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Vor Gericht bestritt der Verurteilte, die Taten begangen zu haben. Doch die Beweise waren erdrückend.
Vor Gericht bestritt der Verurteilte, die Taten begangen zu haben. Doch die Beweise waren erdrückend.(Foto: dpa)

Entlassung frühestens in 21 Jahren : Supermarkträuber muss lebenslang in Haft

Regungslos nimmt der Mann, der auf seinen Raubzügen einen 21-Jährigen erschossen hat, das Urteil auf. Keine Entschuldigung kommt über seine Lippen. Auch Reue zeigt er nicht. Für die traumatisierten Opfer ist das ein Schlag ins Gesicht.

Als das Urteil gegen den Supermarkträuber fällt, atmen einige der betroffenen Kassiererinnen im Zuschauerrang auf. Frühestens in 21 Jahren wird der Mann, der bei einer Überfallserie quer durch Deutschland seiner Forderung nach Geld oft mit Schüssen und Schlägen Nachdruck verliehen hat, wieder in Freiheit kommen. Das Landgericht Hannover verurteilt den 42-Jährigen wegen Raubmordes zu lebenslanger Haft, weil der Mann bei einem seiner Überfälle einen 21-Jährigen aus nächster Nähe erschossen hatte. Das Opfer hatte ihn stoppen wollen. Außerdem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest, was eine Haftentlassung frühestens nach 21 Jahren bedeutet.

Bei einem Überfall im Dezember 2014 erschoss der Verurteilte einen jungen Supermarkt-Kunden.
Bei einem Überfall im Dezember 2014 erschoss der Verurteilte einen jungen Supermarkt-Kunden.(Foto: dpa)

In seiner Urteilsbegründung hält der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch dem Verurteilten noch einmal die Folgen der Überfallserie vor, bei der er mit erheblicher krimineller Energie und unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen sei. Über Jahre, wenn nicht bis ans Lebensende, seien manche der Kassiererinnen traumatisiert, denen der Täter seine halbautomatische Pistole auf die Stirn gedrückt oder neben denen der Mann kurzerhand in die Kasse geschossen hatte, wenn es ihm nicht schnell genug ging. Eine Kassiererin aus Hamm, die von einer Kugel in den Fuß getroffen wurde, kann immer noch nicht wieder richtig laufen.

Das 21 Jahre alte Opfer war ein angehender Koch, der nur noch schnell vor Ladenschluss Leergut zum Supermarkt bringen wollte. Die Mutter des 21-Jährigen wendet sich im Gerichtssaal mit harten Worten an den Angeklagten. "Meine Tochter wünscht Ihnen den Tod", sagt sie. Sie selber sagt ihm ein qualvolles, einsames Lebensende ohne Vergebung voraus. In den Augen seiner Kinder sei er nun für immer ein Mörder.

Keine Entschuldigung für die Opfer

An dem Tag im Dezember, an dem ihr Sohn eigentlich Geburtstag gefeiert hätte, hatte sie zum Prozessstart auf der Nebenklägerbank Platz genommen. Weder für sie noch für die anderen Opfer hatte der 42-Jährige in dem Prozess eine Entschuldigung oder ein Wort übrig - der kräftig gebaute Mann mit Halbglatze zeigte kaum eine Regung. An allen Verhandlungstagen schwieg er zu den Vorwürfen, erst am letzten Tag meldet er sich plötzlich zu Wort: "Ich denke, dass es hier zu vielen gefälschten Beweisen gekommen ist durch die deutsche Polizei."

Während etlicher der ihm zur Last gelegten 24 Überfälle habe er sich zu Hause in Polen und nicht in Deutschland befunden. Auch die an den Tatorten gesicherten Fingerabdrücke und DNA-Spuren zieht er in Zweifel. Ein Anwalt der Nebenklage reagiert empört. Hannover, Salzgitter, Bottrop, Essen, Nauen oder Hof: Bei seinen Raubzügen ging der Serientäter stets nach demselben Muster vor. Kurz vor Ladenschluss betrat er den Markt, bedrohte die Kassiererin mit einer Pistole und verlangte Geld.

Bundesweit wurde mit Bildern aus Überwachungskameras nach dem Mann gefahndet. Ende Juni 2015 konnte die Polizei ihn dann bei seiner Einreise aus Polen nahe Dresden festnehmen. Handydaten hatten die Ermittler auf seine Spur gebracht. 55 Taten lasteten die Fahnder dem Mann zunächst an, 24 kamen zur Anklage.

Quelle: n-tv.de

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