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Tödlicher Tigerangriff in Münster: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Als ein Pfleger im Zoo Münster ein Raubtiergehege säubern will, bleibt die Tür des Geheges einen Spalt offen. Amurtiger Rasputin attackiert daraufhin den Wärter, der Mann stirbt sofort. Jetzt ist klar: Es war menschliches Versagen.

Nach der tödlichen Attacke eines Tigers auf einen Pfleger im Allwetterzoo in Münster hat die Staatsanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren eingestellt. Die Behörde geht von menschlichem Versagen als Ursache des Unglücks aus. Erste Untersuchungen der Technik im Gehege direkt nach dem Vorfall hätten keine Hinweise auf eine Panne ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Auch Experten der Dekra hatten abschließend die Technik im Tigergehege untersucht und keine Mängel gefunden.

Der Pfleger hatte offenbar beim Füttern vergessen, eine Luke des Käfigs zu schließen. Der Amurtiger Rasputin gelangte so auf das Freigehege, in dem sich der Mann aufgehalten hatte, und biss den 56-Jährigen ins Genick.

Der Zoo trauerte um seinen Mitarbeiter. Über den getöteten Pfleger sagte der Zoo-Chef Jörg Adler, der Mann habe über Jahrzehnte einen "starken Platz in der Belegschaft" gehabt. Im Zoo steht ein Zelt mit einem Kondolenzbuch, in das sich neben den 90 Kollegen des Getöteten auch die Besucher eintragen können.

Tierschützer kritisieren Raubtierhaltung

Das Unglück entfachte indes eine Debatte um die Haltung von Raubkatzen in Gefangenschaft. Der Deutsche Tierschutzbund und andere forderten, die Sicherheitsstandards zu erhöhen. Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" warnte nach dem Unglück von Münster, Tiger seien "höchst anspruchsvoll in der Haltung und potenziell extrem gefährlich". Die Raubkatzen stellten auch eine Gefahr für Zoobesucher dar, meinte die Kampagnenleiterin Martina Stephany: "Sie gehören einfach nicht in einen Zoo!"

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Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn forderte ein Umdenken. "Wir sind nicht gegen Zoos, das wäre naiv. Aber die Zoos müssen ihr Management umstellen", sagte Sprecher Marius Tünte. Nicht jedes Tier müsse in alle Zoos, Spezialisierung sei gefragt. "Und bei aller Tragik des Falls in Münster, jetzt ist es Zeit zu prüfen, ob alle Fehlerquellen, die menschliches Versagen ermöglichen, abgestellt sind", sagte Tünte.

Ralf Unna, Tierarzt und Vizepräsident des Tierschutzverbandes Nordrhein-Westfalen, vertrat eine ähnliche Meinung. "Ein Zoo kann ein Raubtier wie einen Tiger nur sehr begrenzt artgerecht halten. So ein Tier bewegt sich in der freien Wildbahn auf 6000 Quadratkilometern. Ich will aber dem Zoo in Münster keinen Vorwurf machen. Die Haltung hat mit diesem Unfall nichts zu tun, da es sich ja wohl um menschliches Versagen handelt." Unna fordert den Zoo aber auf, noch mehr in Sicherheit zu investieren. "Das ist aber auch eine Frage des Geldes, was ja oft nicht da ist."

Zoo denkt über technische Änderungen nach

Der Dompteur Christian Walliser, der vor Jahren einen Tigerangriff überlebte, verteidigte die Arbeit der Tierparks. Einige Tigerarten lebten nur noch in Zoos und nicht mehr in freier Wildbahn. Die Zoos trügen so auch zur Arterhaltung bei, sagte Walliser im Radiosender WDR 2.

Rückendeckung kam auch vom Münchner Zoo-Chef Andreas Knieriem. Er glaube nicht, dass die Raubtierhaltung generell abgeschafft werden sollte: "Man schafft ja auch nicht Brückenarbeiter ab, weil es gefährlich ist", sagte er. Der Unfall in Münster sowie ein weiterer vom vergangenen Jahr in Köln zeigten, dass man als Tierpfleger niemals unaufmerksam sein dürfe. Natürlich müsse man versuchen, die Gehege in Zukunft noch sicherer zu gestalten. Der Tiger könne jedoch nichts für den Unfall.

Der Chef des Allwetterzoos in Münster will sich der Diskussion stellen, ohne aber einzelne Tierarten hervorzuheben. "Für mich steht zuerst das Schicksal unseres Mitarbeiters im Fokus, dann erst eine Diskussion um Raubtiere im Zoo. Das ist für mich zweitrangig", sagte Adler. "Wir können gerne diskutieren, dann aber bitte über das generelle Selbstverständnis von Zoos", wehrt sich Adler gegen Kritik an der Tigerhaltung. Rasputin bleibt nach Adlers Aussage in Münster.

Adler zeigte sich sehr nachdenklich bei Fragen nach der Sicherheit. Das Sicherheitskonzept für das Tigergehege sah keinen Mechanismus für die Sicherheitsschleuse der Mitarbeiter vor, wenn die Luke für die Tiere nicht verschlossen ist. Der Pfleger konnte somit ohne eine Absicherung trotz geöffneter Luke ins Freigehege. "Ich werde in aller Ruhe prüfen, ob wir an dieser Stelle etwas technisch ändern können", sagte Adler.

Quelle: n-tv.de

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