bischof Tebartz-van Elst. "Die Stimmung gegenüber uns Bischöfen ist negativ", sagt der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen. Auf seinem Flug nach Rom sei er von mehreren Menschen angesprochen worden: "Teilweise haben mir die Kommentare den Atem verschlagen, die Stimmung kippt auch manchmal ins Irrationale."

Tebartz-van Elst wartet derweil in Rom immer noch auf einen Gesprächstermin bei Papst Franziskus. Nicht nur für den Limburger Bischof steht viel auf dem Spiel, sondern auch für das Oberhaupt der katholischen Kirche. Für Wolfgang Beinert, Theologe und Kirchenkenner aus Bayern, ist die Entscheidung des Papstes richtungsweisend. Franziskus habe den Kurs einer dienenden und armen Kirche bisher nur propagiert, jetzt müsse er Farbe bekennen. "Bleibt er seinen Worten treu, ist nicht zu sehen, wie der Limburger Bischof zu halten ist, ohne dass die päpstliche Autorität und das Ansehen des Papstes jedenfalls in Deutschland schweren Schaden erleiden", sagt Beinert, ein langjähriger Weggefährte des früheren Papstes Benedikt XVI.

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Quelle: n-tv.de

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