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"Es war wie Achterbahn-Fahren": Die "Costa Concordia" steht wieder gerade

Die beteiligten Bergungskräfte liegen sich in den Armen. Nach monatelanger Vorbereitung und Stunden angespannter Arbeit gelingt die Aufrichtung des Kreuzfahrtriesen "Costa Concordia". Nun muss das Schiff auf einer im Meeresgrund verankerten Plattform fixiert werden.

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Der erste Teil der Bergung der "Costa Concordia" ist geglückt. Das Wrack des Kreuzfahrtschiffes ist am zweiten Tag der Bergungsarbeiten wieder in eine aufrechte Position gezogen worden. Die am Montag eingeleitete Operation sei um 4.00 Uhr erfolgreich abgeschlossen worden, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, vor Journalisten auf der Insel Giglio. "Besser hätte es nicht laufen können", bestätigte Franco Porcellecchia vom Bergungsteam über die nach etwa 19 Stunden beendete Operation. Verfolgen Sie die Ereignisse vor der Insel Giglio im n-tv Livestream.

Das Aufrichten galt als einzigartige Aktion mit dem Risiko, dass die "Costa Concordia" auseinanderbrechen könnte.  Der Zivilschutzchef und Vertreter der Bergungsteams umarmten sich, im Hafen von Giglio "applaudierten" Schiffssirenen. "Ich bin erleichtert", sagte der südafrikanische Experte Nick Sloane, der den Einsatz mit 500 Mitarbeitern koordiniert hatte, nach dem erfolgreichen Abschluss. "Es war ein wenig wie Achterbahn-Fahren." Im Hafen von Giglio brandete Applaus auf.

Am Montag und in der Nacht hatte sich das Bergungsteam damit befasst, mit einem hydraulischen System das vor gut 20 Monaten vor Giglio gekenterte Schiff aufzurichten. Millimeter für Millimeter wurde der Stahlkoloss mit Seilen, Flaschenzügen und Schwimmkörpern in die Senkrechte gebracht. Der Kreuzfahrtriese musste aus seiner eingekeilten Lage zwischen zwei Felsen befreit und um insgesamt 65 Grad gedreht werden. Provisorisch schwimmfähig gemacht, soll es im ersten Halbjahr 2014 abtransportiert und verschrottet werden.

Teuerste Bergung aller Zeiten

Nie zuvor wurde ein so großes Passagierschiff geborgen – mit ihren 290 Metern ist das Schiff so lang wie drei Fußballfelder, doppelt so groß wie die "Titanic" und so hoch wie ein elfstöckiges Haus. Das Gewicht des Schiffes beträgt mehr als 100.000 Tonnen, wobei das im Schiff eingeschlossene Wassers nicht einmal mit eingerechnet ist. Es handelt sich gleichzeitig auch um die teuerste Bergung eine Schiffwracks. Bei einem Misserfolg wären wohl über 600 Millionen Euro Kosten vergebens gewesen.

Nach der Aufrichtung soll die "Costa Concordia" mit ihren 14 Decks auf einer im Meeresgrund verankerten Plattform fixiert werden. Erst im Frühjahr, wenn die Winterstürme vorüber sind, kann das Schiff, das Passagiere einst mit einem Kasino und vier Pools lockte, an einen anderen Ort geschleppt werden, um auseinandergenommen zu werden.

Das Schiff war am 13. Januar 2012 mit 4229 Menschen an Bord nur wenige Meter vor der Küste der italienischen Insel Giglio gekentert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche. Bei der Evakuierung gab es chaotische Szenen sowie viele Probleme und Verzögerungen. In der Provinzhauptstadt Grosseto steht deshalb Kapitän Francesco Schettino vor Gericht. Die Leichen zweier Opfer, welche noch innerhalb des Schiffes vermutet werden, konnten bisher nicht gefunden werden.

Quelle: n-tv.de

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