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Wer ist der deutsche Normalo?: Tausende gucken "Zukar" bei YouTube

Ein Syrer erklärt die Deutschen. Innerhalb weniger Tage wird ein Film des Neu-Youtubers zehntausende Male angesehen. Das könnte daran liegen, dass seine Schlussfolgerungen aus einem Straßenexperiment verdammt treffend sind.

Firas al-Shater ist angekommen. Nach zweieinhalb Jahren in Deutschland spricht der Syrer flüssiges Deutsch und traut sich sogar, einen dreiminütigen Clip bei YouTube einzusprechen. Zu Hause in Syrien habe er Filme gemacht, erzählt er - wenn er aus diesem Grund nicht gerade im Gefängnis gesessen habe. Und nun macht er wieder welche oder zumindest so etwas ähnliches.

Al-Shater ist der erste syrische Flüchtling, der als deutschsprachiger Youtuber die Aufmerksamkeit Tausender auf sich zieht. Der rundliche junge Mann trägt zu kurzgeschorenem Haar den im arabischen Raum ebenso wie hier populären Hipsterbart - der auf keinen Fall mit dem Islamistenbart verwechselt werden darf. Sonst würde der 24-Jährige wohl kaum so auffällige Ohrringe und ein Unterlippenpiercing zur Schau stellen. Er hat ein freundliches Gesicht und ist der Typ "Kreativer" - also irgendwie genau richtig in Berlin.

Unter dem Nickname "Zukar" (arabisch für Zucker) postete der Syrer vor wenigen Tagen sein erstes Video. "Wer sind diese Deutschen?" fragt er in dem Clip. Mehr als 80.000 haben ihn bis jetzt angeklickt. Doch wie erklärt man "die Deutschen" in drei Minuten? Wo ist der deutsche Normalo anzusiedeln zwischen Pegida-Miesepetern und euphorischen "Refugees welcome"-Rufern?

Al-Shater versucht es mit einem Experiment, bei dem er auch die hiesigen Klischees nutzt, die mit langen Bärten bei Arabern verknüpft sind. Mit verbundenen Augen stellte er sich auf den Alexanderplatz, die Arme ausgebreitet, daneben ein Schild: "Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir - vertraust du mir? Umarme mich." Und was passierte? Erst einmal lange Zeit gar nichts. Dann ein Tourist, der mit ihm ein Selfie macht.

Doch dann begriffen die Passanten plötzlich. Der Syrer mit den verbundenen Augen konnte sich kaum noch retten vor den vielen Umarmungen. Für den Mann aus Aleppo zeigt das: "Ich habe gelernt, die Deutschen brauchen länger Zeit. Aber dann sind sie nicht zu stoppen. Darum glaube ich, die Integration wird klappen - irgendwann."

Quelle: n-tv.de

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