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"Xynthia": Allein 45 Tote in Frankreich: Sturm stürzt Bahn ins Chaos

Das gewaltige Sturmtief "Xynthia" tötet allein in Frankreich 45 Menschen. Auch Deutschland wird schwer getroffen. Bislang kommen vier Menschen ums Leben. Viele Straßen sind gesperrt, hunderte Flüge fallen aus. Der Bahnverkehr ist im Westen nahezu komplett eingestellt. Der Sturm setzt seinen Weg Richtung Osten fort.

In Baden-Württemberg wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen.
In Baden-Württemberg wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen.(Foto: dpa)

Tief "Xynthia" hat Deutschland mit orkanartigen Böen bis ins Flachland erreicht und bereits vier Personen das Leben gekostet. Zwei Personen wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen: eine Joggerin in Pulheim bei Köln und ein 69 Jahre alter Mann bei Taunusstein nahe Wiesbaden. Zwei weitere Personen starben in ihren Autos, als Bäume auf ihre Wagen stürzten. Zudem gab es zahlreiche Verletzte.

Die Züge fahren nur noch ihren Zielbahnhof an, dann ist Feierabend.
Die Züge fahren nur noch ihren Zielbahnhof an, dann ist Feierabend.(Foto: REUTERS)

Wegen des Sturms wurde der gesamte Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen eingestellt. Es gehe sowohl um den Regional- als auch um den Fernverkehr, sagte ein Sprecher der Bahn in Düsseldorf. Die Züge führen zum Teil noch bis an ihr Ziel, es würden aber keine neuen Züge mehr eingesetzt. Man wolle einfach kein Risiko eingehen, sagte der Sprecher und verwies auf die Internetseite der Bahn. Dort können man sich über das weitere Vorgehen informieren. Wie lang die Unterbrechung dauern werde, sei im Moment noch nicht abzusehen. Zuvor war der Zugverkehr bereits im Saarland komplett und in Rheinland-Pfalz teilweise gestoppt worden. Auch in Baden-Württemberg waren viele Bahnstrecken durch umstügestürzte Bäume und beschädigte Oberleitungen unterbrochen. In Hessen stand ein ICE rund drei Stunden auf offener Strecke, nachdem er mit einem umgestürzten Baum kollidiert war. Hunderte Reisende saßen fest. Mehrere Personen wurden bei dem Aufprall verletzt. Auch der Frankfurter Hauptbahnhof ist gesperrt.

Am Frankfurter Flughafen fallen hunderte Flüge aus.
Am Frankfurter Flughafen fallen hunderte Flüge aus.(Foto: dpa)

Auch der Straßenverkehr ist massiv eingeschränkt. Bei Frankfurt/Main ist die A3, eine der zentralen Autobahnverbindungen in Deutschland, komplett gesperrt worden. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. Hunderte Ausfälle meldet auch der Flughafen Frankfurt am Main.

In mehreren Bundesländern waren die Rettungskräfte pausenlos im Einsatz. "Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann", sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt. Mobile Toiletten flogen durch die Luft. Bäume stürzten um, Fassadenteile, Material von Baustellen und Werbeplakate wirbelten umher und blockierten Straßen. Bis zu 20.000 Menschen waren in Hessen von Stromausfällen betroffen.

Sturm zieht schnell Richtung Osten ab

Constance Ahlers aus der n-tv Wetterredaktion erklärt das Windbild.
Constance Ahlers aus der n-tv Wetterredaktion erklärt das Windbild.

Das Sturmfeld verlagert sich im Laufe des Abends und in der Nacht von den westlichen und südwestlichen Bundesländern über die Mitte Deutschlands in den Osten, erklärte Constance Ahlers aus der n-tv Wetterredaktion. "Die stärksten Böen mit bis zu 120 km/h werden im Raum um Berlin und Brandenburg erwartet. Auch das Flachland muss mit orkanartigen Böen rechen." Die zentralen und östlichen Mittelgebirge würden auch von schweren Orkanböen mit bis 165 km/h heimgesucht. An den Rändern des Sturms sei mit heftigen Niederschlägen zu rechnen.

Ahlers geht davon aus, dass sich die Windböen am Montagvormittag dann auch im Osten des Landes abschwächen werden. Auf der Rückseite des Orkantiefs ströme dann deutlich kältere Luft nach Deutschland. In Ostseenähe gehe der Regen in der Nacht in Schnee über, dort drohe bis zum Morgen Straßenglätte. Örtlich müsse auch mit Schneeverwehungen gerechnet werden.

Mindestens 45 Tote in Frankreich

Schwere Schäden im Hafen La Rochelle.
Schwere Schäden im Hafen La Rochelle.(Foto: REUTERS)

Mit Windgeschwindigkeiten von über 170 Kilometern pro Stunde richtete der Orkan schwerste Schäden in Portugal, Spanien und Frankreich an. In Frankreich sind mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen ertranken nach Angaben der Behörden bei Überschwemmungen an der Atlantikküste. Allein im Département Vendée gab es 29 Tote. Zeitweise war etwa eine Million Haushalte ohne Strom.

Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus. Am späten Nachmittag gab es beim Premierminister François Fillon ein Krisentreffen. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde appellierte an die Versicherungen, so schnell wie möglich Entschädigungen auf den Weg zu bringen. Die Zahl der Opfer könnte sich nach Angaben der Behörden möglicherweise noch erhöhen.

In L'Aguillon sur Mer.
In L'Aguillon sur Mer.(Foto: dpa)

In mehreren Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen, Menschen retteten sich auf Häuserdächer. Mehrere Hubschrauber waren im Einsatz. An den Küsten erreichte der Sturm Orkanstärke mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometer.

Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen, zahlreiche Lastwagen waren blockiert. Rettungskräfte mussten zumgestürzte Bäume von den Straßen räumen. Im Baskenland hatte der Sturm zuvor Windgeschwindigkeiten von bis zu 173 Stundenkilometern, in Spitzen sogar bis 200, erreicht. Mindestens drei Menschen kamen nach der bisherigen Bilanz in Spanien ums Leben, einer in Portugal. Die Schäden sind noch nicht beziffert.

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Quelle: n-tv.de

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