Panorama

Nach dem AmoklaufTäter hinterlässt Botschaft

23.09.2008, 22:30 Uhr

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ist in Finnland ein Amokläufer nach einer Ankündigung im Internet in eine Schule gestürmt und hat wahllos Menschen erschossen. Der 22 Jahre alte Matti Juhani Saari aus Kauhajoki tötet zehn Menschen und sich selbst. Nach der Tat findet die Polizei eine Botschaft von ihm, die vielleicht eine Erklärung für das Blutbad liefern kann.

Nach dem Amoklauf an einer finnischen Berufsschule mit elf Toten hat die Polizei eine Botschaft des Schützen gefunden. "Wir haben eine Nachricht in seiner Wohnung gefunden, aber wir werden sie noch nicht veröffentlichen", sagte Ermittlungsleiter Jari Neulaniemi dem öffentlich-rechtlichen Sender YLE. Die Botschaft könne "in seinen Worten" vielleicht eine Art Erklärung für die "schreckliche Tat" liefern, sagte der Polizist. Der 22-jährige Matti Juhani Saari war am Dienstagmorgen maskiert in seine Schule im finnischen Kauhajoki gestürmt, hatte wild um sich geschossen und dabei zehn Menschen sowie sich selbst getötet.

Neun Opfer seien in einem einzigen Klassenraum gefunden worden, teilte die Polizei mit. Das zehnte Opfer habe in einem Korridor gelegen. Der Amokläufer selbst sei in einem weiteren Gang am anderen Ende des Schulgebäudes gefunden worden. Saari hatte sich nach dem Massaker selbst in den Kopf geschossen und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Im Zickzack auf der Flucht

Die Zeugen verfolgten mit, wie eine blutende Schülerin aus dem Schulgebäude flüchtete, in dem mehrere Brände ausbrachen. Der an der Schule arbeitende Jukka Forsberg berichtete: "Ich sah durch ein Fenster in den Unterrichtsraum, wie er Schüsse abfeuerte. Danach bin ich im Zickzack vor ihm geflüchtet. Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe." Die Polizei beorderte Anti-Terror-Spezialisten zu der Schule.

Innenministerin Anne Holmlund musste einräumen, dass die Polizei noch am Vortag keinen Anlass gesehen hatte, gegen den Amokläufer aktiv zu werden, der sich kurz vorher mit gefilmten Schießübungen im Internetportal YouTube präsentiert hatte. Am Montag hatte ihn ein Polizeibeamter Saari zu dem Schusswaffen-Auftritt im Internet befragt und danach keinen Grund gesehen, die Waffe oder den im August ausgestellten Waffenschein einzuziehen.

Spur im Netz

Der Berufsschüler interessierte sich offenbar für Waffen und Horrorfilme. In seinem Online-Profil nannte sich der 22-Jährige "Wumpscut86" und stellte sich als "Mr. Saari" vor. Sein Profil wurde inzwischen gesperrt, mindestens ein Video war am Abend aber weiterhin auf der Internetplattform Youtube zu sehen. Darin ist ein kurzhaariger junger Mann zu sehen, der im Freien mehrere Schüsse abgibt. Nach Angaben von Internetnutzern hatte er auf seiner Seite als Hobbys "Computer, Waffen, Sex und Bier" angegeben. Außerdem interessierte er sich den Angaben zufolge für Heavy-Metal-Musik von Bands wie Rammstein und Metallica sowie Horrorfilme wie "Shining" des Regisseurs Stanley Kubrick.

Erst im vergangenen November hatte ein 18-jähriger Abiturient im finnischen Jokela sechs Mitschüler, die Rektorin und die Schulkrankenschwester erschossen. Anschließend nahm er sich das Leben. Auch der 18-jährige Amokläufer vom vergangenen November, der Abiturient Pekka-Eric Auvinen, hatte wenige Monate vor dem Attentat völlig legal einen Waffenschein für die Mordwaffe erhalten und seine Tat als "Jokela High School Massacre" angekündigt.