Panorama

Bild der ZerstörungStadtarchiv eingestürzt

04.03.2009, 10:42 Uhr

Erst knirscht es in den Wänden, dann zieht sich ein Riss durch das Gebäude. Wenig später liegt das Stadtarchiv von Köln eingestürzt auf der Straße.

Ein eingebrochener Fußweg hat in Köln den Einsturz des historischen Stadtarchivs sowie benachbarter Gebäude verursacht und einen Straßenzug teilweise in ein Trümmerfeld verwandelt. Bis zu fünf Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr noch als vermisst gemeldet. Auf der Suche nach ihnen hätten Rettungshunde am Dienstagabend angeschlagen. Eine Bergung sei zunächst aber nicht möglich gewesen, da die Gebäude erst gesichert werden müssten. Über 200 Feuerwehrleute schwärmten zum Großeinsatz an die Unglücksstelle über einem U-Bahn-Schacht aus.

Am Abend begannen die Rettungskräfte mit der Evakuierung eines Altersheims, weil ein 30 Meter hoher Kran auf das Gebäude zu stürzen drohte. In dem Heim leben nach Angaben der Feuerwehr 76 betagte Menschen.

Zwei Vermisste

Die mehrgeschossigen Häuser seien auf einer etwa 30 Meter breiten Front in weiten Teilen eingestürzt, sagte Feuerwehr-Direktor Stephan Neuhoff. Die Trümmer seien auch auf die Straße und eine nahe gelegene U-Bahn-Baustelle gestürzt. Im U-Bahn-Schacht fielen Pumpen aus. Dadurch bestand die Gefahr, dass die Konstruktion durch nach oben drängendes Grundwasser in Bewegung geraten könnte.

Vermisst werden zwei Männer einer Dachgeschosswohnung eines der ebenfalls eingestürzten Nachbarhäuser. Noch ist allerdings völlig unklar, ob die vermissten zum Unglückszeitpunkt zu Hause waren. Deshalb würden die Nachforschungen im persönlichen Umfeld der beiden Männer auf Hochtouren laufen.

Durch Geräusche angekündigt

Das Unglück habe sich durch Geräusche angekündigt, sagte Neuhoff weiter. Mitarbeiter und Besucher des Archivs sowie Anwohner hätten deshalb rechtzeitig fliehen können. Ob die Bauarbeiten für die U-Bahn Ursache für den Einsturz gewesen seien, sei noch nicht zu sagen. In der Vergangenheit seien Risse in den Gebäuden entdeckt worden. Statiker sollten nach der Ursache des Unglücks suchen.

Nordrhein-Westfalens Bauminister Lutz Lienenkämper kündigte den Einsatz von Spezialfirmen an, um die wertvollen Archivalien zu retten. "Da liegen 1000 Jahre Stadtgeschichte, die kann man nicht einfach in Umzugskartons packen", sagte Lienenkämper.

In der Kölner Südstadt bot sich ein Bild der Zerstörung. Trümmer der Gebäude versperrten die Straße Waidmarkt. Ein Wohnhaus neben dem Archiv wurde bis zum Dachboden aufgerissen, Teile von Wohnungen wurden sichtbar. Waschbecken hingen in der Luft, Kühlschränke und Kücheneinrichtungen lagen im Freien. Anwohner und Schaulustige starrten entsetzt auf die Unglückstelle. In deren Nähe liegt auch eine Schule, wo am

Mittwoch der Unterricht ausfällt.

Katharina Grave, Reuters