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Die "Modern Express" in misslicher Lage: Die See hat sich zwar beruhigt, doch die Schlagseite ist unverändert stark.
Die "Modern Express" in misslicher Lage: Die See hat sich zwar beruhigt, doch die Schlagseite ist unverändert stark.(Foto: AP)

Geisterschiff in der Biskaya: Spezialisten entern Unglücksfrachter

Notruf aus dem sturmumtosten Atlantik: Vor der Küste Westeuropas gerät ein mehr als 160 Meter langer Frachter in Schwierigkeiten. Die Besatzung wird per Hubschrauber gerettet. Erst Tage später wagen sich Helfer zurück aufs Schiff.

Der vor der spanischen Atlantikküste in Seenot geratene Frachter "Modern Express" ist mehrere Tage führerlos durch die Biskaya getrieben. Das Schiff war am Dienstag in Schwierigkeiten geraten und hatte schwere Schlagseite bekommen. Da das Schiff binnen Minuten zu kentern drohte, entschied sich der Kapitän, die 164 Meter lange Roro-Fähre aufzugeben.

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Auf seinen Notruf hin eilten Rettungskräfte der spanischen Küstenwache der Besatzung zu Hilfe. Bei widrigen Witterungsbedingungen, heftigen Windböen und schwerem Seegang gelang es den Rettern, die 22 Crew-Mitglieder vom Hubschrauber aus per Seilwinde vom starken geneigten Deck des Frachters zu bergen.

Spielball von Wind und Strömung

Seitdem trieb das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff verlassen und steuerlos in nordwestlicher Richtung durch die Biscaya auf die französische Küste zu. Die "Modern Express" halte sich mit "sehr schwerer Schlagseite in rauer See" über Wasser, teilte die französische Küstenwache mit. "Sie scheint stabil auf der Seite zu liegen." Der Wassereinbruch halte sich offenbar in Grenzen, hieß es.

Geladen hat das Frachtschiff 3600 Tonnen Holz sowie eine größere Zahl an Baumaschinen. Ausgelegt ist die "Modern Express" eigentlich auf den Transport von Pkw und Lkw. In ersten Meldungen war daher von einer "Fähre" die Rede, die im Atlantik vor der Nordwestküste Spaniens zu sinken drohe. Zuletzt trieb das riesige Frachtschiff mit einer Geschwindigkeit von etwa 1,3 Knoten (knapp 2,5 km/h) in Richtung La Rochelle.

Gefährliche Arbeit für die Helfer

Die letzte Position geben französische Behörden mit Stand Freitagmittag mit etwa 270 Kilometer westlich von La Rochelle an. Die französische Meerespräfektur für den Atlantik stimmte vor dem Wochenende einem von der Reederei vorgelegten Rettungsplan zu, um das havarierte Schiff abzuschleppen und vor dem Untergang zu bewahren. An Bord des Frachters befinden sich die üblichen Mengen an Treib- und Schmierstoffen, die im Fall eines Totalverlusts zu erheblichen Umweltschäden führen könnten.

Wie die französischen Behörden mitteilten, gingen Mitarbeiter einer Spezialfirma am Freitagnachmittag an Bord, um das Schiff zum Abschleppen vorzubereiten. Der Einsatz könne mehrere Stunden dauern, hieß es. Vor Ort auf hoher See stehen mittlerweile drei Schlepper bereit, um den Frachter in den nächstgelegenen Hafen von geeigneter Größe zu ziehen. Unterstützung bekommen die Bergungsspezialisten durch eine Fregatte der französischen Marine mit einem Helikopter sowie einem Spezialschiff mit Gerätschaften zur Eindämmung austretender Schwerölmengen.

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Quelle: n-tv.de

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