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Panorama

Dienstag, 14. Juni 2005

"Fit wie jeder andere": Streit um Gysis Gehirn

Wegen der Veröffentlichung angeblicher Fotos aus seiner Krankenakte will der PDS-Politiker Gregor Gysi juristisch gegen die "Bild"-Zeitung vorgehen. Das kündigte die PDS am Dienstag in Berlin an. Computertomographische Aufnahmen von Gysis Gehirn seien ohne Einverständnis des 57-Jährigen in dem Blatt erschienen. "Hier handelt es sich um eine Einmischung in die unmittelbare Privatsphäre, die nicht hinnehmbar ist", hieß es.

Nach Darstellung von Gysis behandelndem Arzt Prof. Siegfried Vogel zeigen die Aufnahmen aber gar nicht Gysis Gehirn, sondern das eines anderen Menschen. Dem widersprach ein Sprecher der "Bild"-Zeitung. Nach dessen Angaben waren einer Reporterin und einem Fotografen des Blattes die Aufnahmen als Fotos von Gysis Gehirn vorgelegt worden. Der Fotograf habe sie dann abgelichtet.

Gysi war im vergangenen November im Berliner Sankt Gertrauden Krankenhaus operiert worden. Damals beseitigte der Neurochirurg Vogel eine lebensgefährliche Blutgefäß-Ausbuchtung (Aneurysma) im Gehirn des 57-Jährigen, der bei einer vorgezogenen Bundestagswahl neben Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat eines Linksbündnisses aus PDS und WASG antreten will.

Die "Bild"-Zeitung ging der Frage nach, ob Gysi für politische Strapazen fit genug ist. Das Blatt zitierte Vogel mit den Worten: "Das operierte Gehirnareal ist völlig normal durchblutet. Herr Gysi ist für den Wahlkampf genauso fit wie jeder andere Politiker mit 57." Illustriert war der Text mit computertomographischen Aufnahmen. Nach Darstellung der Zeitung soll der Neurochirurg die Krankenakte des Politikers geöffnet haben.

Dies bestritt der Neurochirurg. Er habe zu keiner Zeit Material aus der Krankenakte des PDS-Politikers präsentiert, sagte Vogel der dpa. Die in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Bilder hätten mit Gysi nichts zu tun. Es sei Material gewesen, anhand dessen er in einem Gespräch mit einer "Bild"-Reporterin Funktionsweisen eines Gehirns erläutert habe. Im Übrigen habe er dem Blatt nichts ohne Einverständnis Gysis über dessen Gesundheitszustand berichtet.

Der "Bild"-Sprecher bekräftigte am Abend, dass sich der Mediziner während des Reporterbesuchs von Gysi telefonisch die Erlaubnis geholt habe, über den Gesundheitszustand des Politikers sprechen zu dürfen. Anschließend habe sich der Chirurg von einer Mitarbeiterin die Krankenakte Gysis bringen lassen und daraus die Aufnahmen präsentiert.

Wie Gysis rechtliche Schritte aussehen, blieb zunächst offen. Nach Angaben von PDS-Sprecher Daniel Bartsch wollte Gysi sein geplantes Vorgehen nicht näher erläutern.

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