Panorama
Mit dieser Skizze versucht das Gericht, die Tat nachzuvollziehen.
Mit dieser Skizze versucht das Gericht, die Tat nachzuvollziehen.(Foto: dapd)

Pistorius' Aussichten bessern sich: Staatsanwälte verrennen sich

Die südafrikanische Staatsanwaltschaft, die Oscar Pistorius für den Mord an dem Model Reeva Steenkamp verantwortlich macht, gerät ins Zwielicht. Die Version der Ermittler weist einige Ungereimtheiten auf. Auch bei der Behauptung, bei dem Behindertensportler seien Dopingmittel gefunden worden, muss die Behörde klein beigeben.

Die Anhörung im Fall des mordverdächtigen Sportlers Oscar Pistorius zieht sich ungewöhnlich in die Länge. In einem dritten Verhandlungstag liefern sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen erbitterten Streit darüber, ob der Südafrikaner freigelassen werden kann oder nicht.

Video

Polizei und Staatsanwalt machen geltend, dass Fluchtgefahr bestehe. Die Verteidigung sieht ihre Chance in Ermittlungsmängeln. Es gebe keine Belege für einen "vorsätzlichen Mord". Pistorius hatte am Donnerstag vergangener Woche seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen - der Paralympics-Star sagt, es sei ein tragisches Versehen gewesen, die Staatsanwaltschaft glaubt an einen geplanten Mord.

Zur angenommenen Fluchtgefahr betonte der leitende Polizeiermittler Hilton Botha am zweiten Anhörungstag noch, dem 26-Jährigen drohe bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Pistorius besitze zudem ausländische Konten und eine Immobilie in Italien.

Botha ist nicht faktensicher

In einem Kreuzverhör des Pistorius-Anwalts Barry Roux musste Botha jedoch zugeben, dass am Tatort keine Belege dafür gefunden worden seien, die den Darstellungen von Pistorius widersprächen. Der unterschenkelamputierte Profisportler behauptet, seine Freundin versehentlich getötet zu haben. Er habe in der Nacht gemeint, ein Einbrecher befinde sich hinter der verschlossenen Badezimmertür, auf die er dann gefeuert habe.

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Polizeioffizier Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem "unablässiges Geschrei" und einen lautstarken Streit gehört haben wollen.

Das widerspräche den Schilderungen von Pistorius, der von einem friedlichen Abend mit seiner Freundin berichtet hatte. Auf die Frage des Anwalts, wie weit entfernt der Zeuge vom Haus von Pistorius wohne, sagte Botha zunächst 600 Meter, um dann später auf 300 Meter zu revidieren. Roux kritisierte scharf angebliche Fehler und Versäumnisse der Polizei bei der Spurensicherung. So habe Botha bei der Erkundung des Tatorts keine Schuhüberzüge getragen. Botha musste zugeben, dass auch die Ermittlungsergebnisse der Rechtsmediziner und der Ballistiker noch nicht vorlägen.

Substanzen müssen erst untersucht werden

Auch was den angeblichen Fund von Dopingmitteln bei Pistorius angeht, musste die Staatsanwaltschaft zurückrudern. Botha hatte berichtet, in Pistorius' Haus habe man zwei Kartons voll mit Testosteronen und Spritzen gefunden. Roux hatte erklärt, bei dem Produkt handele es sich um ein "pflanzliches Heilmittel", das sein Mandant nehmen dürfe und genommen habe. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Medupe Simaskiu, sagte: "Wir können nicht sagen, was es ist". Erst die wissenschaftliche Analyse könne das klären.

Nach Angaben des Internationalen Paralympische Komitee (IPC) wurde der beinamputierte Läufer vor den Spielen in London im vergangenen Jahr zweimal einem Dopingtest unterzogen. Beide Male fiel das Ergebnis demnach negativ aus. Testosteron steht auf der Liste der vom IPC verbotenen Substanz.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Medupi Simasiku, sagte, er sei zuversichtlich, dass die Anträge der Verteidigung abgelehnt werden würden. Das Gericht will nun am Donnerstag über eine Entlassung auf Kaution entscheiden.

Oscar Pistorius befinde sich noch im "Schockzustand", sagte der Onkel des Beschuldigten, Arnold Pistorius, in einem Fernsehinterview. Er sei tieftraurig, dass er selbst es war, der seine Liebe umgebracht habe. Er werde sicher lange brauchen, um damit fertig zu werden. "Oscar wird das überleben. Es wird hart werden, weiter zu machen, aber er ist einer, der überlebt."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen