Panorama
Zuneigungsbekundungen lassen sich am kommenden Wochenende durchaus ins Freie verlegen.
Zuneigungsbekundungen lassen sich am kommenden Wochenende durchaus ins Freie verlegen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 24. August 2017

Vom Süd-Vorteil und Frontalzonen: Spätsommer spielt mit der 30-Grad-Marke

In den kommenden Tagen gibt es in Deutschland nochmals einen Hauch von Sommer. Allerdings hat der Norden davon eher weniger. Und auch Badefreunde dürften nicht frohlocken. Ach ja, trocken bleibt es auch nicht. Eigentlich also alles wie gehabt.

Der Hochsommer hat uns zuletzt doch oft enttäuscht. Können wir denn jetzt wenigstens mal auf einen schönen Spätsommer hoffen?

Vorerst einmal ja. Denn der Spätsommer präsentiert sich in den kommenden Tagen häufig freundlich und auch durchaus angenehm warm. Erst im Laufe der nächsten Woche könnte sich herbstlichere Luft bei uns durchsetzen. Die Zeit bis dahin sollten wir also nutzen.

Für die Nutzung im Wasser: wie sieht es mit den Temperaturen in den Badeseen und an den Küsten aus?

Nord- und Ostsee sind leider nach wie vor eher zu kühl für die Jahreszeit. Die Wassertemperaturen bewegen sich - gemessen in einem Meter Tiefe - um die 17 bis 19 Grad. Spürbar wärmer sind die Badeseen. Dort bringt der Sprung ins Nass Werte von 19 bis 25 Grad. Wobei auch dort gilt: die Seen in der Nordhälfte sind die frischeren.

Woran liegt’s?

n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärt, was die Frontalzone mit unserem Sommer zu tun hat.
n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärt, was die Frontalzone mit unserem Sommer zu tun hat.

Natürlich am Verlauf des Sommers. Denn während der Gesamtsommer (Juni, Juli und August) in der Nordhälfte durchschnittlich bis minimal zu warm verlaufen ist, sieht es weiter südwärts anders. Denn hier hat sich die Mittelmeerwärme immer mal wieder breit gemacht. Richtig massiv im Juni mit um die vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Im Juli und August waren es um die ein bis zwei Grad mehr. Auch die Urlauber im Alpenraum bzw. Österreich und der Schweiz konnten bei Spitzenwerten jenseits der 30 Grad das mediterrane Flair oft spüren. Sehr auffällig ist aber in diesem Hochsommer, dass sich über Mitteleuropa kein richtiges Dauerhoch etablieren konnte. Dem wechselhaften Wetter mit den entsprechenden Wetterumschwüngen sind dann auch die zahlreichen Unwetter und den teilweise enormen Regenmengen geschuldet.

Langfristig gesehen: wie unnormal sind solche Sommer?

In Bezug auf die Regenmengen natürlich teilweise extrem außergewöhnlich. Was die Temperaturverteilung angeht, da stellt sich das schon etwas anders dar.

Wieso?

Seit den 1990ern haben die Sommer generell angezogen. Das sah in den 1970ern und 1980ern noch ganz anders aus. Wir erinnern uns beispielsweise an Rudi Carrell und "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?" aus dem Jahr 1975. Und dieser Gassenhauer entsprach in dieser Zeit schon den meteorologischen Gegebenheiten. Da zog es dann eben auch viele Urlauber in Richtung Italien und ans Mittelmeer, wo man Wärme tanken konnte, während hierzulande die Tiefs mit kühlerer Luft durchzogen.

Gibt es da auch einen meteorologischen Zusammenhang?

Ja. Denn die sogenannte Frontalzone, die die Sommerluft aus Süden von den kühleren Atlantikluftmassen trennt, lag damals meistens deutlich weiter südlich. Nämlich eher in Richtung Norditalien. Das hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten grundlegend geändert. Viel öfter schob sich die Frontalzone nach Norden und wir erlebten wesentlich häufiger die Hitzevorstöße vom Mittelmeer und aus Nordafrika. 

Ist das der Klimawandel? Und müssen wir uns weiterhin auf solche Extreme einstellen?

Auf jeden Fall ist es ein eindeutiger Trend, der sehr wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren anhalten wird. Auch wenn die Küstenregionen von Nord- und Ostsee beispielsweise in diesem Jahr weniger oft von der südlichen Wärme erreicht wurden. Das kann im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen.

Und beim Regen?

Was die zum Teil sintflutartigen Regenmengen angeht: da ist eine Abschätzung leider aus meiner Sicht nicht möglich. Aber natürlich ändern sich mit dem Klimawandel auch die globalen Niederschlagsbilder bzw. die Verteilung der Niederschläge. Und zumindest haben auch uns in den letzten Sommern extremere Regenereignisse heimgesucht. Es bleibt abzuwarten, ob sich auch daraus ein eindeutiger Trend entwickelt und ob wir vermehrt entsprechende Großwetterlagen bekommen.

Wie sieht es denn kurzfristig in Sachen Regen aus? Vor allem mit dem Focus auf unser Wochenende?

Ganz ohne Schauer und Gewitter werden wir leider auch weiterhin nicht auskommen. Punktuell können von der Mitte südwärts am Wochenende auch mal kräftigere Gewitter dabei sein. Allerdings werden die gewittrigen Regengüsse bei weitem nicht jeden von uns treffen.

Dann schauen wir doch mal auf die Details. Was bringt uns der Samstag?

Von der Mitte nordwärts ziehen zeitweise kompaktere Wolken mit teils gewittrigen Regengüssen durch. Besser schaut es an den Küsten aus. Dort gibt’s nur ein geringes Schauerrisiko. Weiter südwärts dominiert hingegen oftmals die Sonne. Ab dem Mittag bilden sich dann aber auch dort Quellwolken, die später besonders über den Bergen örtliche Schauer und teilweise stärkere Wärmegewitter bringen können. Höchstwerte 21 bis 27 Grad im Norden und 26 bis 34 Grad im Süden. Der Hitzepol liegt am Oberrhein. Von Gewitterböen abgesehen weht dabei ein schwacher bis mäßiger Wind aus südlichen Richtungen. 

Wie sieht es am Sonntag aus?

Entlang der breiten Mitte vom Münsterland und der Eifel bis herüber in den Osten weiter wechselnd bewölkt und stellenweise Regengüsse sowie Blitz und Donner. Weiter nordwärts ein Mix aus Wolken und Sonne bei nur wenigen Schauer. Von der Mainlinie südwärts hat die Sonne mehr Anteile, bevor ab dem Nachmittag mal wieder gelegentliche Gewittergüsse niedergehen. Die Temperaturen liegen zwischen 20 Grad an der dänischen Grenze und 31 Grad im Südwesten.

Und nächste Woche?

Zuerst einmal teils sonniges, teils wechselhaftes Spätsommerwetter mit Vorteil Süd in Sachen Wärme. Dort sind besonders am Dienstag und Mittwoch regional immer noch Spitzenwerte jenseits der 30 Grad drin. Unterdessen rückt zur Wochenmitte von Nordwesten her wahrscheinlich kühlere Luft heran, die sich danach auch im Süden ausbreiten dürfte.

Quelle: n-tv.de

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