Panorama

Ermittlungsverfahren wird eröffnetStrauss-Kahn darf gehen - vorerst

22.02.2012, 21:41 Uhr
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Für Ende März ist Strauss-Kahn wieder vorgeladen. (Foto: REUTERS)

Zwei Tage lang wird der Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn über Sex-Partys verhört. Nun kommt er wieder auf freien Fuß. Doch im März soll offenbar ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet werden. Die Vorwürfe: Beteiligung an Zuhälterei und Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern.

In der Affäre um seine Teilnahme an Sex-Partys soll Ende März ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn eingeleitet werden. Wie aus Justizkreisen verlautete, wurde der 62-Jährige nach seiner Entlassung aus dem zweitägigen Polizeigewahrsam für den 28. März erneut vorgeladen. Bei dem Termin soll gegen Strauss-Kahn demnach ein förmliches Ermittlungsverfahren eröffnet werden.

Unter großem Medieninteresse verließ Strauss-Kahn nun in einer dunklen Limousine die Gendarmeriekaserne von Lille. Der frühere Hoffnungsträger der Sozialisten war zwei Tage lang von Ermittlern in der nordfranzösischen Stadt zu Details der Sex-Partys in Luxushotels in Paris, Brüssel und Washington befragt worden. Dabei ging es um die Frage, ob der 62-Jährige wusste, dass es sich bei dazu eingeladenen Frauen um Prostituierte handelte. Außerdem versuchten die Ermittler herauszufinden, ob der frühere IWF-Chef sich über die Herkunft des Geldes im Klaren war, mit dem die Partys bezahlt wurden.

Ihr Mandant sei "völlig zufrieden, dass er angehört wurde", sagte Strauss-Kahns Anwältin Frédérique Baulieu. "Jetzt sind die Dinge in den Händen der Richter." Das Verhör habe unter entspannten Bedingungen stattgefunden und Strauss-Kahn habe "völlig ruhig" geantwortet. Konkret ermittelt die Justiz gegen "DSK" wegen möglicher Beteiligung an schwerer bandenmäßiger Zuhälterei, auf die bis zu 20 Jahre Haft stehen, und wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern, für die dem Ex-IWF-Chef maximal fünf Jahre Haft drohen.

Frauen "von Polizeibeamten vorgestellt"

"DSK" sagte nach Angaben aus Ermittlerkreisen aus, er habe sich nicht vorstellen können, dass die Frauen Prostituierte gewesen seien, da sie ihm "von Polizeibeamten vorgestellt wurden". An den Sex-Partys hatte auch die Nummer zwei der Polizei für Nordfrankreich, Jean-Christophe Lagarde, teilgenommen. Die Polizeiaufsichtsbehörde befragte Strauss-Kahn zudem genauer zu seinen Kontakten zu Lagarde, gegen den im Oktober ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden war.

Strauss-Kahn hatte im vergangenen Jahr wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er am 14. Mai am New Yorker Flughafen wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Hotel-Zimmermädchens festgenommen worden war. Ein Strafverfahren stellte die US-Justiz im August ein, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufgekommen waren. Ein zivilrechtliches Verfahren läuft aber noch. Im Zuge der Affäre musste Strauss-Kahn als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten. Zudem verzichtete er auf eine Kandidatur bei den französischen Präsidentschaftswahlen.

Quelle: AFP/dpa